Altenpflge Ein neuer Umgang mit Demenz

Windmühle in den Niederlanden

Im Jahr 2009 wurde in den Niederlanden ein ganz besonderes Dorf eröffnet: De Hogeweyk. Dieser künstlich erschaffene Ort bietet 152 Menschen eine Heimat, die an Demenz erkrankt sind. Es war die erste Einrichtung dieser Art und damit so etwas wie ein Modellprojekt mit Vorbildcharakter: Die Wohnbereiche können individuell gestaltet werden, je nach Geschmack und Herkunft der Bewohner. Es gibt einen Supermarkt, einen Fri-seur, ein Café, ein Restaurant und sogar ein Theater. Bis auf Supermarkt und Friseur sind diese Einrichtungen auch für die Öffentlichkeit zugänglich - und werden gerne genutzt.

Trotz aller Annehmlichkeiten, die das Konzept De Hogeweyk für die Bewohner bereithält, gibt es auch Kritik: Die Bewohner können die Einrichtung nicht verlassen wann sie wollen. Kritiker sind der Meinung, hier würden an Demenz erkrankte Menschen weggesperrt.

Von außen betrachtet ist dieser Eindruck zum Teil nachzuvoll-ziehen: Die Anlage vermittelt schon ein wenig den Charme einer geschlossenen Einrichtung. Durch die Gestaltung im Inneren verfliegt dieses Gefühl aber schnell. Dazu können Besucher jederzeit ein und ausgehen und die Bewohner können zwar nicht auf eigene Faust aus der Anlage - in Begleitung ist dies aber natürlich möglich.

Die Situation in Deutschland

Auch in Deutschland gibt es heute vergleichbare Projekte. Am Stadtrand von Hameln steht seit 2014 die Einrichtung Tönebön am See. Inzwischen werden hier in sechs Häusern insgesamt 76 an Demenz erkrankte Bewohner betreut. Die Bewohner leben in Hausgemeinschaften zusammen, in denen der Alltag möglichst wie in einer Familie gestaltet ist. Jeder hilft so viel wie er kann. Die Bewohner kaufen mit den Betreuern im haus eigenen Laden ein, um gemeinsam zu kochen. Sie sollen so viel wie möglich mitentscheiden, dazu gehört ebenso die Wahl zwischen Ausschlafen oder einem frühen Frühstück. So werden die Senioren weitestgehend in „ihrer Welt gelassen und nicht immer wieder mit der Realität konfrontiert - das gehört zum Konzept der Einrichtung. Solange keine Gefährdung für Bewohner oder Mitarbeiter entstehen, werden Hinweise auf falsches Verhalten vermieden.

Ähnlich wie in De Hogeweyk ist auch das Gelände in Hameln eingezäunt. Verlassen dürfen die Bewohner die Einrichtung zwar, dass aber ebenfalls nur in Begleitung. Der erwähnte Kritikpunkt ist auch in Hameln nicht aus der Welt.

Neue Ideen in Dänemark

Eine Art Weiterentwicklung der Idee Demenzdorf findet sich in Dänemark. Mitten in der kleinen Stadt Svendborg. Zum Konzept des dänischen Demenzdorfes gehören Radtouren, die mehrmals wöchentlich angeboten werden. Die Betreuung übernehmen dabei Ehrenamtliche, so werden das Personal der Einrichtung entlastet und die Bewohner bekommen Abwechslung.

Zur therapeutischen Arbeit zählt in Svendborg der Umgang mit Geld, den die Patienten nicht verlernen sollen. Darum ist der auf dem Gelände eingerichtete Dorfladen der beliebteste An-laufpunkt der Bewohner - und die dort angebotene Schokolade das meistverkaufte Produkt.

Im Gegensatz zu De Hogeweyk in den Niederlanden und der Einrichtung Tönebön am See, haben die Bewohner hier jederzeit die Möglichkeit die Anlage zu verlassen und die Nachbarschaft zu erkunden. Die Umgebung wird miteinbezogen.

Anwohner und Personal von umliegenden Geschäften sind informiert und in Notfällen können die Bewohner per GPS geortet werden. Im dänischen Gegenmodell gibt es also keinen Zaun, dafür können die Bewohner am Bildschirm aufgespürt werden, sobald sie das Gelände der Einrichtung verlassen. Ist dieses System nun die Lösung oder ein noch größerer Eingriff in die persönlichen Rechte als ein Zaun?

Bei aller berechtigter Kritik, muss die Frage erlaubt sein: Was ist die Alternative? Dem Vorwurf, die Bewohner seien eingesperrt steht schließlich eine Tatsache gegenüber: Menschen, die nicht mehr im vollen Besitz ihrer geistigen Kräfte sind, können eine Gefahr für sich und andere sein - beispielsweise im Straßenverkehr. Ob die Lösung in Dänemark der richtige Weg sein kann, wird sich zeigen.

Festzuhalten bleibt in jedem Fall, dass neue Konzepte im Umgang mit Dementen für die Zukunft absolut notwendig sind, denn die Zahl an Erkrankten wird weiter steigen.

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