Warum ist der Begriff „Altenpflege“ häufig negativ besetzt?

Aktuell ist das Thema Altenpflege allgegenwärtig in der deutschen Medienlandschaft. Es tut sich viel, vieles wird hinterfragt oder geändert. Es fehlt allerdings häufig die Balance, denn wenn berichtet wird, dann werden oft die problematischen Fragestellungen erläutert – von denen es sicher mehr als genug gibt. Aber es gibt auch eine andere Seite.

Natürlich hat sich mein Interesse für dieses Thema durch unser Austauschprojekt für chinesische Schüler ganz besonders entwickelt. Dieses Projekt bietet jungen Leuten aus China die Möglichkeit, hier bei uns eine „deutsche“ Ausbildung in der Altenpflege zu machen.

Angestoßen von der Arbeit mit diesem Projekt, habe ich überlegt, welche anderen Kontaktpunkte ich persönlich denn zum Bereich Pflege habe.

– O.k. eine Cousine ist Krankenschwester, eine gute Freundin ist Ärztin und eine andere arbeitet als Sozial- und Musikpädagogin in der Altenpflege, wieder andere direkt als Altenpfleger.  Und dann gibt es natürlich auch ganz persönliche Erfahrungen der letzten Jahre, in denen Familienangehörige intensive Pflege benötigten. Bezüge gibt es also genug. 

Aber schon als sehr junger Mensch, als ich noch in Hamburg studierte und auf der Suche nach einem Nebenjob war, habe ich selbst – in gewisser Weise – in diesem Bereich gearbeitet.

 Es ging u.a. um die Betreuung – auch Einkaufen und Putzen – einer älteren Dame, die aus gesundheitlichen Gründen ihre Wohnung nicht verlassen konnte. Wenn Freunde mich damals fragten, was ich denn für einen Job hätte und ich dann von der Pflege sprach, kamen oft verständnislose Rückfragen: „Ist das nicht langweilig? Alte Leute, das kann doch nicht interessant sein.“ – so ihre Meinung.

Dazu kam noch, daß diese Dame keineswegs in einem sehr wohlhabenden Stadtteil Hamburgs, sondern ganz in der Nähe der wohl „berüchtigsten“ Flaniermeile der Stadt wohnte. In dieser Gegend geht es keineswegs vornehm zu, daher hatte diese Arbeit für viele gleich einen „negativen Beigeschmack“. Aber was für mich viel wichtiger war – und auch heute noch ist, ist die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit dieses Menschenschlags – dies auch häufig mit einer guten Portion Schlagfertigkeit, Selbstironie und Lebensfreude – und das ist altersunabhängig!

Teil der REeperbahn,die „berüchtigste“ Flaniermeile im Hamburger Statteil St.Pauli.

Daher war diese Arbeit für mich ein „Geben und Nehmen“. Natürlich musste ich arbeiten, aber diese Zeit war eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Auch heute, nach so langer Zeit muss ich sagen, dass diese Arbeit keineswegs langweilig oder uninteressant war. Ganz im Gegenteil: Die Arbeit im direkten Kontakt und im Austausch mit älteren Menschen hat mir viel Freude bereitet und ich habe in dieser Zeit sehr viel gelernt. – So z. B. vorurteilsfrei an eine Arbeit zu gehen, erst einmal zuzuhören und sich zu informieren oder auszuprobieren, um sich dann selbst ein Urteil zu bilden – sei es über einen anderen Menschen, die „Alten“ oder auch die Arbeit in der Pflege.

Negativ geredet wird schnell – besonders von Leuten, die sich überhaupt nicht mit dem Bereich befassen, und sich aus welchen Gründen auch immer – sei es privat, beruflich oder politisch – gerne wichtigmachen.

Ich halte es aber für viel wichtiger, nicht nur negative Allgemeinplätze zu wiederholen, sondern sich erst einmal intensiv mit einem Thema zu befassen,

und sich dann eine ausgewogene eigene Meinung zu bilden, denn meist gibt es zwei Seiten.... und das ist gut so.

In diesem Sinne bis zur nächsten Ausgabe!

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