Perspektivwechsel:Das Frühlingsfest
Das Frühlingsfest findet am ersten Tag des neuen Jahres im Mondkalender statt und ist der bedeutendste Feiertag in China.
Seinen Ursprung hat das Fest bereits in der Xia-Dynastie, es hat also bereits eine lange Geschichte. Traditionell wurden an diesem Tag Opfer gebracht, um für Glück im neuen Jahr zu beten. In seiner historischen Entwicklung gab es verschiedene Namen für die Feierlichkeiten, unter anderen: „Shang Ri", „Yuan Ri" oder „Zheng Ri". In der Zeit der Republik China legte Shi-kai Yuan mit der Einführung des Sonnenkalenders den ersten Tag des Sonnenkalenders als „Neujahrstag" fest, der 1. Januar nach dem Mondkalender wird als „Frühlingsfest" bezeichnet.
Das Frühlingsfest ist reich an historischen und kulturellen Be-sonderheiten. Es hat sich von einem bloßen Opferfest zu einem Feiertag mit vielfältigen Aktivitäten entwickelt. Abhängig von der jeweiligen Region gibt es unterschiedliche Bräuche. Die gängigsten werden nun vorgestellt.
Die Tage vom 23. bis 30. Dezember des Mondkalenders werden als „Aufräumtage" bezeichnet. Während dieser Zeit putzen die Menschen das Haus, „das Alte" wird beseitigt, um dann das neue Jahr zu begrüßen. Vor Beginn der Feierlichkeiten gehört es für viele dazu, neue Kleidung zu kaufen und festliche Lebensmittel zu besorgen. Es gibt meist verschiedene Rabattaktionen und in den sehr gut besuchten Einkaufszentren läuft traditionelle „Neujahrsmusik". Dabei ist die Farbe Rot sehr prä-sent, denn sie steht für Glück und Festlichkeit.
Das Frühlingsfest ist nicht nur das größte nationale Fest, sondern auch der wichtigste Anlass für ein Treffen mit der Fami-lie. Wenn wir uns dem Silvesterabend nähern, fällt immer öfter das Wort „Frühlingsfestverkehrsphase". Mit der Verbesserung des Lebensstandards und dem bequemen Transport arbeiten viele Menschen in den großen Städten, weit entfernt von der Familie. Zum Frühlingsfest ist dann aber jeder bestrebt zurück in die Heimat zu fahren, um Zeit mit der Familie zu verbringen.
Aufgrund der großen Bevölkerung Chinas entsteht so ein alljährliches Phänomen, welches in dieser Größenordnung sonst nirgends auf der Welt beobachtet werden kann. Dieses Ereignis hat sich allmählich zu einem Merkmal Chinas entwickelt.
Am 30. Dezember des Mondkalenders ist Silvester und gleichzeitig der geschäftigste Tag des Jahres. Jeder Haushalt sollte bestimmte Spruchbänder und Fensterscherenschnitte aufhän-gen. Die Spruchbänder sollen das Böse fernhalten, Katastrophen abwehren und den Frieden willkommen heißen. Jede Familie hängt die Bänder zusammen auf, die aus den Gruppen"oberer Spruch", "unterer Spruch" und "horizontaler Spruch" bestehen. Die Spruchbänder können fertig gekauft oder selbst gebastelt werden. In der Antike wurde von rechts nach links ge-schrieben. Der obere Spruch wird rechts vom Türrahmen auf-gehängt, der untere Spruch links. Der horizontale Spruch wird an den Oberrahmen der Tür angebracht. Da die Sprüche für die Hoffnungen für das neue Jahr stehen, nimmt die ganze Familie an der Aktivität teil. Die Spruchbänder sollten vor Beginn des Frühlingsfestes aufgehängt werden und unbedingt richtig angeordnet sein.
Am Silvesterabend versammelt sich die Familie zum gemeinsamen Abendessen. Man sieht sich die Frühlingsfestgala an, verteilt rote Umschläge mit Geldgeschenken, spielt Mahjong und zündet Feuerwerke. Die Familie wird von den Chinesen sehr geschätzt, somit ist das Silvesterabendessen als Familien-zusammenkunft ein unverzichtbarer Bestandteil der Feierlich-keiten. Durch die regionalen Unterschiede gibt es verschiedene Esskulturen in ganz China. Somit variiert dieses Abendessen je nach Region, es gibt "Jiao Zi", "Tang Yuan", Fisch, gewürzte Würstchen und Reiskuchen. Jedes Gericht hat eine eigene Be-deutung: Beispielsweise sehen die von Nordländern verzehrten "Jiao Zi" wie „Yuan Bao" (ein antikes Zahlungsmittel und heutiges Glückssymbol) aus, was großes finanzielles Glück im neuen Jahr symbolisieren soll. Die von Südländern verzehrten
"Tang Yuan" repräsentieren die Vereinigung der Familie. Für das Silvesterabendessen ist Fisch unverzichtbar, denn die Aussprache des chinesischen Wortes für Fisch klingt wie der Ausdruck „Jedes Jahr reich zu bleiben."
Für viele chinesische Familien ist es zur Tradition geworden, an Silvester gemeinsam zu Abend zu essen und dabei die Übertragung der Frühlingsfestgala zu sehen. Diese Gala ist eine, mehrere künstlerische Genres präsentierende, Fernseh-sendung, die vom CCTV produziert wird. Sie hat eine 40-jäh-rige Geschichte und ist die einflussreichste Sendung Chinas.
Die Tradition, dass innerhalb der Familien rote Umschläge mit Geldgeschenken verteilt werden, ist heute auch im digitalen Zeitalter angekommen. Verwandte und Freunde tauschen in WeChat- und Alipay-Gruppen virtuelle Umschläge aus. Geldbeträge werden nach dem Zufallsprinzip aufgeteilt. Durch die starke Interaktivität wurde diese Art des Schenkens immer beliebter und ist in den letzten Jahren zu einer typischen Aktivität während des Frühlingsfestes geworden.
Um das neue Jahr zu feiern, werden zum Jahreswechsel Feuerwerkskörper gezündet. In der chinesischen Antike war das Feuerwerk jedoch nicht nur für das Feiern gedacht, sondern sollte in erster Linie ein Monster mit dem Namen „Nian" ver-treiben. „Nian" wird in der Folklore als wildes Monster beschrie-ben, das Ernte und Nahrung zerstört, Haustiere verschlingt und Menschen verletzt. Die Menschen trugen rote Kleidung und zündeten Feuerwerkskörper, um das Nian-Monster zu vertrei-ben. Es wurde später in „Guo Nian" umbenannt, was "Neujahr" bedeutet. Da in China inzwischen strenge Auflagen zum Umweltschutz bestehen, ist das Zünden von Feuerwerkskörpern in vielen Städten verboten, sogar an Silvester. Aber auch ohne großes Feuerwerk lässt die Begeisterung der Menschen für Silvester nicht nach und es wird bis spät in die Nacht gefeiert.
In China ist das Frühlingsfest ein gesetzlicher Feiertag. Insgesamt sind für die Feierlichkeiten sogar sieben Tage frei, denn in der Regel wird bis zum siebten Tag des neuen chinesischen Jahres gefeiert. Während dieser Zeit sind alle Geschäfte geschlossen und die Menschen können zur Ruhe kommen. Sie sind aber nicht untätig: Neue Kleidung wird anprobiert, Verwandte und Freunde werden besucht und beschenkt, Neujahrs-grüße werden verteilt oder die Zeit wird genutzt, um sich mit Freunden und Familie zu unterhalten. Für die junge Generation gehören Verwandtenbesuche meist nicht mehr zu den Lieb-lingsbeschäftigungen. Sie gehen stattdessen lieber mit Freunden aus oder bleiben zu Hause, um Videospiele zu spielen.
Nach dem siebten Tag des neuen Jahres gibt es ein weiteres Fest: das Laternenfest. Am 15. Tag des ersten Monats treffen sich die Familienmitglieder, um "Yuan Xiao" zu essen.
Auch zum Laternenfest gibt es viele Bräuche. Man kann z.B. bunte Laternen im öffentlichen Raum betrachten, Laternenrät-sel erraten oder sich Löwentänze (ähnlich der Drachenstraßen-züge mit Mehmann-Kostüm) anschauen. Das Laternenrätsel hat eine lange Geschichte, die Herkunft reicht bis zu der südlichen Song-Dynastie zurück: Auf die Laternen werden Rätsel geschrieben, die andere Menschen erraten können. Im Laufe der Zeit hat sich der Inhalt der Rätsel verändert, aber der Brauch, Laternenrätsel zu erraten, wurde stets weitergegeben.
Das Laternenfest bedeutet das Ende des Frühlingsfestes.
Das Frühlingsfest wird nicht nur in China gefeiert, sondern hat auch in anderen asiatischen Ländern Tradition. Es ist ebenfalls in Ländern wie Vietnam, Indonesien, Nordkorea, Südkorea, Singapur und Malaysia bekannt. Die Bräuche des Frühlingsfestes unterscheiden sich aber von Land zu Land. Die regionalen Unterschiede bei den Frühlingsfestbräuchen in China sind darum auch auf Einwanderer aus diesen Ländern zurückzuführen.