Besondere Therapieformen

n unserem vorausgegangenen Altenpflege Spezial berichteten wir bereits über eine Form der künstlerischen Therapie: die Musiktherapie. Diese kann das körperliche, geistige, soziale und emotionale Wohlergehen durch den gezielten Einsatz von Klängen und Musik fördern. Musiktherapie bietet sich besonders für demenzkranke Menschen an. Sie werden mit Melodien, Liedgut und Klängen, die in ihrem Langzeitgedächtnis in Form von Kinderliedern oder Volksliedern abgespeichert sind, erreicht.  So können sie sich an Ereignisse aus ihrer Vergangenheit erinnern. Das Zusammenspiel aus Rhythmus, Wiederholung, Stille, Klang und Nachhall erzeugt bei den Patienten ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Die Nutzung besonderer Instrumente kann das aktive Erleben der Musik noch verstärken: Die „Ocean-Drum“ erzeugt z.B. den Klang von Meeresrauschen, der „Regenmacher“, eine Gefäßrassel aus Südamerika, vermittelt den Klang fallenden Regens und „Klangschalen“ ermöglichen die Wahrnehmung von Klang und Dynamik über den Körper durch Berührung.

Neben der Musiktherapie gibt es in den künstlerischen Therapien auch noch die Kunsttherapie, Tanztherapie und Theatertherapie (u.a.). Diese sollen nun einmal kurz vorgestellt werden. Darüber hinaus möchten wir zusätzlich die Chance nutzen und über „tiergestützte Therapien“ informieren.

 

Was ist Kunsttherapie?

Kunsttherapie fördert die Fähigkeit des Menschen, seine Umwelt unmittelbar über die Sinne wahrzunehmen und zu begreifen. Sie setzt an einem tiefen Grundbedürfnis des Menschen an, sich gestalterisch auszudrücken und mit sich und anderen in Kontakt zu treten. Auf der Basis einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung werden innere Prozesse durch Materialien und Medien der Bildenden Kunst sichtbar gemacht, Farb- und Formqualitäten mit eigenem Erleben und persönlichen Lebensmotiven verbunden. (Kunsttherapie.de, 2018)

Die Kunsttherapie basiert besonders auf den Kunstformen Expressionismus, Dadaismus und Surrealismus, die erstmalig Assoziativem, Unbewusstem oder Alltäglichem Ausdruck verliehen. Dies führte mit der Entwicklung der Psychoanalyse und der Entdeckung des Unbewussten, insbesondere durch die Arbeiten von Sigmund Freud und Carl Gustav Jung, zu einer ersten Berücksichtigung des therapeutischen Potenzials bildnerischen Gestaltens. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden daraus hervorgehend der Primitivismus Paul Gauguins, die Kinderzeichnung sowie die „Kunst der Geisteskranken“. Psychiater wie Hans Prinzhorn, Leo Navratil und Fritz Morgenthaler entwickelten ganze Sammlungen dieser neuen Kunstform. Mit der verstärkten Auseinandersetzung der Wahrnehmung von Linie, Farbe, Form und Raum, sowie optischen Phänomenen zur (Re-)Konstruktion der Wirklichkeit wurde der Weg für die Kunsttherapie geebnet. Zunehmend wurde die Kunst mit entwicklungspsychologischen und therapeutischen Ansätzen (Tiefenpsychologie, Verhaltenstherapie, u.a.) kombiniert. Heute ist die Kunsttherapie eine eigenständigen Therapieform und ein Studienberuf.

Generell findet diese Therapieform bei Menschen mit unterschiedlichen Erkrankungen Einsatz. Sie kann in der Psychosomatik genauso Anwendung finden wie in der Geriatrie oder der Psychiatrie. Kunsttherapeuten arbeiten z.B. in Krankenhäusern, Kindergärten, Altersheimen, Hospizen oder Frauenhäusern.



Was ist Tanztherapie?


Tanzen ist u.a. eine Ausdrucksform zur Verständigung und zur Bewältigung von Lebensereignissen. Die Integrative Tanztherapie wiederum basiert auf tiefenpsychologischen, verhaltens- und gestalttherapeutischen Grundlagen. Diese Therapieform wird für Gruppen genauso wie für Einzelpersonen genutzt. Die ausgebildeten Tanztherapeuten arbeiten, ähnlich wie Kunst- und Musiktherapeuten, in der Prävention, in Altersheimen, Kranken- und Jugendhäusern (u.a.) mit Kindern, Jugendlichen, Suchtkranken, behinderten und alten Menschen.


Was ist Theatertherapie?


Die spielerische und körperorientierte Herangehensweise überwindet die Grenzen des rationalen Verstehens, so dass emotionale Aufgeschlossenheit erreicht und neue Perspektiven sowie Handlungsmöglichkeiten erschlossen werden können. (DGFT, 2018)


Historisch hat sich die Theatertherapie in England, den USA und den Niederlanden vor über 50 Jahren entwickelt. Sie kombiniert das Theater und den schauspielerischen Ausdruck mit Verfahren moderner Psycho- und Sozialtherapien. Der Therapieverlauf ist durch einen kreativen Prozess gekennzeichnet. Es gibt spezifisch ausdifferenzierte Therapieformen um möglichst alle psychischen Störungen behandeln zu können. Die Theatertherapie wie sie heute verstanden wird, geht in weiten Teilen auf die Engländerinnen Dr. Sue Jennings und Dr. Alida Gersie, den Israeli Prof. Dr. Dr. Mooli Lahad und den Amerikaner Dr. Robert Landy zurück. In Deutschland kann man Theatertherapie am Institut für Theatertherapie in einer mehrjährigen berufsbegleitenden Weiterbildung oder an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen als Bachelor studieren.


Was sind tiergestützte Therapien?

Therapie mit Pferden

Die tiergestützte Therapie ist ein pädagogisches, psychologisches und sozialintegratives Angebot mit Tieren für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren mit kognitiven, sozial-emotionalen und motorischen Einschränkungen, Verhaltensstörungen und Förderschwerpunkten. Prävention und gesundheitsfördernde Ansätze spielen auch eine Rolle. Das Angebot kann sowohl für Gruppen als auch Einzelpersonen organisiert werden.

Basis dieser Therapieform ist die Beziehungen und die gemeinsame Arbeit des Beziehungsdreieck Patient-Tier-Bezugsperson. Die Patienten interagieren mit, kommunizieren über oder sorgen für den/die Tiere/n. Tierethische Grundsätze müssen zu jederzeit berücksichtigt werden. Die Therapie verfolgt eine klare Prozess- und Themenorientierung mit anschließender Dokumentation und Reflexion.

Die Therapeuten sind als Fachkraft für tiergestützte Therapie ausgebildet und verbinden in ihrem Tätigkeitsfeld Wissen aus vielen verschiedenen Disziplinen wie Psychotherapie, Psychologie, Medizin, Pädagogik, Ethologie und Veterinärmedizin. Die Fachausbildung zum tiergestützten Therapeuten wird von der European Society for Animal Assisted Therapy (ESAAT) definiert und überwacht. Sie muss mindestens 60 ECTS umfassen und je nach eingesetzter Tierart sind weitere tierspezifische Ausbildungen zu absolvieren. Zu den typischen Therapietieren zählen Hunde, Katzen, Delfine, Klein- und Nutztiere wie Pferde und Lamas.

Quellen:

Kunsttherapie.de (2018): Was ist Kunsttherapie? [online] Verfügbar unter: http://www.kunsttherapie.de/kunsttherapie.html

Deutsche Gesellschaft für Tanztherapie e.V. (DGT, 2018): Was ist Integrative Tanztherapie? [online] Verfügbar unter: https://www.dgt-tanztherapie.de/was-ist-tanztherapie.html

Deutsche Gesellschaft für Theatertherapie (DGFT, 2018): Was ist Theatertherapie? [online] Verfügbar unter: http://www.dgft.de/ueber-uns/was-ist-theatertherapie/

European Society for Animal Asssisted Therapy (ESAAT, 2018): Definition “Tiergestützter Therapie” [online] Verfügbar unter: http://www.esaat.org/definition-tiergestuetzter-therapie/

ASC Ausbildung & Service GmbH (2017): Mit Musik geht alles besser! In: DUAL – Altenpflege Special, No. 4, veröffentlicht am 01.10.2017, S. 12/13.

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