Logistik heute

Die Definition der Logistik nach Jünemann lautet wie folgt: „Der logistische Auftrag besteht darin, die richtige Menge, der richtigen Objekte als Gegenstände der Logistik (Güter, Personen, Energie, Informationen), am richtigen Ort (Quelle, Senke) im System, zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Qualität, zu den richtigen Kosten zur Verfügung zu stellen.“ (Reinhardt Jünemann, „Materialfluß und Logistik“, 1986, S. 18).

In unserem Alltag ist die Logistik allgegenwärtig: Wenn wir im Supermarkt um die Ecke einkaufen wollen sind wir genauso von der Logistik abhängig wie große Konzerne, die Windkraftanlagen oder Flugzeuge bauen.

Wenn wir im Internet eine Bestellung aufgeben, werden in Sekundenschnelle Daten ausgetauscht und in komplex vernetzten Systemen verarbeitet. All das passiert im Verborgenen. Zahlungsinformationen werden digital ausgetauscht, während irgendwo auf der Welt ein Kommissionierauftrag ausgegeben, die richtigen Waren ausgelagert und verpackt werden. Diese werden dann eventuell in einem Logistikhub zwischengelagert und anschließend via Kurier-, Express- oder Postdienstleister ausgeliefert. Am Ende einer versteckten und komplizierten Kette von Prozessen und Ereignissen landet dann hoffentlich das richtige Paket vor unserer Haustür – alles aufgrund eines Tastendrucks, den wir an einem verregneten Sonntagnachmittag zu Hause bei einer Tasse Tee getätigt haben. 

Einige Unternehmen gehen sogar noch weiter: Rohstoffe und Halbzeuge, welche für die Produktion benötigt werden, müssen gar nicht mehr manuell nachbestellt werden. Warenwirtschaftssysteme vergleichen Produktionsdaten und Lagerbestände und bestellen automatisch das, was in drei Wochen benötigt wird.

Wie ist es so weit gekommen? Was hat zu den, teilweise mit gespenstischer Präzision ausgeführten, Logistikprozessen geführt, die wir heute kennen und nutzen?

Geschichte der Logistik

Eine römische LEgion(I.) und die Cheops -Pyramide in Ägypen(r.)

Die etwa 4500 Jahre alte Cheops-Pyramide ist vielleicht nicht das älteste Beispiel für Logistik aber zweifelsfrei ein spektakuläres. Die geschätzte Gesamtmasse der Pyramide beträgt 6.250.000 Tonnen. Das ist etwa das 7,7-fache der Golden Gate Bridge und war vor allem eins: ein riesiger logistischer Aufwand. Die etwa 50 – 80 Tonnen schweren Steinblöcke mussten abgebaut, transportiert, be- und verarbeitet werden. Dazu benötigte man Werkzeuge, Krananlagen, Schiffe, Häfen, Straßen und vieles mehr. Sie mussten von Menschen errichtet und bedient werden. Diese wiederrum mussten versorgt und irgendwo untergebracht werden – von der Planung und den mathematischen Grundlagen eines solchen Mammutprojektes wollen wir gar nicht erst anfangen. Wie genau Chufu und seine Jungs und Mädels das angestellt haben ist nicht genau geklärt – zu diesem Thema gibt es ganze Bücher. Der Aufwand lässt sich also nur erahnen.

Einen weniger friedlichen Nutzen hatte die Logistik schon früh für das Militär. Um das Jahr 900 schrieb der byzantinische Kaiser Leontos VI in Summarische Auseinandersetzung der Kriegskunst: „Es ist Sache der Logistik, das Heer zu besolden, sachgemäß zu bewaffnen und zu gliedern, es mit Geschütz und Kriegsgerät auszustatten, rechtzeitig und hinlänglich für seine Bedürfnisse zu sorgen und jeden Akt des Feldzugs entsprechend vorzubereiten, d.h. Raum und Zeit zu berechnen, das Gelände in Bezug auf die Heeresbewegungen sowie des Gegners Widerstandskraft richtig zu schätzen und diesen Funktionen gemäß die Bewegung und Verteilung der eigenen Streitkräfte zu regeln und anzuordnen, mit einem Wort zu disponieren.“

Diese Organisation war auch Jahrhunderte später noch kriegsentscheidend und dessen Wichtigkeit wurde durch verschiedene Nationen und Feldherren immer wieder aufs Neue festgestellt.

Logistik betrifft also nicht nur Waren, die von A nach B verschickt werden, sondern die ganzheitliche Versorgung mit dem, was gerade gebraucht wird und dessen vorausschauende Planung. Dazu zählt auch der Informationsfluss und die Unterbringung von Personal und Gerät. Der größte Kampfgeist nützt nichts, wenn das Schießpulver nass geworden ist, die Soldaten Hunger leiden müssen und diese versehentlich die falsche Stadt belagern. Ohne Mampf kein Kampf – und ohne Logistik kein Krieg.

Das auch der Handel von einer strukturierten Organisation und Planung profitieren kann wurde ebenfalls früh festgestellt. Die Früchte dieser Organisation zeigten sich in Deutschland auf eindrucksvolle Weise in der Mitte des 13. Jahrhunderts mit der Entstehung der Hanse. Diese erlaubte es, den Handelsradius enorm zu erweitern und Verhalf dessen Teilhabern zu enormem Wohlstand.

Die Erfindung der Dampfmaschine gilt nicht nur als Meilenstein der Geschichte, sondern auch als einer der Wegbereiter der industriellen Revolution. Dadurch erhielt zuerst die wirtschaftlichere Produktion wissenschaftliche Aufmerksamkeit und etwas später auch die Logistik. Der Taylorismus war geboren.

Und was Frederick Taylor und Henry Ford für die Produktion waren, war Malcom McLean ein paar Jahre später für die Logistik. Obwohl letzterer das Containerwesen nicht erfunden hat, waren er und Keith Tantlinger es, die mit Ihren Bemühungen dem modernen intermodalen Transport den Weg ebneten. Ein genormter Container, der zum Beispiel in China mit Stückgut befüllt, per Schiff nach Hamburg, anschließend per Zug nach Frankfurt und zuletzt mit dem LKW zum Zielort gebracht werden kann, ohne, dass das eigentliche Gut jemals umgeladen werden muss, ist eine geniale Sache.

Es ist die Kombination von vielen kleinen Erfindungen und Erkenntnissen, die unmögliches möglich werden lässt. Um das zu erreichen, müssen Firmen entscheiden, welchen Prozessen und Technologien sie Vertrauen schenken wollen, und welchen nicht. Bei der Fülle der Optionen den Überblick über Vor- und Nachteile zu behalten ist gar nicht so leicht. Aus genau diesem Grund gibt es inzwischen Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, maßgeschneiderte Logistikkonzepte anzubieten. Logistik ist für viele Firmen inzwischen so wichtig geworden, dass bereits die Beratung hierzu ein eigenständiges, äußerst lukratives, Geschäftsfeld darstellt.

Containerschiff mit Sky-Salis-Drachen auf offener See

Und was kommt morgen?

Mit der heutigen Effizienz und Konzepten wie Just-In-Time-Delivery, könnte der Eindruck entstehen, es gäbe nichts mehr zu verbessern. Das sehen viele Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik jedoch anders. Die Straßennetze sind überlastet und der Transport von Gütern, sei es zu Luft, zu Land oder zu Wasser stellt eine große Umweltbelastung dar. Um dieser Probleme Herr zu werden, ersann man ein neues und bis heute noch nicht ausreichend definiertes Feld: Grüne Logistik. Dass durch diese neue Betrachtungsweise nicht nur die Umweltverträglichkeit verbessert werden, sondern sich auch Kostenersparnisse erzielen lassen, sollen zum Beispiel Projekte wie SkySails zeigen.

Die Idee: Schiffe werden mit Hilfe von Drachen durch Windkraft gezogen und so die Maschinen entlastet. Ein Blick auf die Historie der Schifffahrt verrät, dass die Nutzung von Windkraft bei weitem kein neues Konzept ist – ein Rückschritt also? Mitnichten! Die SkySails können in Höhen zwischen 100 und 300 m operieren, in denen stärkere und stetigere Winde vorherrschen. Start- und Landevorgang sind teilautomatisiert und im Flugbetrieb wird der Zugdrachen automatisch gesteuert.

Es ist also noch Luft nach oben. Und was die Zukunft der Logistik und die Logistik der Zukunft bringen wird, dürfen wir gespannt abwarten.

Leichter auf dem Rhein bei Boppard

Westerhever Leuchttrum

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