Fußballkultur in Deutschland

Welchen Stellenwert der Fußball in Deutschland mittlerweile hat, wurde bei der Fußballweltmeisterschaft wieder deutlich. Nach dem frühen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft gab es in den Medien kaum ein anderes Thema.  Bei den großen Turnieren wie Welt- und Europameisterschaften wird der Fußball zelebriert – nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa, vielen Teilen Südamerikas, Afrikas und mittlerweile auch Asiens.

 

Zu den Spielen der Nationalmannschaften strömen die Menschen zu den Public Viewings auf öffentlichen Plätzen, sitzen in Kneipen oder treffen sich mit Freunden und Familien zum gemeinsamen Fußball schauen.

 

In Deutschland ist spätestens seit der WM 2006 ein kollektives Mitfiebern mit der deutschen Nationalelf bereits sowas wie Tradition. Mit hunderten oder gar tausenden Gleichgesinnten über eine große Leinwand bei einem Spiel mit zu fiebern, lässt das Gefühl eines Stadionbesuchs nachempfinden, dessen Faszination ebenfalls nicht nur das Spiel selbst ausmacht, sondern vor allem das gemeinschaftliche Erleben von Emotionen.

 

Aber auch abseits der Nationalmannschaft ist Fußball fester Bestandteil der deutschen Kultur.

Vereine wie der FC Bayern München oder Borussia Dortmund haben mittlerweile eine Strahlkraft, die weit über die deutsche Bundesliga hinausgeht. Gerade im Ruhrgebiet sind Fußballclubs wie Borussia Dortmund oder FC Schalke 04 Identifikationspunkte für ganze Städte und Regionen. In Städten wie Hamburg, Bremen oder Stuttgart verhält es sich ähnlich. Anders als in Spanien, Italien und England sind die Stadien der Bundesligavereine fast immer ausverkauft. Die Fankultur ist ausgeprägt, was sicherlich auch daran liegt, dass die Tickets für ein Bundesligaspiel im Vergleich zu Spielen in England oder Spanien erschwinglich sind.

Dazu ist der Fußball immer ein willkommenes Thema. Ob unter Arbeitskollegen, auf Familienfeiern oder im Freundeskreis – irgendjemand hat fast immer was zum letzten Spieltag zu sagen.

Schaut man sich die Anfangszeit der Bundesliga in den frühen 1960er Jahren an, ist diese Entwicklung durchaus erstaunlich. Im Stadion gab es kaum Frauen oder gar Familien, Fußball war der Sport der einfachen – meist männlichen – Bevölkerung. Manager oder in höheren Positionen Arbeitende waren im Fußballpublikum eine Seltenheit, Politiker waren erst recht nicht im Stadion zu finden. Heute ist es undenkbar, dass ein Vorstandvorsitzender keine Meinung zu Fußballthemen hat, bei wichtigen Spielen der Nationalmannschaft ist Bundeskanzlerin Angela Merkel regelmäßig auf der Tribüne zu sehen.

 

Einer der Faktoren, der zur stark gestiegenen Beliebtheit des Sports beigetragen hat, ist sicherlich der technische Fortschritt. Nicht nur die Sportart Fußball selbst ist mit den Jahren schneller und attraktiver geworden, sondern auch die Übertragung der Fernsehbilder hat heute ein ganz anderes Niveau. Viele verschiedene Kameraperspektiven, Superzeitlupen und gestochen scharfe Bilder, die auf den Fernseher im eigenen Wohnzimmer gesendet werden.

 

Hinzu kommt, dass es in Deutschland nur wenig gibt, was so im Fokus der Öffentlichkeit steht und vor allem auch stattfindet: Auf den ersten zehn Plätze in der Rangliste der meistgesehenen Fernsehsendungen aller Zeiten stehen Übertragungen von Fußballspielen.

 

Jedoch sind sicherlich nicht nur die modernen Möglichkeiten der Medien verantwortlich für den Siegeszug des Fußballs. Oftmals wird der hohe Stellenwert des Sports darauf zurückgeführt, dass das Politische an Bedeutung verloren hat. Seit den frühen 1990er Jahren ist zu beobachten, wie der politische Diskurs in der Gesellschaft immer weniger stattfindet. An seiner Stelle ist nun eben häufig der Fußball Gegenstand von Diskussionen – zumindest im privaten Kreis. Galt Fußball vor einigen Jahrzehnten noch als unkultiviert, beschäftigen sich heute gelegentlich sogar Philosophie-Magazine mit der Bedeutung der heutigen Fußballkultur.

 

Die Aufmerksamkeit, die dem Fußball heute entgegengebracht wird, bringt aber auch Verantwortung für die Vereine mit sich. So besteht natürlich einerseits die Möglichkeit, dass Fußballvereine soziale Projekte initiieren oder unterstützen. Andererseits wird dem Fußball so auch einiges abverlangt: Er dient als Rettungsanker für die Politik, für Fernsehmacher oder für andere gesellschaftliche Probleme. Dennoch: Fußball ist heute so etwas wie der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält.

Schuss auf das Tor

 

 

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