Freiwillige Dienste in Deutschland
von Julian Junghanns
Nach Abschluss der Schulzeit stellt sich für viele Schüler in Deutschland die Frage, wie es weitergehen soll. Welcher Beruf ist für mich der Richtige? Soll ich studieren oder lieber eine Ausbildung machen? Hilfestellung und eine erste Berufserfahrung bieten hier freiwillige Dienste. Sie geben jungen Erwachsenen die Möglichkeit, einen Beruf oder ein Berufsfeld ähnlich einem Praktikum auszuprobieren und dienen so als gute Orientierung in der Berufswahl.
Diese Dienste und ihre verschiedenen Eigenschaften sollen jetzt einmal kurz vorgestellt werden. Man unterscheidet in Deutschland im Allgemeinen die folgenden 3 Dienste:
Freiwillges soziales Jahr (FJS)
Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ)
Bundesfreiwilligendiesnt (BDF)
Das FSJ wird zum Teil noch weiter unterteilt mit besonderem Augenmerk auf Kultur oder Politik (u.a.). Es dauert in der Regel 12 Monate (1. Sept.-31. Aug.), kann aber nach Absprache auch kürzer oder länger gehen. Menschen, die ein FSJ absolvieren bekommen Einblicke in soziale Berufe wie die Alters- oder Krankenpflege, die Kinder- und Jugenderziehung und kirchliche und kulturelle Arbeit. Das FSJ wird mit einem Taschengeld vergütet, das je nach involviertem Partner in seiner Höhe variieren kann.
Das FÖJ unterscheidet sich in seinen Bestimmungen wenig vom FSJ. Der Fokus liegt hier allerdings dem Namen nach auf dem ökologischen, umweltbezogenen Berufsfeld. Erfahrungen können demnach in Bereichen der Garten- und Landschaftspflege, der Umweltbildung oder der Umwelttechnik und dem Umweltmanagement gesammelt werden. Nichtregierungsorganisationen (NGOs) wie der Naturschutzbund Deutschland (NABU) oder Greenpeace Deutschland können hier genauso Partnerorganisationen sein, wie öffentliche Stellen in Umweltbüros, Schulen oder Kliniken.
Den Bundesfreiwilligendienst gibt es seit 2011 in Deutschland. Dieser hat die Nachfolge des Zivildienstes angetreten. Ähnlich dem FSJ und FÖJ liegt die Dauer in der Regel zwischen 6 und 18 Monaten und kann maximal 2 Jahre betragen. Während das FSJ und FÖJ sich allerdings an Menschen im Alter bis 27 Jahren richtet, ist der BFD frei von solchen Altersgrenzen. Auch bietet der BFD sämtliche Berufsfelder an. Die Wahl zwischen FSJ/FÖJ und BFD hängt daher häufig von der beteiligten Institution oder dem lokalen Angebot ab.
2011 haben 35.000 Jugendliche ein FSJ gemacht, dem stehen für das FÖJ in 2012 3.000 Jugendliche gegenüber. Den BFD haben 2017 44.495 Menschen geleistet, davon waren 73% in dem gleichen Alter wie die Teilnehmer von FSJ und FÖJ.
Alle Freiwilligendienste zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Zusammenarbeit ihrer Dienstleistenden mit ausgebildeten Fachkräften in den jeweiligen Betrieben, Vereinen und öffentlichen Institutionen fördern. Darüber hinaus werden Seminare und Weiterbildungen angeboten, die einen Erfahrungsaustausch der Dienstleistenden untereinander und die Erarbeitung von Kernkompetenzen in den jeweiligen Berufsfeldern ermöglichen. Die angebotenen Seminare werden pädagogisch und durch eine unabhängige Trägerinstitution begleitet und organisiert. Sie erleichtern den Einstieg in neue und fremde Berufsfelder.
Der Abschluss des Freiwilligendienstes wird in der Regel durch ein entsprechendes Zeugnis, das sämtliche geleistete Arbeit und gewonnenen Qualifizierungen dokumentiert und zukünftigen Bewerbungen beigelegt werden kann, bestätigt. So dient diese Zeit nicht nur der persönlichen und beruflichen Findung, sondern bedeutet eine direkte und fachspezifische Weiterbildung und Qualifikation.
Für die beteiligten Institutionen lohnen sich die hier vorgestellten Freiwilligendienste vor allem zur langfristigen Werbung von zukünftigen Auszubildenden und der kurzfristigen Nutzung von günstigen, lernfähigen und hochmotivierten Arbeitskräften.