Ausbildung und duales Studium im Bereich Umwelt
von Julian Junghanns
Umweltschutz hat in Deutschland eine lange Tradition. Bereits 1713 veröffentlichte der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz ein Schriftstück, das sich für eine nachhaltige Nutzung regionaler Forstbestände stark machte (GEO, 2018). In Deutschland und anderen alten Industrieländern folgten erste gesetzliche Regelungen zur Luft- und Wasserreinheit im 19. Jahrhundert. Gesellschaftsfähig und zentral geregelt wird der Umweltschutz als Teil des Umweltministeriums seit Ende der 1970er Jahre (bpb, 2009).
In Folge der politischen Fortschritte in diesem Bereich hat sich auch eine Umweltwirtschaft entwickelt. Diese wächst von Jahr zu Jahr und ist schon lange keine Nischenbranche mehr. Sie entsprach 2015 ca. 6% der gesamten deutschen Industrieproduktion. Eine klare Definition des Umweltschutz-Sektors gestaltet sich hingegen schwierig. Umweltbezogene Arbeitsplätze finden sich inzwischen in allen Wirtschaftszweigen und -sektoren. Sie unterscheiden sich aber in Hinblick auf die behandelten Umweltbereiche (Litho-, Pedo-, Hydro-, Atmo-, und Biosphäre) und die Art der technologischen Ausrichtung und Leistungen. Zusätzlich ist der Umweltsektor kontinuierlichen Veränderungen unterworfen, was eine einheitliche Definition weiter erschwert. Das Umweltbundesamt definiert die Umweltwirtschaft daher als „alle Unternehmen, die Umweltschutzgüter und -dienstleistungen anbieten“ (UBA, 2017a, S. 4). Der Springer Gabler Verlag definiert Umwelt unter anderem als Bereitstellung von Gütern und natürlichen Ressourcen zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse und Produktion (Springer Gabler Verlag, 2018). Umweltschutzgüter und -dienstleistungen stellen somit diese Bedürfnisse und Produktionen unter Schutz und langfristig sicher. Zu den genannten Bedürfnissen und Gütern zählt unter anderem das Trinkwasser, die Nahrungsproduktion, Energieträger und Bodenschätze. Daher sind die Abfall- und Recyclingwirtschaft, der Gewässerschutz, die Abwasserreinigung und die Mess-, Steuer- und Regeltechnik (MSR) genauso als Beispiele für die unterschiedlichen Bereiche der Umweltwirtschaft zu nennen, wie die Nutzung erneuerbarer Energien und Maßnahmen des Klimaschutzes (UBA, 2017a; UBA, 2017b).
Die unklare Definition des Umweltschutz-Sektors spiegelt sich auch bei dem vielfältigen Angebot an schulischen und dualen Ausbildungen und Studien wieder. Von 95 gefundenen Angeboten hatte die duale Ausbildung mit 60 Berufsprofilen den größten Anteil, gefolgt vom dualen Studium mit 21 Themen und der schulischen Ausbildung mit 14 Profilen. Abbildung 1 zeigt die verschiedenen Themenbereiche der Angebote sortiert nach der Bildungsform. Die relativ vage Definition von Umwelt und Umweltschutz lässt sich vor allem an den Balken für Sonstige ablesen. Zum Beispiel ist hier ein dualer Studiengang Energie und Wassermanagement aufgelistet, der die Bereiche Wasser, Abwasser & Abfall und Versorgungs-, Energie- und Umwelttechnik miteinander kombiniert, ohne sich dem einen oder dem anderen Bereich unterzuordnen. Ähnliches gilt für den Ausbildungsberuf Land- und Baumaschinenmechatroniker, welcher Anwendungsbereiche im Bergbau und der Land- und Forstwirtschaft hat. Der Ausbildungsberuf Fischwirt wurde hier der Ernährungssparte zugewiesen, könnte aber auch im Bereich Wasser angesiedelt werden. Die Themenbereiche Landwirtschaft & Ernährung und Forstwirtschaft & Landschaftsbau sind in der dualen Ausbildung deshalb so groß, weil sie u.a. 6 verschiedene Pferdewirt- und 8 verschiedene Gärtner-Ausbildungen berücksichtigen. Ob man diese Berufe nun im Zusammenhang einer umwelttechnischen Ausbildung berücksichtigt hängt von der jeweiligen Definition der Umweltwirtschaft ab.
Abbildung 1: Anzahl der Angebote und Themenbereiche der Umweltwirtschaft im dualen Studium, der schulischen und der dualen Ausbildung.
Vergleich der Verschiedenen Berufsmöglichkeit im Umweltbereich
Für die Bereiche Bergbau, Naturwissenschaften, und Wasser, Abwasser & Abfall fällt auf, dass es hier nur Ausbildungen zu geben scheint. Hierzu gehören die Berufsprofile Bergbautechnologe, Biologie- und Chemielaborant, und verschiedene betriebliche Fachkräfte für Kreislauf- und Abfallwirtschaft, Abwassertechnik oder Wasserwirtschaft. Abgesehen von diesen Fachkräften und Anwenderberufen, ist das Berufsbild in diesen Bereichen weiterhin stark beeinflusst durch traditionell an Fachhochschulen und Universitäten gelehrte Inhalte der technischen Planung, Durchführung und Management von Anlagen und Gebäuden sowie der ökologischen Auswertung. Studiengänge wie Umweltingenieurwesen, Bauingenieurwesen oder Umweltwissenschaften sind hier zu nennen. Diese Studiengänge sind bisher kaum oder gar nicht als duales Studium verfügbar. Es fällt weiterhin auf, dass der Bereich Energie- und Umwelttechnik nur im dualen Studium behandelt wird. Sicherlich werden diese Themen auch in den bereits erwähnten konventionellen Studiengängen sowie der Elektrotechnik erwähnt, aber in der Ausbildung scheinen sie kaum behandelt zu werden. Die Ausbildung zum Umweltschutztechniker bildet hier eine Ausnahme, allerdings ist dieses Berufsprofil nur als schulische Ausbildung möglich.
Tendenziell benötigt der Umweltsektor Fachkräfte mit einer Ausbildung in den Bereichen Mathematik, Informatik, Natur- und Technikwissenschaften (MINT). Das Umweltbundesamt hat 2017 diesen Bildungsbereich untersucht und ist zu dem Schluss gekommen, dass es hier Verbesserungsbedarf gibt. Unter anderem wird empfohlen die Angebote von MINT und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE) enger zu vernetzen und aufeinander abzustimmen. Auch sei es nötigt entsprechende Anpassungen im Schulangebot bezüglich Lehr- und Lernkonzepte vorzunehmen. Außerdem sollten die Elternhäuser verstärkt mit einbezogen und Geschlechterrollen neugedacht werden. Bisher würden überwiegend männliche Jugendliche eine Berufskarriere im Bereich MINT und Umweltsektor erwägen. Hier müsste die Gesellschaft und Bildung ansetzen, um den Bereich auch für weibliche Auszubildende und Schülerinnen attraktiv zu gestalten (UBA, 2017b).
Deutsche Umweltschutzprodukte und -technologien besitzen eine hohe Wertschätzung in der Welt. In den letzten Jahren wächst allerdings die Konkurrenz, insbesondere durch die aufstrebenden Schwellenländer, in denen eine erhöhte Nachfrage für diese Güter existiert. Besonders China ist hier auf dem Vormarsch: Im Land der Mitte wurde das internationale Handelsaufkommen von Umweltschutzgütern in der Zeit von 2002 bis 2015 mehr als verdreifacht (UBA, 2017a).
Quellenangabe:
Bundeszentrale für politische Bildung (bpb; 2009): Geschichte der deutschen Umweltpolitik. [online] Verfügbar unter: http://www.bpb.de/gesellschaft/umwelt/dossier-umwelt/61136/geschichte
G+J Medien GmbH (Herausgeber der GEO; 2018): Eine (sehr) kurze Geschichte des Umweltschutzes. [online] Verfügbar unter: https://www.geo.de/natur/oekologie/3424-rtkl-umweltschutz-eine-sehr-kurze-geschichte-des-umweltschutzes
Springer Gabler Verlag (Herausgeber; 2018): Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: natürliche Umwelt. [online] Verfügbar unter:
http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/57499/natuerliche-umwelt-v7.html
Umweltbundesamt (UBA; 2017a): Die Umweltwirtschaft in Deutschland – Entwicklung, Struktur und internationale Wettbewerbsfähigkeit. S. 1-20. Verfügbar unter: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/die-umweltwirtschaft-in-deutschland-0
Umweltbundesamt (UBA; 2017b): MINT the gap – Umweltschutz als Motivation für technische Berufsbiographien? Eine Bestandsaufnahme. S. 1-136. Verfügbar unter: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/mint-the-gap-umweltschutz-als-motivation-fuer