Das Ende von Weißen Weihnachten?
Stadtzentrum Lünneburg (Am Sande) bei Regen im Dezember.
Der Begriff Weiße Weihnachten ist stellvertretend für das romantische Bild eines winterlichen Weihnachtens mit verschneiten Straßen, Schneemännern und Outdoor-Spaß mit Schnee-ballschlachten und Rodeln. Meine Eltern erzählen gerne die Geschichten von Extremwintern mit meterhohen Schneeverwe-hungen, die auf dem Land den gesamten Verkehr für mehrere Tage stilllegten. Die Menge der weißen Weihnachten, die ich selber erlebt habe, kann ich vermutlich an einer Hand abzählen.
Weihnachten und der Winter sind in Deutschland abseits der Skiregionen dann doch immer häufiger nass, denn weiß und flockig. Und diese Entwicklung könnte sich mit der globalen Klimaerwärmung so fortsetzen. Bedeutet der Klimawandel also das Ende von weißen Weihnachten?
Um diese und andere Fragen rund um den Klimawandel zu beantworten zu können, wurden Klimamodelle entwickelt. Klimamodelle sind Computersimulationen, die auf der Basis von Annahmen Klimaszenarien berechnen. Die Ergebnisse sind hierbei allerdings Projektionen und können auf Grund von Un-sicherheiten, insbesondere bezüglich sozio-ökonomischer Ent-wicklungen, nicht als Vorhersagen von Klimaänderungen genutzt werden. Sie zeigen also auf was geschehen könnte (nicht wird), wenn getroffene Annahmen bezüglich des Bevölkerungs-wachstums, der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung, technologischen Veränderungen, Ressourcenverbrauch und Umweltschutz eintreten. Klimaprojektionen nutzt man, um Risiken und Chancen des Klimawandels einschätzen zu können.
Es gilt aber zu beachten: Desto weiter der betrachtete Zeitraum in der Zukunft liegt, desto größer die Unsicherheit und desto geringer die Genauigkeit der Projektion.
Klimaprojektionen werden von dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) erarbeitet und herausgegeben.
In dem 5. Sachstandsbericht des IPCC (2014/2015) wurden erstmals neue Methoden genutzt, um das Klimasystem, die Wirtschaft und die Landnutzung in einem Modell gemeinsam zu betrachten. Dies ermöglicht detailliertere Projektionen. Die Projektionen des 6. Sachstandsbericht werden vermutlich noch genauer sein, dieser soll 2021/2022 veröffentlicht werden. Die Klimamodelle des IPCC betrachten die globalen Klimaänderungen und haben eine sehr grobe Auflösung von ca. 100x100 km.
Es gibt aber auch regionale Klimaprojektionen für einzelne Länder mit einer Auflösung von 25x25 km oder weniger. Regionale Klimaprojektionen können auf dynamischen (z.B. REMO) oder statistischen Modellen (z.B. WETTREG) basieren.
In einem Dokument von 2008 erläutert das Umweltbundesamt
(UBA) der Bundesrepublik Deutschland mit Hilfe von REMO wie sich das Klima in Deutschland entwickeln könnte. Abhängig von den zu erwartenden Treibhausgasemissionen erwärmt sich das Klima in Deutschland zwischen 2,5 und 3,5°C bis 2100.
Diese Klimaänderung wirkt saisonal und regional unterschied-lich. In Bezug zum deutschen Winter berechnen die Modelle wärmere Winter insbesondere für den Süden und Südosten Deutschlands. Im gesamten Bundesgebiet dürften die Winter auf Grund eines saisonalen Niederschlag-Anstiegs deutlich feuchter werden. Diese Entwicklung trifft insbesondere die Mittelgebirge Süd- und Südwest-Deutschlands. Dieser Niederschlag wird aufgrund der steigenden Wintertemperaturen in den Alpen zunehmend in Form von Regen und nicht als Schnee auftreten. Der Schnee-Niederschlag in diesen Regionen wird sich bis 2100 von einem Drittel des Gesamtniederschlags auf ein Sechstel reduzieren. Dies wird die Länge der Skisaison für den Aktivtourismus in Deutschland verkürzen. Das Modell projiziert außerdem eine winterliche Niederschlags-Zunahme von
30 Prozent an der deutschen Nord- und Ostseeküste.
Weiße Weihnachten sind zukünftig in Deutschland also nicht gänzlich unmöglich. Zumal Klimadiagramme in der Vergangenheit neben einem generellen Anstieg der Jahrestemperaturen auch immer mal wieder kältere Jahre zwischendurch datierten.
Wie viele solcher Winter es also zukünftig geben wird, steht noch in den Sternen. Vielleicht kann ich ja irgendwann auch meine zweite Hand zum Aufzählen weißer Weihnachten nut-zen.