Berufs

Vorwort 

Jetzt sind wir bereits im Sommer angekommen und Sie halten die neue Juni-Ausgabe unserer Zeitschrift „DUAL“ in den Händen.  Wieder haben wir Ihnen einen breiten Querschnitt unterschiedlicher Informationen zur dualen beruflichen Ausbildung – aber auch zum Studium an Fachhochschulen in Deutschland zusammengestellt. 

Besonders freuen wir uns, Ihnen einen Einblick über mögliche Veränderungen in der dualen beruflichen Bildung nach der Wahl der neuen Bundesregierung zu geben. Hier sind verschiedene Neuerungen angedacht, deren Umsetzung allerdings noch etwas Zeit beanspruchen wird.

Mit mehreren Interviews haben wir die Gelegenheit genutzt, unterschiedliche Information zur beruflichen Bildung zu integrieren. Hervorzuheben ist das Gespräch mit Herrn Prof. Dr. Jacques und Herrn Prof. Dr. Langmann von der Hochschule Düsseldorf. Sie stellen ihre Hochschule vor und berichten über ihre Erfahrungen mit digitalen Medien in der Lehre. Hierüber freuen wir uns besonders, da wir in Kürze eine chinesische Schulungsdelegation aus Henan zur Ausbildung an der Hochschule Düsseldorf erwarten.

Dazu finden Sie im Heft ein Interview mit einem Absolventen der dualen beruflichen Ausbildung im Bereich Lagerlogistik, der uns Einblick in die Ausbildung in diesem Bereich gewährt.

Schließlich stellen wir in einem weiteren Interview unser Projekt der Zusammenarbeit mit chinesischen Hygienefachschulen und Ausbildungseinrichtungen in Deutschland vor. In diesem Zusammenhang berichten wir auch über Altenpflegeausbildung chinesischer Pflegeschülerinnen und –schüler in Deutschland.

 Als weitere Themen finden Sie z.B. aus dem Bereich Umwelt einen anschaulichen Bericht unseres Umweltexperten Herrn Junghanns, zusätzlich auch seine Eindrücke von China als „China-Neuling“.

 Wir sind überzeugt, dass dieser abwechslungsreiche Inhalt der Zeitschrift „DUAL“ auch auf Ihr Interesse stößt und wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen.

Die große Koalition und die duale Ausbildung 2018

Die Minister der großen Koalition von 2018

Deutschland hat eine neue Regierung. Diese besteht zwar wie in den vier Jahren zuvor wieder aus CDU/CSU und SPD, dennoch gibt es einige Veränderungen – auch in Bezug auf die duale Berufsausbildung, die in den nächsten vier Jahren umgesetzt werden sollen.

Die Bundesregierung will eine bessere Bezahlung für Auszubildende durchsetzen. In Ausbildungsberufen, die einen eher geringen Lohn vorsehen (z.B. in der Gastronomie), haben Betriebe oft Schwierigkeiten ihre Stellen zu besetzen. Dazu kommt, dass die Abbruchquote in Ausbildungen mit geringem Lohn höher ist als in anderen Ausbildungen. Ein höheres Gehalt soll zur Lösung dieser Probleme beitragen.

Daneben soll das Angebot für Berufsorientierung weiter ausgebaut werden. An allen Schulformen, vor allem an Gymnasien sollen Schüler über Vorteile und Aufstiegschancen einer dualen Ausbildung informiert werden, um auf die Attraktivität dieses Ausbildungsmodells hinzuweisen.

Schon seit längerer Zeit besteht auch für Azubis die Chance, an einem Austausch ins Ausland teilzunehmen. Die Bundesregierung möchte diese Angebote erweitern und Auszubildenden eine Teilnahme unabhängig vom Einkommen der Eltern ermöglichen.

Junge Menschen, die bereits Eltern sind oder Angehörige pflegen, haben schon jetzt die Möglichkeit eine duale Ausbildung auch in Teilzeit zu durchlaufen. Bislang fristet diese Form der dualen Ausbildung noch ein Schattendasein und soll nun verstärkt beworben und damit bekannter gemacht werden.

Die neue Bundesregierung hat zudem vor, die Hilfen für schwächere und auch für besonders leistungsstarke Auszubildende auszubauen. Hier sollen z.B. die schon bestehenden ausbildungsbegleitenden Hilfen der Bundesagentur für Arbeit besser genutzt werden. Mit Nachhilfeunterricht und anderen Maßnahmen konzentriert dieses Programm sich bisher eher auf Auszubildende, die befürchten ihre Ausbildung nicht erfolgreich beenden zu können. Dies wird weiterhin ein Schwerpunkt der ausbildungsbegleitenden Hilfen bleiben. Es soll aber auch verstärkt Unterstützung für sehr gute Azubis geben.

Auch die im Bundesministerium für Arbeit und Soziales angesiedelte assistierte Ausbildung, die neben Azubis auch Eltern, Lehrer und Unternehmen unterstützt, soll bundesweit ausgeweitet werden. Jugendlichen mit unterschiedlichen Voraussetzungen soll so der Weg in die duale Ausbildung geebnet und beim erfolgreichen Abschluss einer Berufsausbildung geholfen werden. Das Programm orientiert sich dabei aber nicht nur an den Bedürfnissen der Auszubildenden, sondern auch an den Vorstellungen der Betriebe. Die Kluft zwischen den Anforderungen der Ausbildungsbetriebe und den Kenntnissen bzw. Fähigkeiten junger Menschen soll so überwunden werden. Das Besondere an diesem Programm ist, dass hier nun auch Eltern und Lehrer miteinbezogen werden sollen.

Auszubildende, die mit besonders starken Leistungen auffallen sollen mehr Möglichkeiten bekommen, ihr Potential zu entfalten. Aufstiegsmöglichkeiten für Auszubildende sollen mit mehr Stipendien und Unterstützung bedacht werden. Die sogenannte höhere Berufsbildung, die in berufsbegleitenden Lehrgängen z.B. zum Meister, Fachwirt oder Bilanzbuchhalter weiterbildet und qualifiziert, bereitet junge Menschen auf höhere Fach- oder Führungspositionen vor. Auch die höhere Berufsbildung ist bisher noch nicht sonderlich bekannt, das soll sich mit den neuen Maßnahmen verändern.

Zusätzlich versprechen CDU/CSU und SPD einen Unterhaltszuschuss, Erfolgsboni und familienfreundliche Regeln als weitere Anreize.

Neben all diesen Schritten muss das Thema Digitalisierung noch stärker in Angriff genommen werden. Die neue Bundesregierung will mit der Ausstattungsoffensive für die Berufsschulen nicht nur die duale Berufsausbildung aufwerten, sondern vor allem auch die Digitalisierung in den Berufsschulen schnell vorantreiben. Neben der entsprechenden Ausstattung der Schulen ist dabei die Aus- und Fortbildung der Lehrer gleichermaßen wichtig, genauso wie entsprechende didaktische Konzepte – gibt die Industrie- und Handelskammer zu bedenken. Die Digitalisierung bietet schließlich die Chance, die duale Berufsausbildung für junge Menschen noch attraktiver zu gestalten.

Für die duale Berufsausbildung bleibt zu hoffen, dass den vielversprechenden Ankündigungen der neuen Bundesregierung nun Taten folgen.

Quellen:

handelsblatt.de: GroKo einigt sich bei Bildung. Mindestlohn für Azubis

spiegel.de: Mindestlohn in der Ausbildung. Diese Azubis profitieren von der GroKo

bibb.de: Assistierte Ausbildung im SGB III verankert

ze.tt: Das bedeutet der Koalitionsvertrag für junge Leute

kas.de (Konrad-Adenauer-Stiftung): Höhere Berufsbildung. Grundlagen

DIHK-Newsletter: Sind Berufsschulen fit fürs digitale Zeitalter?

„Du bildest Zukunft!“ – Woche der beruflichen Bildung 2018

Bunderspräsident Frank Walter Steinmeier (r.) und seine Ehefrau Elke Bündenbender (I.) besichtigen eine Tishclerei auf dem Ausbildertag

Erstmals fand in diesem Jahr in Deutschland die „Woche der beruflichen Bildung“ statt. Unter Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seiner Frau Elke Büdenbender wurde in der Woche zwischen dem 16. und 20. April die duale Ausbildung in den Blick genommen. Mit dem Motto „Du bildest Zukunft!“ sollten die Möglichkeiten und die Attraktivität der beruflichen Bildung beworben werden.

Die Woche der beruflichen Bildung ist eine Initiative von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) mit Unterstützung der Kultusministerkonferenz der Länder.

Gewürdigt werden sollten mit dieser Veranstaltung auch die häufig ehrenamtlich Engagierten, die sich für die Fachkräftegewinnung in Deutschland einsetzen.

Schwerpunkt dieser Themenwoche war unter anderem die Arbeit an Schulen – hier vor allem die Berufsorientierung, Berufsschulen und in den Ausbildungsbetrieben. Betrachtet werden sollte aber auch die Integrationsleistung in die Gesellschaft durch berufliche Bildung – und zwar nicht nur mit Blick auf Geflüchtete, sondern auch auf Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen.

Der Bundespräsident, der selbst aus einer Handwerkerfamilie stammt, und seine Frau, die vor ihrem Jurastudium eine Ausbildung zur Industriekauffrau absolvierte, wollen die duale Ausbildung aufwerten und reisten in Rahmen der Themenwochen durch sechs Bundesländer. Sie besuchten den Ausbildertag der Handwerkskammer, Ausbildungswerkstätte und Berufsschulen und tauschten sich mit Ausbildern, Schülern und Lehrern zu digitalen Medien in der Ausbildung und zur Berufsvorbereitung von Menschen mit Behinderung aus. Sie führten Gespräche zum Thema Integration von geflüchteten Menschen durch eine duale Ausbildung und unterhielten sich mit angehenden Mechatronikern über Zukunftsentwicklungen in der beruflichen Bildung.

Zum Abschluss der Themenwoche zieht Bundespräsident Steinmeier in einer Rede ein positives Fazit. Für ihn und seine Frau war die Woche der beruflichen Bildung ein Experiment, von dem vorher niemand wusste, ob es gelingen würde. Am Ende könne man aber sagen, es habe funktioniert. Die berufliche Bildung sei wichtig für die Auszubildenden, für die Wirtschaft und damit für Deutschland. Der dualen Ausbildung müsse deswegen noch mehr Wertschätzung entgegengebracht werden. Hier stünden Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften gemeinsam in der Verantwortung.

Quellen:

bundespraesident.de: Woche der beruflichen Bildung

bibb.de: Du bildest Zukunft!

Berufsbildungsbericht 2018: Digitalisierung in der beruflichen Bildung

Jedes Jahr im April gibt das Bundesministerium für Bildung und Forschung einen Berufsbildungsbericht heraus. Hier werden alle Entwicklungen am Ausbildungsmarkt beschrieben und die Maßnahmen erklärt, die von der Bundesregierung getroffen werden, um eine erfolgreiche Zukunft der beruflichen Bildung auf den Weg zu bringen. Ein Thema ist natürlich auch hier die Digitalisierung.

Insgesamt wird im Bericht eine positive Bilanz zur Berufsbildung in Deutschland gezogen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge leicht gestiegen. Im Bericht wird auch festgestellt, dass das Thema Digitalisierung nicht nur immer wichtiger wird, sondern inzwischen bereits Bestandteil vieler Ausbildungen ist. Mit einer gemeinsamen Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und dem Bundesinstitut für Berufsbildung, wird die Digitalisierung in der beruflichen Bildung weiter vorangetrieben.

Um die Auswirkungen der Digitalisierung auf die nötigen Fähigkeiten junger Menschen zu ermitteln, wurden einige Ausbildungsberufe ausgewählt. So soll frühzeitig erkannt werden, was in Zukunft in einer Ausbildung vermittelt werden muss, um den Anforderungen der digitalisierten Arbeitswelt gewachsen zu sein.

Die Initiative soll dabei Ideen für eine Weiterentwicklung verschiedener Berufe geben und gleichzeitig Einfluss auf die Entwicklung der betrieblichen Aus- und Weiterbildung nehmen.

Auch Ausbilderinnen und Ausbilder müssen die Möglichkeit bekommen ihre digitalen Kompetenzen auszubauen, um diese dann an die Auszubildenden weitergeben zu können.

Diese Initiative besteht aus drei Säulen, die eine Umsetzung der Maßnahme sicherstellen sollen. An erster Stelle steht die Analyse von Berufen, in denen digitalisierte Arbeitsschritte bereits bewährt sind. Die zweite Säule ist die IT- und Medienkompetenz als entscheidende Fähigkeit von Auszubildenden und damit verbunden die Frage, was Ausbilder und Ausbilderinnen vermitteln können müssen. In der dritten Säule werden Untersuchungen der Entwicklung von Branchen und Berufen vorgenommen, die besonders von der Digitalisierung betroffen sind. Auch hiermit wird ein Beitrag für die „Berufsbildung 4.0“ und die Vermittlung dafür notwendiger Fähigkeiten von Auszubildenden und Lehrkräften geleistet.

Neben dieser Aktion setzt die Bundesregierung sich für den verstärkten Einsatz digitaler Medien in der beruflichen Bildung ein. Mit dem Förderprogramm „Digitale Medien in der beruflichen Bildung“ soll das Potenzial des Einsatzes digitaler Medien für den Bildungsbereich erschlossen werden.

Quelle:

Bundesministerium für Bildung und Forschung (bmbf.de): Berufsbildungsbericht 2018

Logistik

Interview zum Stand der dualen Ausbildung im Bereich Logistik in Deutschland

Fabian Rasch

Nicht jeder in Deutschland entscheidet sich dafür, direkt nach der Schule eine duale Berufsausbildung anzufangen. Die Optionen sind vielfältig und die Entscheidung schwierig. Aber selbst nach Abschluss einer dualen Ausbildung bleibt einem der akademische Bildungsweg nicht verschlossen.

Wir haben uns mit Herrn Rasch unterhalten, der vor kurzem seine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik abgeschlossen hat.

Guten Tag, Herr Rasch.

Guten Tag.

In was für einem Betrieb haben Sie Ihre Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik absolviert?

Ich habe meine Ausbildung bei EDEKA Nord im Großhandel gemacht.

Wie lange hat Ihre Ausbildung gedauert?

Ich habe die dreijährige Berufsausbildung auf zweieinhalb Jahre verkürzt.

Wieso waren Sie in der Lage, Ihre Ausbildungszeit zu verkürzen?

Aufgrund guter Berufsschulleistungen war es mir möglich, über meine Ausbildungsabteilung das Vorziehen der Abschlussprüfung zu beantragen.

Was für Inhalte wurden Ihnen in der Ausbildung vom Betrieb vermittelt?

Vorrangig die Kommissionierung (A.d.R. Kundenaufträge bereitstellen und versandfertig machen) im ersten Lehrjahr und anschließend wechselte ich, nach einem Einsatz in der Furhparkdisposition, in den Einkauf. Dort wurde die Beschaffung von Waren, das Nachverfolgen von ausstehenden Lieferungen, sowie die Interaktion mit Kunden und Lieferanten vermittelt.

Und welche Inhalte wurden Ihnen im Rahmen der Berufsschule vermittelt?

Im Rahmen der Berufsschule wurden mir Fähigkeiten zur Qualitätssicherung, rationellen Güterbewegung, zu Prozessen im Lager und Grundlagen in Wirtschaft und Politik vermittelt. Bezogen auf den Beruf wurde gelehrt, wie Güter intakt, schnell, effektiv und günstig bewegt werden, ohne dabei Aspekte wie Umweltschutz und Arbeitssicherheit zu vergessen. Des Weiteren wurde uns Fachenglisch gelehrt.

Also haben Sie auch Einblicke in die Arbeitsweise von anderen Betrieben erhalten?

Ja, so haben wir zum Beispiel bei einer Betriebsbesichtigung im Hafen von Kiel den Güterumschlag im großen Stil, sowie die Unterschiede von Seefracht zu der uns sonst so vertrauten Güterbewegung an Land kennengelernt.

Glauben Sie, dass die Ausbildung im Lager in 10 Jahren noch die gleiche sein wird?

Definitiv nicht, da die EDV sich kontinuierlich weiterentwickelt. Outsourcing und das Abwandern von Betrieben in andere Länder erfordern eine immer effektivere und kostengünstigere Logistik. Neue Vorschriften, technologische Innovationen und Veränderungen im internationalen Handel verändern die einzelnen Lernfelder.

Gibt es Ihrer Meinung nach Ausbildungsinhalte, die eine größere Aufmerksamkeit erfahren sollten?

Verbesserungspotential bezüglich der Menge der Informationen sehe ich nicht. Jedoch bin ich der Meinung, dass man den Auszubildenden manchmal mehr zutrauen sollte.

Was haben Sie nach der Ausbildung gemacht?

Ich bin in den Technikbereich eines großen Luftfahrtunternehmens gewechselt und arbeite dort nun im Wareneingangsbereich. Mein berufsbegleitendes Studium der Betriebswirtschaftslehre werde ich nächstes Jahr aufnehmen.

Vielen Dank, Herr Rasch, für dieses Interview. Wir wünschen Ihnen für Ihre Zukunft alles Gute.

Vielen Dank, es hat mich gefreut.

CAD Progamme: Überblick und Einführung

Mechatronik

In vielen technischen Berufen, der Logistik und der Architektur werden heutzutage Zeichnungen und Skizzen von mechanischen Teilen, Gebäuden oder Geoinformationssystemen (GIS) nicht mehr von Hand angefertigt. Stattdessen wird auf CAD-(Computer Aided Design)-Programme zurückgegriffen, die deutlich weniger Zeit benötigen und millimetergenaues Arbeiten ermöglichen. Sehr einfach formuliert, ermöglichen CAD-Programme das Malen hochkomplexer System am Computer. Während der Begriff CAD ein weitreichender Begriff ist beschäftigt dieser Artikel sich hauptsächlich mit 2D- und 3D-CAD-Programmen.

Erzeugte Skizzen und Zeichnungen (Modelle) können digital archiviert, zu Anschauungszwecken präsentiert oder als Fertigungsvorlage weitergereicht werden. Somit haben CAD-Modelle den Vorteil beliebig häufig und unkompliziert weitergegeben und angepasst werden zu können, ohne das Original zu verlieren.

Die Möglichkeit bezug- oder parameterabhängige Systeme anzulegen erleichtert besonders die Arbeit in technischen Bereich, da das Modell sich automatisch anpasst, sobald man Änderungen vornimmt. Stellt man zum Beispiel (Abb. 1) fest, dass die Bohrungen in einem Bauteil zu dicht am Rand sind, kann man eine einzelne Bohrung verschieben oder verkleinern und diese Veränderung für alle Bohrlöcher übernehmen lassen. Gleichzeitig wird der Rest des Modells angepasst, falls durch die veränderten Bohrlöcher weitere Änderungen nötig werden. <Hier Beispiel einfügen>

Der mit Abstand größte Vorteil eines 3D-Modells ist, dass sich ein Werkstück von allen Seiten betrachten lässt. In manchen Programmen können sogar Simulationen durchgeführt werden, die mögliche Probleme in der Konstruktion oder Anwendung prüfen können. So können sie zum Beispiel Kollisionen beweglicher Teile vorhersagen oder mechanisch besonders beanspruchte Bereiche hervorheben, die unter Umständen überarbeitet und verstärkt werden sollten. <Beispiel FEM>

Jamie Hyneman (M5 Industries) hebt in einem Interview auch die Vorteile für kleinere Unternehmen hervor: Er könne innerhalb von Minuten eine 2D-Skizze von komplexen Teilen anfertigen, diese Datei direkt an einen CNC-Plasmaschneidebetrieb seines Vertrauens schicken und habe am nächsten Tag genau die Teile, die er brauche. Dies ermögliche ihm auch große und spektakuläre Projekte zeit- und kosteneffizient umzusetzen. In seiner Werkstatt wäre es schon ein großer Aufwand, einen einzigen Kreis auf eine Stahlplatte zu zeichnen und diesen auszuschneiden. Dank CAD zeichne er nur das Modell eines Kreises und bekomme es am nächsten Tag in die Werkstatt geliefert.

Warum sollten Schüler mit CAD-Software arbeiten? Die Antwort liegt auf der Hand: Da die Schüler spätestens in der freien Wirtschaft mit dieser Software konfrontiert werden, ist die Ausbildung genau der richtige Ort sie an technische Zeichnungen mit CAD heranzuführen. So lernen sie wie diese zu lesen und anzufertigen sind. Die detaillierte Auseinandersetzung mit 2D- oder 3D-CAD-Programmen stellt sicher, dass die Schüler das volle Potential der angebotenen Methoden nutzen und parametrischen Eigenschaften eines Systems oder Normen nicht übersehen werden. Dies tritt nämlich häufig auf, wenn sich Arbeitnehmer CAD-Systeme in kurzer Zeit selbst beibringen müssen. Parallel dazu können die Schüler ihre Fähigkeiten in der Freizeit mit kostenloser Software spielerisch verbessern. Mit Zugang zu einem einfachen 3D-Drucker lassen sich zum Beispiel Modelle direkt ausdrucken, die man vorher selbst am Computer entworfen hat. Diese Technologie wird auch in großen Unternehmen eingesetzt, um Konzepte anschaulich vorzustellen und Prototypen zu entwickeln (Rapid Prototyping), wobei hier natürlich auch andere Verfahren und Materialien zur Verfügung stehen.

Die verschiedenen Produkte der Firmen Autodesk, Dassault Systemès und PTC sind momentan am weitesten verbreitet. Hier gibt es auch kostenlose Programme und spezielle Angebote für Schüler und Studenten.

Modell eines Kompressors mit Flügelrad

Modell eines Kompressors ohne Flügelrad

Motor mit offenem Gehäuse

Umwelt

Einführung in den Water-Energy-Food Nexus

Am 07. und 08. Mai 2018 hat die ASC Ausbildung & Service GmbH im Rahmen einer China-Reise einen Vortrag zum Thema Wassermanagement und künstliche Feuchtgebiete vor Studierenden und Lehrenden der Henan Universität in Kaifeng und dem Anyang Institut für Technologie gehalten. In diesem Rahmen wurde auch ein kurzer Einblick in den sogenannten Water-Energy-Food Nexus gegeben. Dieser Artikel fasst das vorgestellte Konzept noch einmal zusammen und beleuchtet einige weitere Aspekte.

Global steigt die Nachfrage in den Bereichen Ernährung, Wasser und Energie durch eine wachsende Bevölkerung, hohe Urbanisierungsraten, das Wirtschaftswachstum und veränderte Ernährungs- und Lebensstile. Landwirtschaft ist der weltweit größte Verbraucher von Trinkwasserressourcen und auch ein Viertel der erzeugten Energie wird für die Erzeugung und den Transport von Nahrungsmittel benötigt. Um die Wasser- und Nahrungssicherheit zu gewährleisten, wurde der Water-Energy-Food Nexus entwickelt. Dieser ist dem Namen nach eine Verknüpfung der Wasser-, Energie- und Ernährungssektoren. Die interdisziplinäre Vernetzung und Nutzung von Synergieeffekten ist die eigentliche Idee des Konzepts. Was das im Genauen bedeutet sieht man in Abbildung 1 am Beispiel der nachhaltigen Abwasserreinigung.

Der Wassersektor ist hier stellvertretend durch die Abwasserreinigung oder die Siedlungswasserwirtschaft vertreten. Ein Blockheizkraftwerk (BHKW) übernimmt die Funktion des Energiesektors und die Getreideproduktion wird exemplarisch für den Ernährungssektor vorgestellt. Im Blockheizkraftwerk werden organische Stoffe verheizt, um Biogas oder Wärme und Strom zu erzeugen. Pflanzliche Reststoffe aus der Ernährungsproduktion und Klärschlämme oder andere Biomasseprodukte als Output der Abwasserreinigung könnten somit als Ausgangsmaterial in der Energieerzeugung wiederverwendet werden. So entstehen keine kostspieligen Abfälle, sondern neue Ressourcen. Im Anschluss an die Fermentation von organischem Material entsteht Energie und eine trockene Rückhaltmasse. Die thermische Energie (Wärme) kann für den Fermentationsprozess genutzt werden, während die elektrische Energie (Strom) die Prozesse der Abwasserreinigung kosteneffizient gestalten könnte. Die trockene Rückhaltmasse kann wiederum in der Landwirtschaft als Humusschicht aufgebracht werden und fördert so die Bodenqualität. Die Verknüpfung zwischen Abwasser und Getreideproduktion liegt in der Reinigung von nährstoffhaltigen Abwässern durch Kläranlagen und die Zurverfügungstellung von sauberem Bewässerungswasser oder nährstoffreichen flüssigem Dünger. Besonders letztere Idee soll hier nochmal etwas detaillierter vorgestellt werden.

Normalerweise bekommt unser Haushalt Trinkwasser in Form von Leitungswasser für die Küche und das Bad und wir produzieren Abwasser, das über eine Kanalisation zur nächsten Kläranlage geleitet wird, um dort gereinigt und dann wieder in den Wasserkreislauf zurückgeführt werden zu können. Im Rahmen des Nexus gibt es nun allerdings die Idee Regenwasser in Zisternen zu sammeln und für die Nutzung im Haushalt zur Verfügung zu stellen. Je nach Reinheitsgrad des Regenwassers kann dieses für sämtliche Wassernutzung im Haushalt verwendet werden. Diese Maßnahme reduziert den Verbrauch an Trinkwasser maßgeblich. Nach der Verwendung von Regenwasser und Trinkwasser im Haushalt könnte man das Abwasser in die folgenden Teilströme aufteilen:

1 Grauwasser

2 Schwarzwasser

3 Braunwasser

4 Gelbwasser

Grauwasser ist sämtliches Abwasser, das nur eine leichte Verschmutzung aufweist. Hierzu zählt das Abwasser, das beim Baden oder Duschen und beim Geschirrspülen und Wäschewaschen anfällt. Das Abwasser aus der Küchenspüle zählt auf Grund von Ölen und Speiseresten nicht dazu. Generell nimmt Grauwasser die größte Menge im häuslichen Abwasser ein. Im Rahmen der Vorschläge des Nexus kann das Grauwasser in einem unterirdischen Tank (Klärgrube) gesammelt und dort von Sedimenten befreit werden. Anschließend kann es direkt wiederverwendet werden als Wasser für die Klospülung oder, insbesondere wenn biologisch-abbaubare Spül- und Waschmittel genutzt wurden, in einem künstlichen Feuchtgebiet oder einer anderen Form der Abwasserreinigung weiter aufbereitet werden. Nach der Aufbereitung von Grauwasser kann dieses wieder für sämtliche Wassernutzungen im Haushalt eingesetzt werden. Hierzu zählt neben dem Wasserbedarf in Küche und Bad auch die Gartenbewässerung.

Das Abwasser der Toilette wird als Schwarzwasser bezeichnet und kann noch zusätzlich in Braunwasser (Fäkalien) und Gelbwasser (Urin) aufgeteilt werden. Dies bietet sich besonders an, wenn man die Abwässer wiederverwenden und die unterschiedlichen Eigenschaften der Schmutzwässer separat nutzen möchte. Urin ist sehr nährstoffreich und ließe sich nach einer halbjährigen Ruhezeit direkt und hygienisch unbedenklich als flüssiger Dünner verwenden. Besonders in Hinblick auf die endliche Ressource Phosphor würde es sich langfristig lohnen, diese Ressource zu erschließen, da eine Düngung ohne selbigen Stoff nicht möglich ist. In dem man den Urin von den Fäkalien trennt, ist das Recycling der Nährstoffe Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K) vergleichsweise risikofrei und leicht. Alternativ könnte man den Urin nutzen um Struvit durch die Zugabe von Magnesium zu erzeugen und so kristallinen Phosphordünger zu produzieren. Das Braunwasser könnte zusammen mit organischen Küchen- und Gartenabfällen unter anaeroben Konditionen abgebaut werden und der Produktion von Wasserstoff oder Methangas (Biogas) dienen. Dieses könnte dann als Energiespeicher oder zur Verheizung und anschließenden Wärme- und Stromerzeugung dienen.

Man kann das Schwarzwasser aber auch weiterhin wie gehabt in einer Kläranlage behandeln und den erzeugten Klärschlamm dann in Hinsicht auf die Wiederverwendung von Nährstoffen behandeln. In Zürich untersucht man in dem Projekt Phos4life zum Beispiel gerade die Nutzung von Klärschlammasche als Ausgangsstoff für Phosphorsäure, die sich im Vergleich zu Struvit auch besser vermarkten lassen könne.

Quellen:

Unwater: Water, Food and Energy: http://www.unwater.org/water-facts/water-food-and-energy/

Amt für Abfall, Wasser Energie und Luft (AWEL, 2017): Phosphor-Mining: Die Zielvorgaben lassen sich erfüllen. https://phosphorusplatform.eu/images/download/AWEL_Phosphor_Nr_5_German.pdf

Eingangsbereich des institus ASC Ausbildung & Service GmbH

Interview Frau Mahler-Schintag zur Altenpflegeausbildung für chinesische Schüler in Deutschland

Bereits seit einiger Zeit unterstützt ASC Ausbildung & Service GmbH chinesische Schülerinnen und Schüler dabei, in Deutschland eine Ausbildung zum staatlich geprüften Altenpfleger/in zu beginnen – eine Ausbildung, die es in China so nicht gibt. ASC vermittelt dabei zwischen chinesischen Hygieneschulen und Bildungsträgern bzw. Pflegeeinrichtungen in Deutschland.

Frau Mahler-Schintag, Sie unterstützen mit ASC Ausbildung & Service GmbH chinesische Schülerinnen und Schüler dabei, in Deutschland eine dreijährige Ausbildung zum/r staatlich geprüfte/n Altenpfleger/in absolvieren zu können. Warum ist diese Ausbildung so attraktiv für junge Chinesen?

Dafür gibt es sicherlich mehrere Gründe. Zunächst einmal gibt es eine solche Ausbildung in China noch nicht – obwohl auch in China ein wachsender Bedarf in diesem Bereich besteht.

Außerdem ist es für die chinesischen Schüler eine große Chance eine Ausbildung in einem anderen Land zu machen. Auch wenn die meisten der Schüler bereits über pflegerische Kenntnisse verfügen, ist die Umsetzung der Pflege – und hier besonders in der Altenpflege – eine ganz andere als in China.

Die Schüler haben so die Gelegenheit, hier neue Kenntnisse zu erwerben und auch den deutschen Abschluss zu machen. Nach Ende der Ausbildung steht es den Schülern frei, weiter hier in Deutschland zu arbeiten, oder aber auch nach China zurückzukehren und dort ggf. am Aufbau des dortigen Systems für die Altenpflege mitzuarbeiten.

Über welche Qualifikation verfügen die Schülerinnen und Schüler?

Die meisten Schüler verfügen bereits über eine Ausbildung an einer chinesischen Hygieneschule. Absolventen dieser Schulen können in China als Krankenschwestern oder Pfleger in Krankenhäusern arbeiten. D.h., dass unsere Schüler bereits über fundierte allgemeine pflegerische Kenntnisse verfügen.

Wie sieht Ihre Unterstützung für die Schülerinnen und Schüler konkret aus?

Die Firma ASC Ausbildung & Service GmbH arbeitet mit der chinesischen Firma SWP zusammen. SWP übernimmt den Part in China. ASC sucht in Deutschland für die Schüler geeignete Ausbildungseinrichtungen bzw. Schulen, die bereit sind, sich unserem Projekt anzuschließen. D.h. auch, dass diese Einrichtungen und Schulen sich nach Ankunft der Schüler gut um sie kümmern sollten, damit sich die Schüler hier schnell einleben und wohlfühlen. Hierbei ist es auch notwendig, die entsprechende Unterkunft für die Schüler vorzubereiten.

ASC unterstützt den ganzen Prozess hier in Deutschland aber auch schon vorab: Es beginnt mit dem Deutschunterricht in China, da die Schüler zwingend ein B1 Zertifikat in Deutsch für die Visaerteilung benötigen. ASC organisiert für den Unterricht in China entsprechende Lehrkräfte, die dann für einige Monate den dortigen Deutschunterricht unterstützen.erner stellen wir den direkten Kontakt zu den deutschen Einrichtungen und Schulen her, von denen die Schüler die Ausbildungsverträge erhalten. Damit können die Schüler dann das Visum für Deutschland beantragen.

Wenn die Schüler in Deutschland anreisen, ist stets ein Vertreter der Firma ASC am Flughafen, um die Schüler dort direkt in Empfang zu nehmen. ASC organisiert den Transport zum neuen Wohnort und den ersten Tag in Deutschland, ggf. auch eine notwendige Übernachtung. Außerdem informieren wir die Schüler über die wichtigsten Gegebenheiten vor Ort und koordinieren gemeinsam mit der Einrichtung oder Schule, welche notwendigen nächsten Schritte bedacht werden müssen. (Z.B. die Anmeldung, Einrichtung eines Bankkontos, Telefon, etc.)

Wie waren die Reaktionen von deutschen Bildungseinrichtungen, auf Ihre erste Anfrage, ob sie Schülerinnen und Schüler aus China aufnehmen würden?

Sehr positiv! Da hatten wir wirklich Glück. Wir haben die erste Gruppe Schüler an zwei Einrichtungen in Oldenburg vermittelt. Von dort erhielten die Schüler sehr viel Unterstützung und wurden herzlich aufgenommen. Ich denke eine Zusammenarbeit mit Einrichtungen kann nur funktionieren, wenn auch dort bereits ein „offenes Denken“ stattfindet. Damit meine ich, dass man Offenheit gegenüber neuen Ideen und auch anderen Kulturen besitzen sollte.

Bekommen Sie Rückmeldungen von den Bildungseinrichtungen? Wie sehen diese aus?

Ja, selbstverständlich. Darauf legen wir auch sehr großen Wert. Da dieses ein ganz neues Projekt ist, möchten wir auch genau verfolgen, wie es den Schülern geht. Ob es vielleicht Punkte gibt, wo wir sie oder auch nachfolgende Schüler besser unterstützen können, oder vielleicht generell etwas ändern müssen.

Besonders die Gruppe in Oldenburg haben wir sehr genau beobachtet und uns auch mit den Einrichtungsleitungen sehr oft ausgetauscht. Wir waren erstaunt, wie wenig Probleme es dann wirklich gab. Natürlich gab es zunächst mehr Informationsbedarf, aber das hatte sich sehr schnell erledigt und die Schüler haben sich dann sehr schnell in die Ausbildung integriert, sodass die Rückspracheintervalle stetig kürzer wurden.

Bei den nachfolgenden Gruppen stehen wir auch in Kontakt mit der Bildungseinrichtung und sind natürlich für alle Schüler und auch die Einrichtungen stets ansprechbar.

Wie sieht es mit der Sprachbarriere aus?

Das war zunächst natürlich schon eine Herausforderung. Für die Konversation im normalen Alltag ist das B1 Niveau in Deutsch ausreichend, aber für den Unterricht in der Schule und die fachliche Kommunikation in den Einrichtungen ist es eigentlich nicht genug. Hier besteht natürlich eine große Anforderungen an die Schüler, in der ersten Zeit besonders an ihren Sprachkenntnissen zu arbeiten. Aber auch für die Einrichtungen und Schulen ist es eine Herausforderung. Allerdings haben die Schüler schon nach wenigen Monaten ihre Sprachkenntnisse so erweitert und gefestigt, dass auch es auch hier weniger Probleme gab.

Ich glaube wir müssen realistischer Weise immer mit einer Startphase von ein paar Monaten rechnen, bis die sprachlichen Probleme keine Rolle mehr spielen.

Bleiben die Gruppen der Auszubildenden in Deutschland zusammen oder werden sie auf verschiedene Standorte aufgeteilt, um ihre Ausbildung zu machen?

 Das ist unterschiedlich. Wir versuchen, mindestens zwei oder drei Schüler in einer Einrichtung unterzubringen, damit sie sich ggf. gegenseitig unterstützen können, oder auch bei plötzlich auftretenden Problemen nicht allein dastehen.

Kehren die Schülerinnen und Schüler im Anschluss an ihre Ausbildung wieder nach China zurück oder werden sie in Deutschland weiterbeschäftigt?

Das ist den Schülern selbst überlassen. – Da Berufe in der Pflege als Mangelberufe in Deutschland gelten, bekommen die Schüler anschließend problemlos eine weitere Aufenthaltserlaubnis, wenn Sie einen Arbeitsplatz nachweisen können. – Es wird sicherlich von den Konditionen, die die Einrichtungen den Schülern bieten, abhängen, ob sie weiter in den Einrichtungen bleiben, oder ggf. in einer anderen Einrichtung arbeiten – aber das muss jeder Schüler selbst entscheiden. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass einige Schüler auch wieder nach China gehen und dort mit ihrer Ausbildung einen nächsten Karriereschritt gehen.

Wie viele Berufsschulen, an denen die theoretische Ausbildung stattfindet, sind Teil Ihres Programms?

Z. Zt. arbeiten wir mit fünf unterschiedlichen Schulen zusammen, die aber teilweise zu einem Schulungsträger gehören. Da wir aber an einer Ausweitung des Projektes arbeiten, wird sich diese Zahl in den nächsten ein bis zwei Jahren sicherlich deutlich erhöhen.

Werden die Schülerinnen und Schüler auch während ihrer Ausbildung von Ihnen unterstützt?

Wir sind während der gesamten Ausbildungszeit für die Schüler erreichbar. Wenn Fragen auftauchen, die von den Schülern an uns herangetragen werden, versuchen wir auf jeden Fall eine Lösung zu finden. Da ist es egal, ob die Schüler erst kurz in Deutschland sind, oder schon länger hier wohnen.

Bekommen Sie Rückmeldungen von den Auszubildenden? Fühlen sie sich wohl in Deutschland und in ihren Ausbildungsstätten?

 Natürlich erhalten wir auch hierzu Rückmeldung. Allgemein gesprochen können wir sagen, dass die Rückmeldung der Schüler sehr positiv ist.  Aber wie überall gibt es natürlich auch mal Momente, wo ein Schüler oder eine Schülerin nicht so glücklich ist. Hier ist es dann wichtig, dass wir bzw. die Einrichtungen sich diesen Punkten besonders annehmen – vielleicht auch noch etwas intensiver als bei anderen Auszubildenden, die ggf. ähnliche Probleme haben. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass unsere chinesischen Schüler hier doch gewissermaßen allein sind. Während deutsche Auszubildende auf ihr gesamtes gewachsenes soziales Umfeld zurückgreifen können, besteht dies für die chinesischen Schüler nicht. Hier sehe ich die Einrichtungen aber auch uns als ASC in der Pflicht das Möglichste zu tun, um diese Lücke abzufedern.

Planen Sie in Zukunft noch größere Schülergruppen für eine Altenpflegeausbildung zu begeistern?

Wir hoffen, dass wir die Schülerzahlen in den nächsten Jahren deutlich steigern können. In China hat dieses Projekt sehr großes Interesse geweckt, wodurch wir auch von chinesischer Seite weitere Unterstützung und auch eine zunehmende Zahl von Partnerschulen erwarten.

Auch hier in Deutschland werden wir von interessierten Einrichtungen und Schulen angesprochen und haben dadurch sicherlich die Möglichkeit neue Partner für das Projekt zu gewinnen.

Können Sie sich vorstellen, dass noch mehr Einrichtungen in Deutschland Auszubildende aus China einstellen?

Ja, aufgrund des steigenden Bedarfs in der Pflege in Deutschland werden die benötigten Ausbildungszahlen kaum mit heimischen Kräften geschlossen werden können. Daher besteht schon aus diesem Grund Bedarf, auch Schülern aus anderen Ländern die Möglichkeit der Ausbildung hier in Deutschland zu geben. Außerdem haben wir festgestellt, dass aufgrund des bereits laufenden Projektes auch weitere Einrichtungen auf die Möglichkeit, chinesische Schüler einzustellen, aufmerksam geworden sind. Daher sind wir sehr zuversichtlich, weitere

Partner in Deutschland gewinnen zu können.

Wie lautet Ihr bisheriges Fazit zu diesem Programm der ASC Ausbildung & Service GmbH?

Ich möchte eine recht positive Bilanz ziehen. Wie mit allen neuen Projekten benötigten wir natürlich auch eine gewisse Anlaufzeit. Uns war es immer am Wichtigsten, in diesem Projekt nicht zu vergessen, dass wir hier mit und für die Zukunft von jungen Menschen arbeiten. Daher haben wir auch weniger die kommerzielle als vielmehr die menschliche Seite des Projektes in den Vordergrund gestellt.

Die erste Gruppe der Schüler, die wir nach Deutschland gebracht haben, steht bereits am Ende des zweiten Ausbildungsjahres. Sie wird im nächsten Jahr ihren Abschluss machen. Das wird auch für uns sehr spannend. Dann werden wir sehen für welchen weiteren Weg sich die Schüler entscheiden.

Agehende Hygienefachkräfte aus der Henan Provinz mit Paktikanten von SWP

 Einmal China und zurück

Auf der folgenden Seite möchte ich kurz von meiner ersten Reise in das Reich der Mitte berichten. Ich hoffe in einem kurzen Reisebericht der Vielseitigkeit Chinas und der Freundlichkeit seiner Bewohner gerecht zu werden. Auf alle Fälle hatte ich eine sehr schöne und geschäftige Zeit und freue mich bereits auf den nächsten Aufenthalt.

Los ging es am 02. Mai 2018 um 14 Uhr mit dem Flieger von Frankfurt am Main Flughafen nach Beijing International Airport. Dort landete ich um 5 Uhr morgens des Folgetages und hatte 4 Stunden Aufenthalt bevor es weiter nach Zhengzhou ging. In Zhengzhou ging es nach kurzer Erfrischungsphase im Hotel weiter in ein traditionell chinesisches Teehaus. Hier wurde ich zum ersten Mal mit der Tradition, heißes Wasser oder Tee zum Essen zu trinken bekannt gemacht. Außerdem lernte ich den Drehesstisch kennen, der das gemeinsame Essen verschiedener Speisen ähnlich den Tapas der spanischen Küche ermöglicht. Im Anschluss an das sehr leckere Essen ging es weiter an die International School des Henan Mechanical & Electrical Vocational College. Hier durfte ich mir einen Einblick in die vielseitigen technischen und praktischen Möglichkeiten der Einrichtung verschaffen. Zukünftig sollen vermehrt Videounterrichtseinheiten produziert werden und so wurden mir die unglaublichen Möglichkeiten der Blue-Screen- und Green-Screen-Technik vorgeführt. Unter anderem ermöglichen diese, den Protagonisten des Videos in einem virtuell kreierten Raum zu platzieren. Nach diesen Eindrücken traf ich die 3 deutschen Praktikanten von SWP und konnte mich ausführlich mit ihnen über ihre Tätigkeit und ihre Erfahrungen austauschen. Zum Abschluss des Tages wurde in einem Nebenraum der Schulkantine diniert. In diesem Zusammenhang und in Hinblick auf das Essen an allen Tagen möchte ich betonen, wie ausgesprochen entgegenkommend alle Beteiligten waren in Hinsicht auf meine vegetarische Ernährung. An diesem Abend und den folgenden Tagen wurden auch deshalb besonders viele und vielseitige vegetarische Speisen gereicht. Und es hat immer hervorragend geschmeckt.   

Am 04. Mai 2018 ging es mit dem Schnellzug von Zhengzhou Dong nach Sanmenxia am Gelben Fluss. Hier besuchten wir zusammen mit William Xiao von SWP das Sanmenxia Social Administration Vocational College, welches eventuell in der Zukunft ein Partner im Altenpflegeprojekt der ASC Ausbildung & Service GmbH werden könnte. Das Umweltprojekt der Firma wurde auch in kurzen Worten beschrieben. Nach einem reichhaltigen und leckeren Mittagessen und einem Blick über das College-Gelände ging es weiter zum Sanmenxia Wetland Park mit der Touristik-Attraktion Swan Lake. Zu diesem sind ein paar schöne Bilder entstanden.

Am 05. Mai 2018 besuchte ich mit unseren Praktikantinnen Karen König und Katharina Kolb sowie mehreren Mitarbeitern von SWP die Longmen-Grotten in Luoyang. Es war ein sehr schöner, warmer Tag zum Ausspannen, Kennenlernen der chinesischen Geschichte und der Kollegen. Im Anschluss trafen wir uns erneut im Teehaus in Zhengzhou zum Abendessen. Auf dem Heimweg zum Novotel im Zhengdong New District konnte ich mir dann einen Eindruck der Stadt bei Nacht machen. Auffällig waren die vielen jungen Paare, die sich für Hochzeitsfotos vor der nächtlichen Stadtkulisse ablichten ließen.

Der Sonntag (06. Mai 2018) diente der Vorbereitung des Vortrages, welcher am Montag und Dienstag gehalten werden sollte und dem Besuch des Zhengdong New District Wetland Parks in der direkten Nachbarschaft des Hotels. Auf 40.000m2 erstrecken sich mehrere ober- und unterirdische, künstliche Feuchtgebiete und Teiche zur Reinigung von Abwasser. Es war sehr faszinierend sich dieses Projekt mal näher anschauen zu können, zumal ich solche Systeme in meinem Studium diskutiert und betrachtet habe.

Der 07. und 08. Mai 2018 waren vorgesehen für meinen Vortrag zu Wassermanagement und künstliche Feuchtgebiete an der Henan Universität in Kaifeng und dem Anyang Institute of Technology. Im Anschluss an den Vortrag gab es jeweils eine Frage- und Antwortrunde mit den Studenten, sowie ein separates Treffen mit den Lehrenden bezüglich ihres Lehrplans, ihrer Lehrmethodik und ihrer Lehrinhalte. Außerdem gab es eine Führung durch die Labore und den Campus der jeweiligen Hochschule. Die Gestaltung der Campusse zeichnet sich durch viel Grün und Flächen für sportliche Betätigung der Studenten aus. Anders als an vielen Hochschulen in Deutschland, leben in China die Studenten noch auf dem Campus und die Campusgestaltung richtet sich danach. Dadurch erscheint der Campus gewissermaßen belebter und freundlicher.

Am Abend des 08. Mai 2018 ging es mit dem Schnellzug von Anyang nach Beijing mit anschließendem Abendessen. Der Flug zurück nach Deutschland startete am 09. Mai 2018 um 14 Uhr.

Abschließend möchte ich betonen, wie viel Spaß ich in China hatte und wie gut ich betreut wurde. Ich habe viel über das chinesische Hochschulsystem und die Möglichkeiten des Wassermanagements in China und der Provinz Henan gelernt. Ich habe viele neue und nette Menschen getroffen und interessante Gespräche führen dürfen. Ich habe wunderbare Speisen probieren dürfen und eine neue Liebe zum Getränk Tee entwickelt. Ich hatte eine wirklich gute Zeit.

 Das Osterfest in Deutschland

Am ersten Aprilwochenende wurde in diesem Jahr das Osterfest begangen. In Deutschland, wie in allen christlich geprägten Ländern, wird an Ostern die Auferstehung Jesu Christi gefeiert. Das Fest findet jedes Jahr im März oder April statt – immer an einem anderen Wochenende, da es stets auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond fällt. Die Osterzeit beginnt mit dem Gründonnerstag, an dem an das letzte Abendmahl erinnert wird. Dies ist zwar kein offizieller Feiertag, dennoch markiert er den Beginn der Osterzeit. Es folgt der Karfreitag, einer der höchsten Feiertage im Christentum. Es wird an Jesus Tod am Kreuz gedacht, an diesem Tag wird traditionell kein Fleisch verzehrt. Am darauffolgenden Ostersonntag, dem höchsten Feiertag der christlichen Kirche, wird dann die Auferstehung Jesu Christi gefeiert. Gleichzeitig geht an diesem Tag eine 40-tägige Fastenzeit zu Ende, die dem Osterfest vorausgeht. Auch der Ostermontag ist in Deutschland ein Feiertag.

Betrachtet man die zahlreichen Bräuche der Osterzeit, scheinen diese auf den ersten Blick

nicht viel mit dem tatsächlichen Anlass zu verbinden. In Deutschland, in anderen deutschsprachigen Ländern und den Niederlanden werden am Morgen des Ostersonntags vom Osterhasen – so wird es den Kindern erzählt – bunt bemalte Eier und Süßigkeiten versteckt, die dann von den Kindern gesucht und im besten Fall gefunden werden. 

Osterhase und Osterei sind aber sehr wohl auf das eigentliche Ereignis zurückzuführen: Jesus stirbt am Kreuz und ersteht zwei Tage später wieder auf. Ei und Hase verkörpern diese Botschaft. Das Ei, weil aus dieser steinartigen Schale Leben hervorbricht, wie Jesus aus seinem Grab. Der Hase bringt seine Jungen in der Zeit um Ostern in einem Erdloch – das ebenfalls an das Grab Jesu erinnert – zur Welt. Unabhängig von der christlichen Theologie, galt das Ei schon in antiken Kulturen und Religionen als Symbol für Wiedergeburt und Fruchtbarkeit.

Es gibt aber auch einen ganz praktischen Grund für diese Tradition. Während der 40-tätigen Fastenzeit war im Mittelalter der Verzehr von Fleisch und Eierspeisen durch die Kirche verboten. Die Eier sammelten sich also an und wurden durch abkochen haltbar gemacht. So standen zum Osterfest reichlich gekochte Eier zur Verfügung.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Bräuche und Traditionen zum Osterfest. Alleine in Deutschland können diese sich bereits regional unterscheiden. Vielerorts werden Osterfeuer entzündet, je nach Region am Karsamstag oder am Abend des Ostersonntags. Dieser Brauch hat – wie viele andere – einen germanisch-heidnischen Ursprung. Schon in vorchristlicher Zeit gab es das Ritual, mit Beginn des Frühlings ein großes Feuer zu entzünden, um die Sonne zu begrüßen und so ein Zeichen zu setzen, dass nun die Zeit des Lichts beginne.

In katholischen Gemeinden ist es dazu üblich am Osterfeuer eine sogenannte Osterkerze zu entzünden, die dann zu den Gläubigen in die Kirche gebracht wird. Dort wird das Licht an die Gemeindemitglieder, die kleinere Kerzen halten, weitergegeben. Das langsame Erhellen der Kirche soll die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus symbolisieren.

Für Katholiken ist außerdem der päpstliche Segen „urbi et orbi“ wichtig, der in der Ostermesse vom Balkon des Petersdoms in Rom gesprochen wird.

Eine nicht religiös geprägte Tradition sind die Ostermärsche, die seit den 1960er Jahren stattfinden. Pazifisten in Deutschland demonstrieren mit diesem Marsch für Frieden und gegen eine atomare Aufrüstung. Höhepunkt dieser Bewegung war das Jahr 1983, in dem mehr als 700.000 Menschen für die Friedensbewegung auf die Straße gingen.

Interview Prof. Dr.-Ing. Reinhard Langmann und Prof. Dr. rer. nat. Harald Jacques von der HSD

Prof. Dr. –Ing. Reinhard Langmann und Prof. Dr. rer. nat. Harald Jacques sind Professoren im Fachbereich Elektro und Informationstechnik an der Hochschule Düsseldorf (HSD). Herr Prof. Dr. Langmanns Forschungs- und Lehrschwerpunkte liegen in den Bereichen Angewandte Internettechnologien, e-technology und Teletechniken. Er beschäftigt sich mit Kommunikationssystemen, wie der Mensch-Maschine-Kommunikation, mit Multimediatechnik und Prozessinformatik. Die Forschungs- und Lehrschwerpunkte von Herr Prof. Dr. rer. nat. Jacques sind Messtechnik, Regelungstechnik und Steuertechnik. Darüber hinaus ist der für die Arbeit im Labor für Steuer- und Regelungstechnik verantwortlich.

Lieber Herr Prof. Dr. Reinhard Langmann, lieber Herr Prof. Dr. Jacques, vielen Dank, dass Sie beide sich Zeit nehmen, um mit uns ein Gespräch zu führen. Vielleicht können Sie zu Beginn die Hochschule Düsseldorf in einigen Sätzen vorstellen.

Prof. Dr. rer. nat. Harald Jacques: Die Hochschule Düsseldorf (HSD) ist sehr breit aufgestellt. So haben wir die Möglichkeit interdisziplinär zu arbeiten. Wir haben hier den Bereich Gestaltung mit den Fachbereichen Architektur und Design, es gibt den Bereich der Technik mit den Fachrichtungen Elektrotechnik, Maschinenbau und Medien und dazu den Bereich Soziales mit Studiengängen in Sozial- und Kulturwissenschaften und Wirtschaft. Wir bemühen uns Projekte sowohl in der Lehre, als auch in Forschung und Entwicklung interdisziplinär zu gestalten. So werden neben der reinen Fachkompetenz auch soziale und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt und vermittelt. Ein Beispiel dafür ist das ZIS, das Zentrum für innovative Energiesysteme, das von den Fachbereichen Architektur, Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaft gegründet wurde und nun betrieben wird. Hier können also ganz verschiedene Interessen abgedeckt werden. Das ist eine Stärke der Hochschule Düsseldorf, weil so eben ein großes thematisches Spektrum abgedeckt werden kann.

Wie unterscheidet sich das Studium an der HSD von einem Studium an einer Universität?

Prof. Dr. rer. nat. Harald Jacques: Zuerst einmal sind es schon bestimmte Themen, die Fachhochschulen und Universitäten trennen. Die HSD ist sehr stark praxisorientiert, das heißt wir verbinden theoretische Lehrinhalte immer mit Praxisanwendungen und wollen das Ganze dann auch mit der aktuellen Technik der Industrie verbinden. Es finden regelmäßig Exkursionen mit den Studierenden statt, um vor Ort zu begutachten wie Dinge in der Industrie umgesetzt werden. Darüber hinaus gibt es Praxissemester und Praxisprojekte, die für die Studierenden verpflichtend sind. Außerdem werden ungefähr 70% der Abschlussarbeiten – in den Bachelor- und Masterstudiengängen – direkt in der Industrie verfasst. Das heißt die Studierenden müssen sich bereits im Rahmen dieser Arbeiten mit konkreten Kundenanfragen und ähnlichen Dingen auseinandersetzen. Im Gegensatz zu Universitäten können an Fachhochschulen auch Berufsqualifizierte studieren. Für Dozenten an der HSD ist zudem Voraussetzung, dass sie mindestens fünf Jahre praktisch tätig waren, um eine Lehrtätigkeit aufnehmen zu können. Die Lehrenden verlassen also nach Schule und Studium den Universitäts- oder Hochschulbetrieb, arbeiten in der Industrie und kehren dann zurück. Im Gegensatz zu Universitätsprofessoren, die – überspitzt formuliert – das reale Leben möglicherweise nie kennengelernt haben.

Gibt es an der HSD internationale Kooperationen mit Hochschulen oder Unternehmen und wie sind hier Ihre Erfahrungen?

Prof. Dr. –Ing. Reinhard Langmann: Wir haben eine Vielzahl an internationalen Kooperationen. Momentan sind es etwa 120 mit Universitäten und Hochschulen weltweit. Bezogen auf die Fachbereiche sind diese Kooperationen allerdings recht unterschiedlich verteilt. Die Zielstellung ist natürlich meist der Austausch von Studierenden und an zweiter Stelle die Durchführung von Praxissemestern bzw. –projekten. Im Studiengang International Management ist dies sogar verpflichtend. Darüber hinaus gibt es natürlich eine Vielzahl an Kooperationen mit Unternehmen. Dazu muss man sagen, dass gerade diese für Hochschulen elementar sind. Ohne diese Kooperationen könnten wir keine Forschung betreiben oder Praxissemester anbieten.

Prof. Dr. rer. nat. Harald Jacques: Vielleicht darf ich da ergänzen, dass bei der Ausstattung von Laboren, der Unterstützung von Entwicklungslaboren oder EU-Projekten auch andere Aktivitäten hilfreich sind, wie zum Beispiel die EduNet World Association. EduNet steht für Educational Network und Herr Prof. Dr. Langmann ist zufällig gerade der Präsident dieser Association. Dort sind mittlerweile 100 Hochschulen weltweit – zunehmend aber auch Unternehmen – verbunden. EduNet dient als Plattform für den Austausch von Erfahrungen mit verschiedenen Geräten, der Ausbildung und Ausbildungszielen.

Prof. Dr. –Ing. Reinhard Langmann: In diesem Bereich könnten wir sicherlich noch einiges mehr nennen. Insbesondere unser Kompetenzzentrum Automation Düsseldorf hat eine Vielzahl von fachbezogenen Kooperationen mit vielen osteuropäischen Ländern. Wir haben außerdem intensive Kontakte nach Mexiko, nach Thailand und auch seit vielen Jahren zu Universitäten in China.

Für wie relevant halten Sie das Thema Industrie 4.0 und wo sehen Sie die größten Herausforderungen im Hinblick auf Bildung?

Prof. Dr. –Ing. Reinhard Langmann: Das ist an der HSD sehr unterschiedlich und hängt natürlich sehr von der fachlichen – aber auch der persönlichen Ausrichtung ab. Der eine weiß sehr genau, was Industrie 4.0 sein soll, der andere sehr viel weniger. Ich komme aus dem Bereich der Automatisierungstechnik und aus der Informatik bzw. der Informationstechnik. Für mich ist Industrie 4.0 also eine sehr wichtige Geschichte. Ich bin der Auffassung, dass wir in allen Lehrveranstaltungen den Anteil der Informationstechnik erhöhen müssen. Das lässt sich aus meiner Sicht, als Promovierter in technischer Informatik, einfach sagen. Jemandem, der mit ganz anderen Themen beschäftigt ist, wird das sehr viel schwerer fallen. Aber nur, wenn wir das Thema Industrie ganz breit angehen, dann können wir bei Industrie 4.0 auf allen Gebieten etwas erreichen. Bei uns in der Automatisierungstechnik ist es ganz konkret. Es gibt einfach neue Themen, die wir behandeln müssen: Das sind zum Beispiel neue Mensch-Maschine-Kommunikationstechniken, das sind digitale Welten oder der digitale Zwilling, neue Benutzerschnittstellen mit Augmented Reality und ähnliche Dinge, auch die haptische Bedienung von Geräten. Ganz entscheidend für die Automatisierungstechnik ist auch die Serviceorientierung, die neu hinzukommt. Ein Automatisierungstechniker kennt bisher nur Funktionen, keinen Service. Dass in Zukunft zum Beispiel Funktionen über bestimmte Zeiträume gemietet werden können, wo etwas muss vermittelt werden, das müssen wir in die Ausbildung integrieren.

Prof. Dr. rer. nat. Harald Jacques: Da haben wir wieder einen interdisziplinären Ansatz, vielleicht gemeinsam mit unseren Wirtschaftlern: neue Geschäftsmodelle. Der Automatisierer hat seine Hardware und weiß sie zu bedienen, wenn diese aber demnächst aus einer Cloud geladen werden müssen, da stellen sich ganz neue Fragen. Wie läuft beispielsweise der Zahlungsverkehr, wenn Unternehmen Steuerungen inklusive Updates der Software verkaufen und wir sagen: „Brauchen wir nicht, haben wir in der Cloud!“ Das sind ganz neue Geschäftsmodelle. Ein gutes Beispiel sind Drucker, die waren früher sehr teuer. Heute bekommen sie den fast geschenkt, weil das Geschäft mit den Tonerkassetten gemacht wird. Der Markt hat gelernt, dass die Verbrauchsmittel das Geld machen, nicht das Gerät. Das sind einfach komplette Änderungen. Wer diese neuen Geschäftsmodelle nicht mitbekommt hat verloren.

Wo sehen Sie in diesem Zusammenhang die Politik gefordert, wo muss die Industrie sich verändern?

Prof. Dr. –Ing. Reinhard Langmann: Das ist natürlich schwierig. Die Politik muss erstmal Rahmenbedingungen schaffen. Da können wir uns natürlich unterhalten, was sind diese Rahmenbedingungen? Für meine Begriffe fehlen in Deutschland bundesweite Standards. Die gegenwärtige Kleinstaaterei im Bereich der Bildung ist aus meiner Sicht ein Nachteil. Von der Industrie würde ich mir wünschen zu erfahren, welche zukünftigen Anforderungen haben sie denn, im Zusammenhang mit Industrie 4.0 an uns, an die Bildungsanbieter. Das wird mir momentan zu wenig thematisiert. Es heißt immer uns fehlen die Fachkräfte – aber was sollen die denn können? Was ist wirklich erforderlich? Wir können uns natürlich was ausdenken, aber in erster Linie wäre es wichtig zu erfahren, was denn die Industrie in vielleicht zehn oder zwanzig Jahren für Anforderungen hat.

Prof. Dr. rer. nat. Harald Jacques: Hinzu kommt: Bessere Geräte, breiterer Netzausbau, Clouds mit immer mehr Speichervolumen – das alles ist nur die technische Seite. Wir vergessen, dass dies alles eine soziale und wirtschaftliche Komponente hat. Es gibt schon jetzt Menschen, die sich abgehängt fühlen. Wir müssen in irgendeiner Form diesen Transformationsprozess begleiten. Es gibt Fragetools im Internet, dort kann ich beispielsweise eintragen, dass ich Elektroinstallateur bin. Dann rechnet dieses Tool aus, dass mein Job in Zukunft zu 60% von Technik erledigt werden kann – und dann fragen wir uns, warum wir keine Studienanfänger mehr haben. Gleichzeitig sagt der VDE (Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik; Anm. d. Red.), wir brauchen in den nächsten zehn Jahren 100.000 Absolventen. Das Ganze muss extrem sozial begleitet werden. Nehmen Sie das autonome Fahren, das ist eine wunderbare Sache. Aber sprechen Sie mal mit Ihren Freunden oder Nachbarn, keiner will so ein Fahrzeug haben. Das Lenkrad nicht mehr anfassen, nicht mehr Herr des Geschehens zu sein, das will niemand. Damit sind auch unsere Sozialwissenschaftler und unsere Wirtschaftler sehr beschäftigt – um auch hier nochmal das Interdisziplinäre zu betonen. Wir Techniker entwickeln was entwickelt werden kann. Aber es muss eben begleitet werden.

Welche Rolle spielen digitale Medien im Studium an der HSD?

Prof. Dr. –Ing. Reinhard Langmann: Ich möchte zu der Sache etwas Grundsätzliches sagen. Natürlich kann man digitale Medien einführen, da gibt es mittlerweile viele Möglichkeiten. Es gibt Remote Labs, eLearning-Angebote, und Web Based Training. Aber ich muss natürlich Dozenten und Lehrer haben, die damit umgehen können. Das ist für meine Begriffe das größte Problem, warum diese Angebote zu wenig genutzt werden. Wir müssen die Lehrkräfte, von den Schulen bis zu den Hochschulen, vorbereiten, damit sie diese Dinge auch anwenden können. Es nützt nichts, eLearning-Angebote einfach zur Verfügung zu stellen und keiner weiß sie wirklich zu nutzen. Dazu ist es momentan so, wenn man Studierenden anbietet, eine Quiz-App, Web Based Trainingssysteme oder Remote Labs, die wir an der HSD durchaus haben, zu nutzen, dann erwidern sie: „Schön, was brauche ich denn für die Klausur?“ Dann machen Studierende das was sie brauchen, um die Prüfung zu bestehen. Wenn ich eLearning-Angebote nicht in das Curriculum einbaue und nicht sage, ihr müsst dieses Remote Lab durchführen und ein Ergebnis vorweisen oder ihr müsst euch dieses eLearning- System ansehen, dann werde ich ein Problem haben.

Prof. Dr. rer. nat. Harald Jacques: Aus meiner Sicht ist es auch ein Generationenproblem. Es sollen nun Technologien genutzt werden, die für einige ältere Dozenten sicherlich etwas Neues sind, während die Studierenden mit dieser Technik aufgewachsen sind. Für einige ist es vielleicht eine schwierige Situation, wenn die Studierenden in speziellen Punkten weiter sind als der Lehrende – wobei so natürlich auch eine tolle Lehrform möglich wäre. Der Studierende müsste dem jeweiligen Dozenten etwas beibringen und ein Thema aufbereiten, was zu einem ganz anderen Verständnis führt. Aber das sind wieder diese Kernprobleme, womit wir wieder bei den sozialen Problemen sind. Es besteht die Gefahr, dass neue Techniken zu einem gewissen Teil abgelehnt werden, weil einige Dozenten besorgt sind, ihren Kompetenzvorsprung zu verlieren.  Ich denke das ist auch in China ein Problem. Es gibt ganz tolle Showrooms und Lernfabriken, mit fantastischen Anlagen - genutzt werden diese aber kaum, weil die Sorge besteht, dass etwas kaputtgehen könnte.

Prof. Dr. –Ing. Reinhard Langmann: Lernfabriken sollten Orte sein, an denen die Leute lernen. Da steht man an den Anlagen, probiert aus, bastelt etwas.

Prof. Dr. rer. nat. Harald Jaques: Und da muss auch mal was kaputtgehen dürfen, daraus lernt man ja erst!

Wie ist Ihre bisherige Erfahrung mit der Integration von digitalen Medien in die Lehre?

Prof. Dr.-Ing. Reinhard Langmann: Für mich ist das Fazit bei der Bildung: Wenn es keine Vorgaben durch Dozenten gibt, gibt es auch keine Anwendung von digitalen Medien. Was einige meiner Studierenden einsetzen – ohne dass ich sie darauf hinweise – sind Tablets, auf denen sie die Skripte der Vorlesungen vorliegen haben und dort dann Notizen einfügen. Dazu nutzen viele ein Lernportal der HSD, um Dokumente auszutauschen oder Informationen herunterzuladen. Eine durchgängige Nutzung von eLearning-Systemen, Kollaborationen über soziale Netzwerke oder ein Remote Lab, muss vom Dozenten eingefordert werden – auf freiwilliger Basis ist das schwierig.

Prof. Dr. rer. nat. Harald Jaques: Bei all diesen eLearning-Systemen sprechen wir von Simulationen, selbst wenn ich dabei auf eine reale Anlage schaue, arbeite ich vor einem Bildschirm sitzend. Das haptische Erlebnis ist immer weniger möglich. Das Haptische ist aber durch nichts zu ersetzen! In der letzten Woche hat der Fahrlehrer-Verband gemeldet, dass immer mehr Fahrschüler durchfallen – in Theorie und Praxis. Die Fahrschüler brauchen heute im Schnitt doppelt so viele Fahrstunden als es früher der Fall war. Eine Erklärung dafür ist, dass junge Menschen nicht mehr in der Lage sind ihre Umgebung richtig einzuschätzen, weil sie permanent auf Smartphones oder Tablets fixiert sind. In Augsburg wurden Ampeln in den Boden eingelassen, weil Fußgänger, die auf ihre Smartphones starren, Unfälle verursacht haben. Nun wurde festgestellt, diese Ampeln sehen sie auch nicht. Der Blick wird fokussiert und es fehlt irgendwann der Rundumblick. Ich bin der Meinung, dass eLearning in Maßen genutzt werden sollte. Wir brauchen Blended Learning – also eine Mischform aus eLearning und herkömmlichen Lehrmethoden.

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Blogeintrag: Titel Zwei

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