Das Chinesisch-Deutsche Projekt zur Ausbildung chinesischer Schüler/innen in deutschen Pflegeeinrichtungen
Erste Schritte in China
Der Start dieses Ausbildungsprojektes zwischen der Firma ASC Ausbildung & Service GmbH in Düsseldorf mit unserem chinesischen Partner SWP und deren Partnerschulen liegt schon ca. 5 Jahre zurück.
Im Rahmen gemeinsamer Projekte zur beruflichen Bildung in China wurde neben technischen Projekten auch der Bereich Pflege integriert.
Unser Partner SWP hat damals Kooperationen mit mehreren Hygieneschulen in Zhengzhou und Umgebung geschlossen, die in ihren Krankenschwesterlehrgängen auch jeweils Klassen anboten, in denen die Schüler neben den pflegerischen Fächern bereits Deutsch lernten.
Die Schüler erhielten das Angebot – bei ausreichenden Kenntnissen in Deutsch – nach Ihrer Ausbildung in China nach Deutschland gehen zu können, um die Pflege in Deutschland im Rahmen einer dortigen Ausbildung kennenzulernen.
Mit dieser Doppelausbildung stehen den Absolventen sowohl in Deutschland wie auch in China viele Türen offen. Aufgrund möglicher rascher Fortbildungen sind sehr schnelle Aufstiegschancen gesichert.
Vorbereitung und Durchführung in Deutschland
Als die ersten Schüler mit Deutschkenntnissen so weit waren, dass man den Schritt nach Deutschland wagen konnte, hatte sich die Altenpflege als ein wichtiger und stabiler Bereich etabliert, in dem zudem aufgrund der aktuellen Arbeitsmarktsituation qualifizierte Ausbildungsplätze verfügbar waren.
ASC hatte verschiedene Angebote für die Auszubildenden, aber es war uns sehr wichtig, auf jeden Fall mit seriösen Partnern zusammen zu arbeiten. Dies bedeutete auch, dass die deutschen Partner nicht nur einen Ausbildungsplatz zur Verfügung stellen sollten, sondern auch gewährleisten, dass sie sich besonders in der Anfangsphase etwas um die Schüler kümmern sollten.
Wir hatten besonderes Glück, für dieses erste Projekt zwei Hansaeinrichtungen in Oldenburg zu gewinnen und mit ihnen sehr engagierte Mitstreite in diesem Projekt zu finden.
Die Schüler wurden sehr herzlich willkommen geheißen und auch anschließend gut betreut. Ein besonderer Glücksfall war außerdem, dass man den Schülern Wohnraum zu sehr günstigen Bedingungen zur Verfügung stellen konnte. – Dies ist keineswegs der Regelfall.
Allerdings wurde mit Beginn des Schulunterrichts sehr schnell klar, dass die Schüler trotz der bereits vorhandenen Deutschkenntnisse diese nicht ausreichten, um dem Unterricht zu folgen.
Aber auch hierfür fand man mit Hilfe der beiden Pflegeeinrichtungen kurzfristig eine praktikable Lösung: Der Ausbildungsbeginn wurde ein Jahr verschoben. In diesem Jahr erhielten die Schüler halbtags eine Pflegehelferstelle und konnten parallel ihre Sprachkenntnisse in einer Sprachschule verbessern. So war ihr Einkommen gesichert und sie hatten außerdem schon Gelegenheit, ihre zukünftigen Arbeitsplätze kennenzulernen. – Zwischenzeitlich haben die Schüler auch bereits ihr erstes Ausbildungsjahr absolviert.
Eine zweite Gruppe mit insgesamt acht Schülern aus Henan konnten wir im Frühling dieses Jahres begrüßen. Für diese Schüler haben wir Ausbildungsplätze in drei Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen gefunden. Die Schüler haben das Glück sich jeweils zum theoretischen Unterricht in der Schule in Lippstadt in der gleichen Klasse wiederzusehen. Nach leichten Anfangsschwierigkeiten, die aber recht zügig überwunden wurden, haben wir auch dort recht positive Rückmeldung von den dortigen Partnern erhalten.
Im Oktober wird eine weitere kleine Gruppe folgen, die voraussichtlich ihre Ausbildung wieder in Oldenburg absolvieren wird.
Ausblick für dieses Projekt
Wir freuen uns, dass wir zusammen mit SWP und den Einrichtungen hier in Deutschland einen guten Start für unser gemeinsames Ausbildungsprojekt erreichen konnten. Nach den anfänglichen Hürden, die jetzt aber bekannt und genommen sind, sind wir überzeugt, dass in den nächsten Jahren auch der Weg für eine größere Zahl interessierter Schüler geöffnet werden kann.
Wir müssen aber auch selbstkritisch erkennen, dass sehr gute deutsche Sprachkenntnisse für den positiven Verlauf der Ausbildung in Deutschland unumgänglich sind. Daher werden wir zukünftige Schüler nur noch mit mindestens einem B2-Sprachzertifikat in die Ausbildung bringen können.
Dies ist auch für die Schüler von Vorteil, denn so ist gewährleistet, dass sie sich gleich am Anfang ohne größere Probleme intensiv ihrer Ausbildung widmen können. Für die Schüler besteht zunächst sowieso eine doppelte Belastung, zunächst durch die nun real anzuwendende fremde Sprache, die Umstellung auf das deutsche Schulsystem und außerdem durch die vielen pflegerischen und medizinischen Fachwörter, die teilweise sogar auf Latein zu lernen sind.
Dies ist eine nicht zu unterschätzende Herausforderung.
Da es problematisch ist, in China das B2-Niveau in Deutsch zu erreichen, sind wir als ASC besonders glücklich, hier in Deutschland eine praktikable Lösung des Problems anbieten zu können.
Schüler, die bei Einreise nach Deutschland lediglich B1 mitbringen werden zunächst im Rahmen eines bezahlten Teilzeit-Praktikums in ihren zukünftigen Einrichtungen beschäftigt (und bezahlt) und haben ausreichend Zeit, ihre Sprachkenntnisse in Sprachschulen auf B2 zu bringen. Sobald sie dieses Niveau erreicht haben, können sie zum nächsten Anfangstermin mit der Ausbildung beginnen.
Zusammenarbeit China und Deutschland
Obwohl die Pflegeeinrichtungen und die Schulen hier in Deutschland Hauptansprechpartner der chinesischen Schüler sind, kümmert sich ASC auch anschließend weiter um die Schüler. ASC verfolgt die Entwicklung der einzelnen Projektschritte und hält den Kontakt zu den Projektpartnern, um so einen möglichst störungsfreien Ablauf zu gewährleisten. ASC ist im Bedarfsfall auch für die Schüler stets erreichbar.
Der regelmäßige Austausch mit der chinesischen Seite stellt den gleichen Informationsstand aller Beteiligten sicher, ggf. können Neuerungen schnell eingepflegt werden. Dieser stetige Kontakt mit allen Projektpartnern ermöglicht eine weitgehend reibungslose Koordination.
Aus den Erfahrungen, die wir zwischenzeitlich mit beiden Seiten gemacht haben, wurde das Projekt auch auf chinesischer Seite weiterentwickelt.
Es wurde immer deutlicher, dass der Spracherwerb eine Schlüsselfunktion in diesem Projekt einnimmt, da eine Ausbildung in Deutschland nur mit guten deutschen Sprachkenntnissen möglich ist.
Aus diesem Grund hat SWP zur Unterstützung des Deutschunterrichts in den teilnehmenden Pflegeschulen in China ein Projekt des „Unterstützenden Deutschunterrichts“ entwickelt. Im Rahmen dieses Projekts kommen deutsche Kräfte für mehrere Monate an die Schulen in China und unterstützen die dortigen Lehrkräfte. Hauptaugenmerk liegt darin, den Schülern durch die tägliche Anwendung die Scheu vor dem Sprechen der fremden Sprache zu nehmen.
Wir von ASC sehen das Projekt „Ausbildungchinesischer Schüler/innen in deutschen Pflegeeinrichtungen“ auf einem guten Weg und freuen uns auf die nächsten Schritte mit den zukünftigen Schülern.
Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen
Neben der ausgebildeten Altenpflegekraft, die für die tägliche Betreuung und Versorgung der Bewohner zuständig ist, gibt es verschiedene Berufsgruppen, die ebenfalls in Pflegeeinrichtungen tätig sind.
Wir möchten hier nur kurz einen kleinen Querschnitt ganz unterschiedlicher Berufskollegen nennen, mit denen Altenpflegekräfte in den Einrichtungen zusammenarbeiten.
Zunächst gibt es natürlich die Verwaltung sowie das Fach- bzw. leitende Personal der Pflegeeinrichtung, wie z.B. Einrichtungsleiter, Pflegedienstleitung, Pflegehilfskräfte, Hausmeister sowie ausgebildete Fachkräfte für Hygiene oder die Wundversorgung, etc.
Ferner sind auch externe Spezialisten in den Pflegeeinrichtungen tätig. Dazu gehören u.a
Ärzte
Masseure
Aromatherapeuten
Diätassistenten
Physiotherapeuten
Psychologen
Ergotherapeuten
Logopäden
Musiktherapeuten
Kunsttherapeuten
Pfarrer (Religionspädagogen)
Fachpersonal für Reinigung und Hauswirtschaft
Fußpfleger oder andere Fachkräfte
Sozialer Dienst/Soziale Betreuung
Mit Musik geht alles besser!
Beispielhaft wollen wir in dieser Ausgabe einen Blick in die Praxis der
Musiktherapie in Pflegeeinrichtungen geben:
Durch den gezielten Einsatz von Klängen und Musik wird das körperliche, geistige, soziale und emotionale Wohlergehen gefördert.
Die Musiktherapie findet in Pflegeeinrichtungen im Rahmen von Gruppenangeboten oder als Einzeltherapie am Bett Anwendung. Die Resonanz auf ein musiktherapeutisches Angebot wird individuell anders sein, z.B. durch alleiniges (Zu-)Hören, durch aktives Spielen eines Instruments, oder auch nur durch die unmittelbare Berührung des Klangkörpers mittels des Tastsinnes.
Mit Hilfe von Melodien, Liedgut und Klängen werden bei den Bewohnern unterschiedliche Bereiche des Gehirns angesprochen. Die Methoden der Musiktherapie führen besonders bei bereits dementiell veränderten Menschen zu erstaunlichen Erfolgen. Sie nehmen die erzeugten Atmosphären wahr.
Durch ihnen bekannte Kinderlieder oder durch Volkslieder werden sie in ihrer Welt erreicht. – Diese sehr lange in ihrer Erinnerung verankerten Lieder stabilisieren sie. Durch Wiederholung und Rhythmus, Anfang und Ende des Liedes erfahren sie Sicherheit. (Stille und Nachklang ist ein bedeutendes Element hierbei.)
Beispiele für Instrumente sind die „Ocean-Drum“ (erzeugt ein Geräusch, das wie Meeresrauschen klingt), die „Klangschale“ (Wahrnehmung über Haut und Knochen bei Berührung) oder Rhythmusinstrumente aus Naturmaterialien (Tastsinn und auch visueller Reiz).
Musik und Rhythmus geben auch Impulse für die Bewegung und die Bewegungsfreude. So bieten sich „Tanzen gegen das Vergessen“ oder auch „Tanzen im Sitzen“ für weniger mobile Bewohner an.
Es gibt viele unterschiedliche Bereiche, die Musik einzusetzen. Das Wissen darum unterstützt auch die Arbeit der Altenpflegekräfte und dient auch der Stabilisierung der Bewohner. Für die „Sturzprophylaxe“ z.B. bietet bereits die wiegende Oberkörperbewegung zum Walzertakt ein gutes Balance-Training.
Musiktherapeuten arbeiten gelegentlich fest in Pflegeeinrichtungen, häufig werden sie aber auch als externe Dienstleistung angefordert. So gibt es in größeren Städten auch das Angebot der „Musiktherapie auf Rädern“, die entsprechend des Bedarfs der Einrichtungen für bestimmte Zeiträume ihren Dienst anbietet.
Gespräch mit den Schülern,
die als erste durch das Chinesisch-Deutsche Ausbildungsprojekt nach Deutschland gekommen sind.
Wir hatten im August Gelegenheit, die Schüler der „ersten Stunde“ in Oldenburg zu treffen und ein paar Fragen zu Ihren Eindrücken zu stellen. Hier stellen wir einen Querschnitt der Antworten zusammen.
Nach diesen zwei Jahren sprechen sie alle schon recht gut Deutsch, so konnten wir dieses Gespräch auch problemlos auf Deutsch führen.
Startschwierigkeiten?
Die Frage, nach den größten Schwierigkeiten nach ihrer Ankunft in Deutschland beantworteten Sie unterschiedlich.
Ein großes Problem war zunächst natürlich die deutsche Sprache. – Trotz des vorbereitenden Deutschunterrichts in China war es eine große Umstellung. Auch gab es Unsicherheiten, da man in eine ganz andere Kultur kam, das führte teilweise auch zu Stress – und auch gelegentlichem Heimweh.
Jedoch erhielten wir auch die Rückmeldung, dass das Projekt sehr gut ist und man sich freut, daran teilzunehmen und so viel Neues lernen zu können.
Der Unterricht in Deutschland.
Der größte Unterschied im Unterricht ist für die Schüler der Wechsel zwischen Theorie und Praxis. – Während die Ausbildung in China zunächst nur theoretisch ist, wird in Deutschland die Ausbildung im dualen System stets als Wechsel zwischen Theorie und Praxis durchgeführt.
So haben die Schüler z.B. einen Monat theoretischen Unterricht in der Schule und dann einen Monat praktische Arbeit in den Pflegeeinrichtungen, wo sie möglichst das Gelernte auch umsetzen.
Ein weiterer großer Unterschied, an den sich die Schüler zunächst gewöhnen mussten, sind die Lehr- und Lernmethoden. Sie waren an den Frontalunterricht in China gewöhnt. In Deutschland ist das ganz anders. Hier erklärt der Lehrer auch, aber die Schüler müssen sich auch viel selbst erarbeiten. Es ist mehr ein Austausch untereinander und sehr häufig gibt es Lerngruppen. – Die mündliche Beteiligung ist in Deutschland besonders wichtig.
Als großer Unterschied fällt den Schülern auch auf, dass in Deutschland viel Lehrstoff anhand von Skripten vermittelt wird. In China gibt es für alles Bücher.
In der Schule
Hier gibt es sehr unterschiedliche Antworten. Alle denken, dass die Lehrer nett sind und auch immer ihre Hilfe anbieten, wenn es notwendig ist.
Zu den Mitschülern haben einige guten Kontakt, es wird auch über Persönliches gesprochen. Aber es gibt da auch Probleme, so haben die chinesischen Schüler den Eindruck, dass es häufig schwierig ist, bei den Lerngruppen akzeptiert zu werden. – Möglicherweise auch aufgrund der noch immer vorhandenen Sprachprobleme bei den komplizierten Anforderungen im Unterricht.
In der Pflegeeinrichtun
Nach Ansicht der Schüler ist die Arbeit oft sehr anstrengend, besonders auch weil häufig wenig Personal da ist. – Zunächst gab es auch Probleme, weil die Schüler oft zu Überstunden eingeteilt wurden und aufgrund ihres Wesens diese nicht ablehnen mochten. Nachdem dieses Problem erkannt wurde, hat man es mithilfe der Pflegedienstleitung gelöst.
Generell ist es so, dass die Schüler Probleme mit der Stationsleitung oder Pflegefachkraft besprechen können und man dann meist auch eine Lösung findet.
Die Bewohner
Die Schüler sagen übereinstimmend, dass sie mit den Bewohnern sehr gut zurecht kommen. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber das Bild ist recht positiv. Probleme gibt es meist nur dann, wenn es Bewohner mit Migrationshintergrund sind und sie kaum Deutsch sprechen.=
Positiv und negativ
Auf die Frage, was das beste und schlechteste bei der Arbeit ist, wird meist geantwortet, dass es nette und „weniger nette“ Kollegen gibt. Mit vielen kann man sich gut verstehen, aber es gibt leider auch andere. Auch ist es schwierig, weil Kollegen gekündigt haben und man sich jetzt auf neue Kollegen einstellen muss. Einige der Kollegen, die schon länger in der Einrichtung arbeiten, versuchen auch häufig ihre Pausenzeiten zu verlängern, was bei den Schülern auf Kritik stößt.
Als angenehm wird der Umgang mit vielen Bewohnern gesehen und auch dass es in Deutschland klare Arbeitszeiten gibt. – „Wenn 14 h Arbeitsende ist, dann kannst du ganz schnell nach 14 h losgehen“.
Das Leben in Deutschland
Hier sind die Eindrücke unterschiedlich, sie finden das Land und die andere Kultur sehr interessant. Sie überlegen teils, auch nach der Ausbildung noch eine Weile in Deutschland zu bleiben. Sie reisen viel, um viele neue Eindrücke zu sammeln und andere Orte kennenzulernen.
Aber es kommt auch die Anmerkung, dass sich das Leben sehr unterscheidet. Während China sehr viel „lebendiger“ ist, ist es in Deutschland ruhig und beschaulich. – Letztlich ist doch China die Heimat, die man auch ein wenig vermisst.
Interview mit Herrn Plagge – 23.08.2017
Herr Plagge, Sie haben als Geschäftsführer einer Pflegefachschule viele Jahre Erfahrung mit der Ausbildung von Schülern in diesem Bereich.
Bevor wir auf das Projekt mit den chinesischen Schülern kommen, würden wir gern ganz allgemein etwas zur Arbeitsmarktsituation in der Altenpflege in Deutschland erfahren.
Die Situation auf dem Pflegemarkt in Deutschland ist schon seit vielen Jahren sehr angespannt und dadurch gekennzeichnet, dass die Geburtenrate immer weiter sinkt, die Lebenserwartung aber steigt, was sich dann natürlich auch auf den Bereich der Pflege auswirkt. Es gibt mittlerweile in keinem Bundesland in Deutschland genügend Fachpersonal. Es wird überall benötigt und es gibt Prognosen über das Jahr 2020 hinaus, die feststellen, dass uns im Jahre 2020 / 2025 mindestens 300.000-400.000 examinierte Pflegekräfte in Deutschland fehlen.
Und die Situation ist bei den Schülern wahrscheinlich ähnlich?
Ja, es korreliert mit der Tatsache, dass auch nicht genügend Jugendliche in Deutschland bereit sind, in den Pflegeberuf einzusteigen. Deswegen sind wir quasi gezwungen, aus dem Ausland Auszubildende und auch Fachkräfte zu holen.
Und wie entstand die Idee zu diesem Projekt mit China und mit wem arbeiten Sie da im Einzelnen zusammen?
Wir hatten vorher schon Erfahrungen mit Osteuropa und Westeuropa, z.B. Bosnien, Spanien, Portugal. Aber leider waren die Erfahrungen nicht zufriedenstellend, sodass wir aus mehreren Gründen auf China gekommen sind. Also einmal gibt es in China gut vorausgebildete Jugendliche, die z.B. Hygieneschulen besucht haben. Es gibt viele junge Menschen dort, die bereit sind, mehrere Jahre in Deutschland zu verbringen. Was mich persönlich aber sehr gereizt hat, ist, dass bei den Menschen, die ich in China und dann auch hier kennengelernt habe, überall diese konfuzianische Ethik herauszuspüren ist und das interessiert mich, weil diese Jugendlichen mit einer sehr großen Empathie die Ausbildung absolvieren.
In China arbeiten wir mit mehreren Hochschulen zusammen und vor allen Dingen mit der Firma ASC Ausbildung & Service GmbH, die in Deutschland in Düsseldorf sitzt und deswegen sind die Wege nach China für uns so wesentlich kürzer, außerdem wir haben dort immer kompetente Ansprechpartner/innen, was das Ganze auch wesentlich erleichtert.
Und wie haben Sie sich bzw. die Schulen und Einrichtungen auf dieses Projekt
vorbereitet?
Nun ja, wir gehen davon aus, dass wir wirklich in zwei verschiedenen Welten leben. In China ist alles anders als in Deutschland und umgekehrt – erst recht was die Größenverhältnisse anbelangt. Es ist ganz einfach so, wir haben unterschiedliche Kulturen, unterschiedliche Sprachen.
Wir haben alle Beteiligten an diesem Projekt gebrieft, wie es so schön heißt. Also wir haben für unsere Einrichtungsleitungen, unsere Lehrkräfte, und auch für die Mitarbeiter in der Administration interkulturelle Trainings angeboten, um Fehler zu vermeiden. Wir haben alle Beteiligten über Land und Leute informiert. Und das war wirklich erfolgreich, weil jeder nach diesen Trainings wusste, auf was er sich einrichten muss.
Und wie sind jetzt Ihre Erfahrungen nach mehr als zwei Jahren mit diesem Projekt?
Also die Erfahrungen sind sehr vielfältig. Einmal sind Probleme, die wir vorausgeahnt haben, nicht eingetreten. Dafür sind aber andere Probleme entstanden, auf die wir gar nicht vorbereitet waren.
Eine besonders große Hürde war die Anerkennung der chinesischen Jugendlichen bei den hiesigen Behörden, besonders bei der Landesschulbehörde, vor allen Dingen was die Zeugnisse und die Ausbildung an den Hygieneschulen anbelangt. Da es ein solches Projekt in Niedersachsen noch nie gegeben hat, war es besonders mühselig. Wir waren da also die Vorreiter und die Behörden mussten sich da auch neu drauf einrichten – allein dieser Prozess hat ein Jahr gedauert – aber letztendlich konnten wir die Behörden überzeugen und haben die Genehmigung bekommen, dass diese Jugendlichen hier ausgebildet werden dürfen.
Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Voraussetzung für das Gelingen dieses Projekts?
Wichtigste Voraussetzung ist die Erledigung der formalen Dinge, die Anerkennung der Zeugnisse nach hiesigem Schulrecht. Das muss möglichst schon in China angeschoben werden, weil wir dann hier auch deutsche Übersetzungen brauchen.
Es muss mindestens ein B1-Sprachlevel vorliegen, das muss schon in China absolviert werden. Wir werden die Schüler dann hier auf das B2-Niveau bringen, weil das Voraussetzung für die Ausbildung ist, damit die Schüler dem Unterricht folgen und erfolgreich dann dran teilnehmen können. Weiter ist sehr wichtig, dass alle Beteiligten gut informiert sind. Wichtig ist, dass auch die Einrichtung, wo der praktische Teil der Ausbildung absolviert wird, mit ins Boot geholt wird. Dass dort auch Trainings stattfinden und den Jugendlichen sog. „Paten“ beiseite stellen, die immer für Probleme und „Problemchen“ da sind.
Das hört sich sehr umfassend an. Wie läuft denn die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Einrichtungen hierbei?
Das Altenpflegegesetz regelt ja, dass die Ausbildung in einem theoretischen Teil von 2.400 Stunden absolviert wird und in der Praxis von 2.500 Stunden. Wir arbeiten nach dem Blocksystem: Theorie – Praxisphase – Theoriephase – Praxisphase usw. und wir stehen in engem Kontakt zu unseren Kooperationspartnern, also zu den Trägern der praktischen Ausbildung.
Auf Leitungsebene findet immer ein regelmäßiger Austausch statt, besonders bei den chinesischen Schülern versuchen wir im Bedarfsfall mögliche Probleme schon gleich zu Anfang zu beseitigen. Wir stehen neben den festen Terminen auch immer in telefonischem Kontakt.
Welche Unterschiede zwischen chinesischen und deutschen Schülern fallen denn besonders ins Auge?
Ja, ich sage das sehr ungern, weil ich niemanden vor den Kopf stoßen will, aber unsere chinesischen Schüler zeichnen sich doch durch einen gewissen Fleiß aus, den ich bei manchen deutschen Schülern vermisse. Sie sind sehr lernwillig, lernbereit und sie arbeiten sehr viel, erst recht an der deutschen Sprache und insofern ist die Teilnahme dieser Schüler und Schülerinnen bislang auch sehr erfolgreich. Ein großer Unterschied ist auch ihre Freundlichkeit. Ich habe sie noch nie mit einer bösen Miene gesehen. Das trägt auch zum guten Kursklima bei.
Wie schätzen Sie den Fortgang des Projektes ein und was wünschen Sie sich da vielleicht von der chinesischen Seite, das noch verbessert werden könnte?
Was wir hier gemacht haben, war und ist ein Pilotprojekt und deswegen haben wir mit einer geringen Personenzahl angefangen. Wir wissen jetzt wie die formalen Wege zu beschreiten sind, der Unterricht und die Ausbildung in den Einrichtungen organisiert werden müssen und wir wünschen uns mit einer größeren Personenzahl dieses Projekt fortzusetzen, dies auch mit weiteren über Niedersachsen hinaus. Von der chinesischen Seite wünschen wir uns, dass diese konstruktive Zusammenarbeit so fortgesetzt wird und dass wir weiter im Dialog stehen. Wir denken aber auch, dass wir gemeinsam in China hinsichtlich des Erlernens der deutschen Sprache noch etwas nachbessern müssen, weil das der wichtigste Schlüssel zum Erfolg ist. Da hapert es an der einen oder anderen Stelle noch - aber auch das kriegen wir noch hin.
Sie waren ja schon in China. Welchen Eindruck haben Sie denn allgemein vom Land?
Ich glaube da reicht die Zeit hier nicht aus, um das zu schildern. Ich war 2014 zum ersten Mal dort und im vergangenen Jahr noch einmal, jeweils 14 Tage. Ich habe ca. 11 Städte gesehen. Also mein Eindruck ist: Es ist ein faszinierendes Land, besonders die Kultur und die Landschaft, in den Großstädten spürt man eine Art Aufbruchstimmung.
Die Zusammenarbeit mit diesem Land, was 8.000-9.000 km entfernt ist, mit einer völlig anderen Kultur, ist sehr interessant. Leider habe ich bei diesen Besuchen wenig Zeit gehabt, so habe ich z.B. beim ersten Besuch am Vorabend meiner Abreise festgestellt, dass ich so einige Highlights gar nicht gesehen hatte, wie z.B. die große Mauer. Daraufhin habe ich dann abends meinen Flug noch um 2 Tage verschoben und bin noch dort geblieben um mir wenigstens einige sehr wichtige Dinge angeschaut. Ich war absolut beeindruckt.
Daher möchte ich im nächsten Jahr China privat bereisen, ohne Geschäftstermine. Also China ist wirklich ein ganz, ganz tolles Land.
Während Ihrer Chinareise im letzten Jahr hatten Sie ja Gelegenheit, verschiedene Einrichtungen und Schulen in China zu besuchen. Welchen Eindruck hatten Sie von den Schülern der Pflegefachschule in Zhengzhou?
Einmal war ich überrascht, was für eine Schule das ist. Angebunden auf einem Campus einer Universität mit allen Annehmlichkeiten, mit der kompletten Infrastruktur. Das kenne ich aus Deutschland nicht. Ich habe auch nicht erwartet, eine so moderne und gut ausgestattete Schule anzutreffen. Das ist ja wirklich ein Sahnestück! Und ich habe dort viele Schüler und Schülerinnen kennengelernt, die sich mit dem Gedanken tragen, nach Deutschland zu kommen. Die waren einfach fasziniert, ihr Interesse an Deutschland, was sie über Deutschland wissen und dass sie gerne hier eine Ausbildung möchten. Ich bin auf sehr viele, sehr motivierte Schüler gestoßen. Das hat mich wirklich sehr beeindruckt.
Welche Herausforderungen sehen Sie, wenn zukünftig eine größere Gruppe Schüler aus China zur Ausbildung kommt?
Es ist ja immer so: Je mehr Personen desto mehr Probleme, aber wir kennen nun die Wurzel der Probleme und wir haben vor, mit größeren Gruppen zu arbeiten, an verschiedenen Standorten. Was wir nicht machen werden, sind reine Klassen mit nur chinesischen Schülern. Also wir wollen immer eine Vielfalt in den Kursen haben. Wir haben Kurse, wo zum Teil 7,8,9 verschiedene Nationalitäten drin sind und das belebt das Ganze. Und das möchten wir auch beibehalten, aber wir werden die Anzahl der Auszubildenden, die wir rüber holen, deutlich verstärken.
Dann noch zum Abschluss eine Frage: Können Sie die Zukunftspläne für das Projekt schon kronkretisieren?
Wir wollen weiter die dreijährige Ausbildung zur examinierten Pflegefachkraft durchführen in Zusammenarbeit hauptsächlich mit der Firma ASC. Wir werden auch in dem Bereich der in China ausgebildeten Krankenschwestern gehen und diese universitär ausgebildeten Krankenschwestern nach Deutschland holen, die durch Anerkennungslehrgänge und Kenntnisprüfung ihre Zulassung hier erhalten können. Das sind Fachkräfte, die auch in den Krankenhäusern hier sehr begehrt sind, aber auch in unseren Altenpflegeeinrichtungen, wo wir sie dann einsetzen werden, und zwar bundesweit. Das ist ein großes Rad, an dem wir drehen wollen aber man muss da wirklich Schritt für Schritt vorgehen.
Herr Plagge, wir danken Ihnen für das sehr informative Gespräch.
Interview mit Herrn Josefiok – Einrichtungsleiter „Seniorenwohnstift Kreyenbrück“ Oldenburg
Herr Josefiok, Sie sind Leiter einer Pflegeeinrichtung in Oldenburg, können Sie sich und Ihre Einrichtung kurz vorstellen?
Mein Name ist Johannes Josefiok. Ich bin seit drei Jahren hier beschäftigt als Einrichtungsleitung. Dieses Haus hat 95 stationäre Pflegeplätze, 102 Wohnungen für das Wohnen mit Service und zusätzlich haben wir hier auf dem Gelände auch noch einen ambulanten Dienst, mit dem wir kooperieren wie mit anderen Diensten auch. Meine Aufgabe ist es, die Vorgaben des Gesetzgebers und der verschiedenen Ämter einzuhalten, umzusetzen und eine größtmögliche Zufriedenheit zu erzeugen.
Ihre Pflegeeinrichtung hat das Projekt mit den chinesischen Studenten oder Schülern von Anfang an begleitet. Können Sie kurz erläutern, wie Ihre Arbeit ist und wie sich das entwickelt hat?
Es ist durch einen Zufall entstanden. Wir hatten das erste Mal im Jahre 2014 Kontakt mit der Firma ASC Ausbildung & Service GmbH. Das war eher ein Orientierungsbesuch seitens Ihrer Firma und daraus hat sich dann relativ schnell entwickelt, dass die Anfrage kam, ob wir hier vier Schüler aufnehmen könnten und dem haben wir dann ja relativ schnell zugestimmt.
Und welches ist die größte Herausforderung, die Sie in der Arbeit in so einer Einrichtung sehen?
Wir versuchen, den Wünschen und Bedürfnissen unserer Bewohner nachzukommen. Die Mitarbeiter sind da sehr engagiert, die Bedürfnisse zu erkennen und ggf. Defizite auszugleichen.
Es gibt bescheidene Rahmenbedingungen. In Niedersachsen sind die Personalschlüssel und das, was uns an Personal zugestanden wird, extrem niedrig. Das macht uns am meisten Sorge, damit wir unseren Arbeitsauftrag erfüllen können.
Vielleicht noch zu dem Projekt China. Uns würde interessieren: Was hat Sie letztendlich wirklich überzeugt, da mitzuarbeiten?
Der Ausschlag war letztendlich, dass die Gespräche mit Ihnen, der Firma ASC Ausbildung & Service GmbH, sehr konstruktiv waren und kein Zweifel darüber bestand, ob das nun Sinn macht oder nicht. Sie waren alle überzeugend und für uns als seriöser Partner erkennbar. Wir hatten vorher auch mit Menschen zu tun, die erkennbar unseriöse Absichten hegten und darum haben wir dann gesagt: Gerne. Die Firma ASC ist für uns der richtige Partner.
Dankeschön. Und wie haben Sie Ihre Mitarbeiter darauf vorbereitet, dass Auszubildende aus China kommen?
Da die zeitliche Spanne bis zum Erscheinen der Schüler für uns nicht so ganz groß war, haben wir mit einer Mitarbeiterin eine Broschüre erstellt, haben uns Literatur über China besorgt, um unseren Mitarbeitern Grundkenntnisse zu vermitteln, was man zum Anfang des Projektes wissen sollte. Dagegen haben Herr Massini und ich uns einige Monate vorher bereits bei Workshops und Fortbildungen mit dem Thema China beschäftigt.
Und wie war die Reaktion der Kollegen?
Ausgesprochen positiv. Durch das nette, freundliche Wesen unserer chinesischen Schüler gab es so gut wie keine Probleme.
Also auch in der Anfangszeit, wenn Sie daran zurückdenken, wo waren die größten Probleme und konnte man diese gut lösen?
Die größten Probleme waren nach wie vor in der Sprache. Altenpflege bzw. Krankenpflege ist ein kommunikativer Beruf. Als die Schüler hier ankamen, waren ihre Sprachkenntnisse zunächst bescheiden. Wir haben dann unsere Mitarbeiter gebeten, möglichst viel nachvollziehbar und einfach zu kommunizieren. Wir haben auch einen ehrenamtlichen Deutschlehrer engagieren können, der sich mit den Schülern beschäftigt und Deutsch unterrichtet hat.
Und wie sieht es aktuell aus? Haben sich die chinesischen Auszubildenden Ihrer Meinung nach jetzt in Deutschland eingelebt?
Wir sehen die Sprache ist deutlich besser geworden, es sind Riesenfortschritte gemacht worden. Sie haben sich in Sportclubs angemeldet, sie gehen mit ihren Kollegen feiern, sie gehen zusammen aus, sie lernen zusammen. Man sieht es auch an den Facebook-Kontakten. Es sind Riesenschritte gemacht worden, was das Einleben hier vorangebracht hat.
Und wie ist das Feedback jetzt aus der Einrichtung, also von den Kollegen aktuell?
Die Kollegen aktuell freuen sich. Da wir das Problem haben, dass wir wenig Nachwuchs haben in den Ausbildungskursen, möchten wir unsere Schüler gut begleiten, damit sie eine gute Ausbildung machen können.
Und wenn man die Bewohner einmal nimmt, wie war zunächst die Reaktion der Bewohner, dass jetzt Mitarbeiter aus China da sind und wie ist es aktuell?
Da gab es gar keine Probleme, überhaupt keine Probleme, durchweg positives Feedback seitens der Bewohner. Besonders natürlich, da die jungen Leute alle ein nettes, freundliches, empathisches Auftreten gegenüber unseren älteren Gästen hier im Haus haben.
Noch einmal zur dualen Ausbildung. Es ist ja eine Zusammenarbeit von der Schule und der Einrichtung. Können Sie kurz erläutern, wie Zusammenarbeit läuft?
In den Wohnbereichen haben wir sogenannte Mentoren, die die Schüler begleiten und diese Mentoren und die Schüler halten dann die Verbindung zur Schule und versuchen dann dort möglichst die Lernergebnisse zu begleiten und zu überwachen.
Und wie ist der Austausch zwischen der Einrichtung und der Ausbildungsstätte, also der Schule?
Der Austausch ist permanent. Da wir die Schule hier in Oldenburg vor Ort haben, haben wir einen kurzen Weg, nicht nur über E-Mail und Telefon, sondern können uns auch mit den Unterrichtskräften der Schule insbesondere über unsere chinesischen Auszubildenden austauschen.
Also kommen die Lehrer regelmäßig in die Einrichtung?
Ja, die Lehrer kommen regelmäßig in die Einrichtung, überprüfen auch die Anforderungen, die gestellt worden sind, auch in der praktischen Arbeit. Das ist ein kontinuierlicher Prozess.
Wie werden denn die praktischen Leistungen bewertet? Wo liegt der Schwerpunkt? Wie wird das für die Schüler sichtbar?
Die praktische Leistung wird in sogenannten Sichtstunden bewertet. Es kommt eine Unterrichtskraft, stellt dem Schüler eine praktische Aufgabe z.B. am Bett eines Bewohners. Anschließend wird die Leistung der Schüler bewertet. In den letzten beiden Sichtstunden, die jetzt vor einem Monat stattgefunden haben, sind beide (chinesischen Schüler) mit gutem Ergebnis und mit hoher Zufriedenheit der Schule geprüft worden.
Wie steht es denn mit den Unterschieden zu anderen Auszubildenden, gibt es welche?
Die Unterschiede liegen glücklicherweise darin, dass unsere chinesischen Kolleginnen ein gutes Verständnis für alte Leute haben. Sie haben Respekt vor den alten Menschen und an diesem Respekt lassen sie allen in ihrer Umgebung auch teilhaben, insbesondere natürlich unsere älteren Bewohner hier im Haus, was sehr, sehr positiv angenommen wird.
Wie sehen denn Ihre Zukunftspläne für die Schüler aus, wenn sie mit der Ausbildung fertig sind. Gibt es Anregungen sie hier zu halten?
Wir würden uns freuen, wenn wir die Schüler dann als Fachkräfte hier behalten können. Wir werden frühzeitig mit den Schülern ins Gespräch gehen, werden ihnen das ortsübliche Gehalt anbieten, das natürlich gleich ist mit dem unserer deutschen Kollegen. Auch werden wir ihnen anbieten, bei der Wohnungssuche behilflich zu sein ggf. den Wohnraum auch zu stellen, so dass sie sich um solche Dinge nicht zu kümmern brauchen.
Sie konnten jetzt zwei Jahre Erfahrung sammeln in diesem Projekt. Gibt es Konsequenzen, die Sie daraus ziehen können? Welche Veränderungen würden Sie machen?
Wie wollen gerne weiter mit der Firma ASC zusammenarbeiten. Die kleinen Fehler und Widrigkeiten, die sich im Projekt gezeigt haben verbessern, so z.B. der Umgang mit den Behörden, der Umgang mit den Unterlagen, die mitgebracht werden müssen. So können wir zukünftig schneller verfahren, wenn neue Schüler aus China kommen. Vor allen Dingen aber möchten wir, dass das Erlernen der deutschen Sprache vielleicht mehr Kraft und Intensität bekommt, und dass dadurch die Integration hier in die Arbeit leichter fällt.
Wir danken Ihnen für das Gespräch, Herr Josefiok.
Interview mit Herrn Massini - Einrichtungsleiter des Seniorenzentrums „Am Küstenkanal“ in Oldenburg
Herr Massini, Sie sind Leiter einer Pflegeeinrichtung, die seit 2 Jahren dieses Projekt mit chinesischen Auszubildenden betreut. Können Sie zunächst einmal etwas zu sich und der Arbeit der Einrichtung sagen?
Gerne. Mein Name ist Michael Massini. Ich arbeite hier seit ca. 3 Jahren als Einrichtungsleiter. Diese Einrichtung hat 103 Pflegeplätze. Davon sind 20 Spezialpflegeplätze für junge Pflegebedürftige und die restlichen Pflegeplätze sind für ältere pflegebedürftige Menschen. Bei uns im Seniorenzentrum „Am Küstenkanal“ haben wir außer der vollstationären Pflege auch noch das betreute Wohnen. Wir haben knapp 50 Wohnungen, wo ältere Menschen wohnen, die zu Hause nicht mehr ganz allein zurecht kommen und geringen Hilfebedarf haben, die dann durch den ambulanten Pflegedienst hier versorgt werden.
Dann ist es also eine Kombination aus stationärer und ambulanter Pflege?
Ganz genau. Wir haben geschaut, dass wir möglichst viel abdecken. Man hat 24 Stunden die Möglichkeit, hier betreut zu werden, aber auch die Sicherheit, dass man einfach nur klingelt und jemand zur Hilfe kommt. Besonders aber, dass wir hier ein Miteinander geschaffen haben, wo man soziale Angebote hat und nicht vereinsamt. Es gibt viele Betreuungsangebote um sich zu treffen, auszutauschen und zum Knüpfen sozialer Kontakte.
Das hört sich gut an. Wie ist denn Ihre Vorstellung oder Ihr Idealbild von einer wirklich guten Pflegeeinrichtung?
Also wir haben in Deutschland eine Pflege, die standardisiert ist. Alles verläuft nach Standards und es gibt kaum etwas, das nicht festgelegt ist. Fast alles ist standardisiert in Deutschland. Das wird auch vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen geprüft.
Eine optimale Versorgung ist bei mir dann gegeben, wenn neben dem pflegerischen Aspekt auch die Seele oder das Herz des Bewohners erreicht wurde, dass er sich einfach wohlfühlt. Das eigene Zuhause können wir nicht ersetzen, aber wir können alles versuchen, dass er sich hier wohlfühlt – wie zuhause. Und da geben wir z.B. Betreuungsangebote oder einfach Gespräche nebenbei, ob mit der Pflegekraft, der Reinigungskraft, der Leitung oder mit der Verwaltung. Für mich ist eine optimale Versorgung, wenn sich der Bewohner rundum wohlfühlt und wir dürfen nicht vergessen, dass auch die Angehörigen dabei eine wichtige Rolle spielen, die wir zu integrieren versuchen. Eine weitere Komponente sind die Arbeitskollegen, auch sie sollten sich wohlfühlen.
Und was ist die größte Herausforderung bei der Arbeit in einer Pflegeeinrichtung?
Dass, so vieles auch standardisiert wurde in dem Ablauf, es aber kaum einen Beruf gibt, wo mehr Individualität gefordert ist. Denn man muss hier biographisch arbeiten, d.h. auf jeden Menschen individuell eingehen.
Jeder Mensch hat ein Schlüsselloch, für den es nur einen passenden Schluss gibt.
Diesen Schlüssel muss man mühselig zusammenbauen, um letztlich die Tür öffnen zu können.
Wenn wir jetzt über das Projekt China sprechen, würde uns interessieren: Was hat Sie überzeugt, an diesem Projekt teilzunehmen, damals als es anfing?
Grundsätzlich gibt es gerade in der Altenpflege einen Fachkräftemangel. Es gibt nicht für jede offene Stelle – ob es jetzt Fachkraft oder Ausbildungsstelle ist – einen Bewerber.
Das heißt wir haben da ein Problem, und müssen umdenken und neu überlegen: Welche Wege gibt es? Und andererseits, dass wir natürlich auch Spaß haben an Neuem und auch da ein bisschen frischen Wind hineinbringen wollten in unsere Arbeit. Daher haben wir überlegt: Was können wir tun?
In Zusammenarbeit mit Geschäftsführung sind wir auf ein Chinaprojekt gestoßen, wo wir sagten: Das wäre mal eine neue Möglichkeit. Und besonders China, weil China dafür bekannt ist, dass alte Menschen dort auch Wertschätzung erfahren. Das ist nicht in jedem anderen Land so. Deswegen haben wir das Projekt gestartet.
Welche Informationen hat es für Sie vorab gegeben und wie hat die Einrichtung sich vorbereitet?
Durch das Chinabüro in Oldenburg hatten wir schon ersten Kontakt nach China. Wir haben uns auch Lektüre gekauft, damit wir die Menschen aus China besser verstehen. Damit wir im direkten Kontakt die Chinesen besser verstehen. Wir Leitungskräfte und auch die Kollegen in den Einrichtungen, wo dann Chinesen eingesetzt werden sollten, wurden dann auch noch speziell geschult.
Wenn Sie jetzt an diese Anfangszeit zurückdenken. Welche Probleme sind da aufgetaucht und wie wurden sie gelöst?
Wir hatten mit sehr schüchternen und sehr zurückhaltenden Kollegen gerechnet, mussten dann aber feststellen, dass wir uns eigentlich viel ähnlicher sind als gedacht. Da kamen jetzt vier Schüler zu uns, die kurz eine Anlaufzeit benötigten, um erst mal ins Gespräch zu kommen. Aber wenn man z.B. einen gemeinsamen Kochabend gemacht hat, hat man gesehen, sie sind nicht anders als hiesige Jugendliche. Sie waren selbstbewusst und sind schon ab dem ersten Tag rausgegangen, haben sogar gleich mit dem Fahrrad die Stadt erkundet.
Also war gar nicht so viel Unterschied zu den anderen Auszubildenden?
Es sind halt alles junge Menschen. Sie waren ja noch alle unter 20, als sie kamen, so wie viele der anderen Auszubildenden. Ja, so wie wir uns auf die neuen Kollegen vorbereitet haben, so haben sich auch die Chinesen auf uns vorbereitet. Also ist man ja schon von beiden Seiten ohne es zu wissen, ganz eng zusammen gekommen, wo es dann gar nicht so viele große Probleme gegeben hat.
Und wie sieht es aktuell aus? Wie haben sich die chinesischen Auszubildenden jetzt Ihrer Meinung nach eingelebt?
Also zu Beginn hatten sie viel Zeit. Sie haben gearbeitet und waren in der Schule, aber dann mussten Sie erst mal überlegen. Was mache ich hier in Deutschland? Was gibt es für Freizeitangebote? Sie sind von Anfang an auch sehr reiselustig gewesen. Für die Freizeit gab es dann auch standardmäßige Dinge, ob das jetzt das Fitness-Studio oder Joggen war, oder Fahrradfahren in der Freizeit. Das sind so Dinge, die sofort umgesetzt wurden.
Und wie ist das Feedback von den Mitarbeitern über die chinesischen Kollegen?
Das ist durchweg positiv. Ich glaube das liegt an ihrer Mentalität, die Auszubildenden sind total freundlich und ein bisschen der Ruhepol. Also man merkt ihnen nicht an, dass sie in Hektik sind, wie das bei deutschen Kollegen sehr schnell sichtbar ist. Da sind unsere chinesischen Auszubildenden sehr zurückhaltend. Also ruhig und gelassen und schaffen es, einen sehr guten Zugang zu bekommen, gerade zu den Bewohnern.
Und die Bewohner, wie haben die reagiert als sie erfuhren, dass Pfleger aus China kommen?
Wir haben durch viele frühere Besuchergruppen aus China hier bei uns im Seniorenzentrum „Küstenkanal“ schon Erfahrungen gehabt.
Jetzt haben wir zwei Kollegen bekommen, die hier ihre Arbeit gut machen und sie wurden positiv angenommen. Jeder hat seinen festen Wohnbereich, wo er arbeitet und da sind sie schon hier und da die Lieblinge der Bewohner, weil sie halt liebevoll mit den Bewohnern umgehen. Sie sind jetzt gut integriert.
Wenn wir nochmal auf die Ausbildung der Schüler kommen. Sie findet ja sowohl in der Schule wie auch in der Einrichtung statt. Können Sie kurz erläutern, wer sich jeweils um die Schüler kümmert, also in der Einrichtung und auch in der Schule?
In Deutschland in der Altenpflege wird der Vertrag mit der Schule geschlossen, die Einrichtung stellt dann sozusagen den praktischen Teil. Natürlich ist das nur möglich, wenn alle zusammenarbeiten. In der Schule ist der Hauptansprechpartner die Klassenlehrerin. Es gibt Blockunterricht, wo dann bestimmte Themen durchgenommen werden. Diese werden dann als Aufträge weitergegeben, damit sie im Praxiseinsatz in der Einrichtung umgesetzt werden können. Das wird dann auch von den Lehrkräften geprüft. Sie kommen in die Einrichtung und schauen, wie die Schüler das in der Schule Gelernte umsetzen. Die Ansprechpartner für die Schüler in den Einrichtungen sind die Praxisanleiter, die dann für die Auszubildenden zur Verfügung stehen. Es gibt da keinen Unterschied zwischen den chinesischen oder deutschen Auszubildenden, für alle gibt es feste Praxisanleitertage.
Und wie ist im Verhältnis die Bewertung der theoretischen und der praktischen Ausbildung?
Also ich würde das jetzt gar nicht so sehr aufteilen. Ich würde sagen, beides ergibt ein Ganzes. Z.B. in der Schule lerne ich: Wie formuliere ich in der Dokumentation? In der Einrichtung lerne ich: Wie setze ich das um, was ich dokumentieren muss? Und das Gesamtbild spielt dann die wichtige Rolle. Wenn der MDK kommt, prüft er nicht nur das Geschriebene, das Ausformulierte, sondern es wird natürlich auch geschaut, wie geht es dann dem Bewohner, wie wurde er gelagert, wie wurde das Ganze umgesetzt. Das eine kann ohne das Andere letztlich nicht, daher hat beides den gleichen Wert.
Gibt es denn aus Ihrer Sicht Unterschiede zwischen den chinesischen und den anderen Auszubildenden?
Es gibt nur einen Unterschied zwischen deutschen Auszubildenden und Auszubildenden aus anderen Ländern, und das ist ganz einfach nur der Sprachstand. Wie gut kann ich die Sprache letztlich sprechen? Ich denke, die Auszubildenden aus dem Ausland, haben es deutlich schwerer. D.h. je besser Deutsch gesprochen wird, umso besser können sie sich zurechtfinden. Denn selbst für einen Deutschen ist die Ausbildung nicht so einfach, man muss schon was dafür tun.
Die Schüler, die jetzt aus China da sind, haben in Henan ja schon eine Ausbildung in der Pflegeschule gemacht. Können sie von dieser Ausbildung profitieren?
Also man hat schon gemerkt, dass sie nicht vergleichbar sind mit Auszubildenden die hier direkt von der Schule kommen und noch nie in einer Altenpflegeeinrichtung waren. Aber man hat auch gemerkt, dass ihr Wissen doch sehr theoretisch war. Es fehlte halt da die praktische Erfahrung. Das ist hier ja aufgrund der dualen Ausbildung anders. Die Theorie ist immer verbunden mit praktischen Einsätzen.
Wenn die Schüler dann ihre Ausbildung abschließen, wie ist dann Ihre Planung? Wie wollen Sie den Schülern „schmackhaft“ machen, dass sie in Ihrer Einrichtung bleiben?
Also den Vorteil, den wir gerade in der Altenpflege haben, ist, das nach Abschluss der Ausbildung ja nicht Schluss sein muss. Es gibt immer die Möglichkeit, sich weiter hochzuarbeiten. Der Abschluss ist erst ein Einstieg ins Berufsleben. Man hat mit der Qualifikation des Altenpflegers einen sicheren Job und bekäme natürlich überall in Deutschland Arbeit. Das ist ein Job, der gesucht wird und der Zukunft hat.
Ich würde versuchen, die Kollegen hier zu halten und ihnen Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten und die Aufstiegschancen zu erläutern.
Außerdem stehen wir am Anfang unseres Projektes. Wir wollen das ganze Projekt China ausbauen und erweitern und dafür brauchen wir Multiplikatoren und ich kann mir gut vorstellen, dass zukünftig vielleicht der eine oder andere der jetzigen Schüler gar nicht in der Altenpflege arbeitet. Sondern das manche vielleicht in der Schule eingesetzt werden oder als Dozent tätig sind.
Wir müssen abwarten, ein Schwerpunkt ist das Projekt, das wir hier starten wollen. Wie holen wir mehr Chinesen zu uns ins Land und schaffen es, eine abgeschlossene qualifizierte Ausbildung in der Altenpflege hinzubekommen? Und da sind die Kollegen für uns sehr, sehr viel wert, dass sie uns bei diesen nächsten Projektschritten unterstützen. Das ist sicher auch ein Anreiz.
Welche Erfahrungen haben Sie bis jetzt aus diesem Projekt gezogen und was würden Sie vielleicht zukünftig anders machen?
Wichtig ist, dass die Deutschkenntnisse einfach deutlich intensiver begleitet bzw. fortgebildet werden müssen. Wir müssen das einfach mit zum Schwerpunkt machen. Es geht nicht darum, dass der Wille nicht da ist, sondern es ist einfach wirklich eine hohe Hürde, die zu nehmen ist.
Zum einen muss ich die deutsche Sprache ja können und zum anderen geht es um eine Fachsprache, die Pflegefachsprache. Auch ein Deutscher ist ja der Fachsprache nicht mächtig und muss sie erst erlernen und das ist doppelt wichtig für die Schüler aus China. Auch wenn schon ein gewisses Sprachlevel vorhanden ist, benötigt es permanente Begleitung, auch um sicherzustellen, dass diese ersten Schüler als Multiplikatoren ihre Erfahrungen und Tipps weitergeben können.
Haben Sie denn für nächste Projekte oder für die Zukunft schon konkrete Pläne gemacht? Haben Sie da besondere Erwartungen an die Zukunft?
Also es ist auf jeden Fall Folgendes: Welche Schritte haben wir eingeleitet? Da wir jetzt die Erfahrung gemacht haben mit der Landesschulbehörde, die entscheidet, ob jemand in die Ausbildung gehen darf oder nicht, gibt es jetzt bestimmte Voraussetzungen, die definitiv erfüllt sein müssen, bevor jemand nach Deutschland kommt. Z.B. muss ein gewisses Sprachlevel nach Goethe-Institut vorliegen.
Da müssen wir einfach sicher sein: Wie ist die Vorqualifikation, wie lange war jemand wirklich in der Schule? Damit wir die Anerkennung bekommen, dass jemand in die Ausbildung gehen darf. Das sind so Dinge, die im Vorfeld noch nicht so klar waren bei unseren jetzigen Auszubildenden. Wir haben alles geschafft, aber es war ein sehr steiniger Weg, bis letztlich die Ausbildung gestartet werden konnte. Das ist eine Sache.
Die andere Sache ist, dass wir jetzt deutlich intensiver Kontakt haben auch mit dem Ausländeramt, dort Ansprechpartner vor Ort haben, die uns intensiver begleiten können. Das sind Dinge, die wir jetzt anders machen aus den Erfahrungen heraus.
Es war wirklich eine sehr interessante Zusammenfassung und viel Information. Vielen Dank für das Gespräch Herr Massini.