Das duale Studium – Wege in den Beruf

Schülerinnen und Schüler können nach dem (Fach-)Abitur eine duale Ausbildung, ein konventionelles Studium an Universität bzw. Fachhochschule oder ein duales Studium machen, um den weiteren Weg in den Beruf vorzubereiten. In dem hier folgenden Text soll das duale Studium einmal genauer vorgestellt und von dem normalen Studium abgegrenzt werden. Dazu klären wir die Fragen: Was ist ein duales Studium? Wie hat sich das duale Studium entwickelt? Was kann man alles studieren und wo? 

Die Geschichte des dualen Studiums

Das duale Studium hat sich wie das übrige deutsche Bildungssystem historisch entwickelt, ist aber noch verhältnismäßig jung. In Folge des Baby-Booms in Westdeutschland zwischen 1955 und 1965 und einer bundesweiten Neugründungswelle von Schulen kam es Anfang der 70er Jahre zu einem signifikanten Anstieg der Abiturienten. Viele Unternehmen standen dieser Entwicklung mit Bedenken gegenüber, da davon ausgegangen werden konnte, dass nun mehr Abiturienten ein Studium an der Universität und den neu gegründeten Fachhochschulen der dualen Ausbildung vorziehen würden. Sie fürchteten einen starken Rückgang qualifizierter Fachkräfte und damit um ihre Zukunft.

Die ersten Überlegungen hin zum dualen Studium gab es in Baden-Württemberg. Die Unternehmen Daimler-Benz, Robert Bosch und Standard Elektrik Lorenz schlugen vor, Ausbildung und Hochschule miteinander zu kombinieren und dadurch den Ausbildungsberuf für Abiturienten attraktiver zu machen. Aus diesen Überlegungen ging 1974 das „Stuttgarter Modell“ hervor. Es kam zur Gründung der ersten Berufsakademien in Stuttgart und Mannheim und es wurde eine Testphase für die neue Ausbildungsform beschlossen. Bereits acht Jahre nach der Einführung wurde das „Stuttgarter Modell“ durch den baden-württembergischen Landtag als voller Erfolg gewertet und fest in das Bildungssystem integriert.  Die Absolventen der Berufsakademien mussten aber noch bis 1995 warten um den Status von Hochschulabsolventen zu erreichen. Seit Mitte der 1990er Jahre übernahmen dann auch immer mehr andere Bundesländer diese Ausbildungsform und gründeten eigene Berufsakademien. Inzwischen werden duale Studiengänge auch an Fachhochschulen und vereinzelten Universitäten angeboten. Die Zahl der Schulabsolventen, die sich für ein duales Studium entscheiden wächst stetig, genauso wie die Zahl der beteiligten Hochschulen und Unternehmen.

Die Besonderheiten des dualen Studiums

Im dualen Studium werden die theoretischen Inhalte der Hochschule oder Berufsakademie mit den praktischen Kenntnissen der Betriebe und Unternehmen kombiniert. Die Verteilung und das Verhältnis des Theorie- und Praxisanteils erschließt sich aus dem jeweiligen Zeitmodell. Hier sind vier Modelle zu unterscheiden:

  1. Blockmodell: Im Blockmodell wird der Anteil an praktischer und theoretischer Arbeit in Blöcke von ca. drei Monaten eingeteilt, während derer man entweder an der Hochschule oder Berufsakademie studiert oder im Unternehmen arbeitet. Es gibt aber auch Blockmodelle, die sich an dem herkömmlichen Vollzeitstudium orientieren. Dabei werden die theoretischen Inhalte während der Vorlesungszeit bzw. den ersten drei Monaten des Semesters und die praktischen Kenntnisse während der vorlesungsfreien Zeit bzw. den zweiten drei Monaten des Semesters vermittelt. Generell ist das Blockmodell sehr zeit- und lernintensiv im Vergleich zum konventionellen Studium.

  2. Wochenmodell: Im Wochenmodell wechseln sich praktische und theoretische Einheiten über den Verlauf einer Woche ab bzw. teilen sich auf die 2 Hälften der Woche auf.

  3. Fernstudium: Das Fernstudium ist ein Selbststudium, bei dem sich die Studenten die Inhalte selber erarbeiten mit Hilfe von zugeschicktem Lernunterlagen und/oder per Fernzugriff auf die Hochschule online. Präsenzzeiten existieren meist nur vereinzelt oder während Prüfungen

  4. Berufsbegleitendes Präsenzstudium: Dieses Modell ist auch als Abendstudium oder Blockstudium am Wochenende bekannt.

Bevor ein duales Studium angeboten werden kann, wird in der Regel ein Kooperationsvertrag zwischen Hochschule und Unternehmen aufgesetzt. Je nach Studienangebot bewerben sich angehende Studenten direkt beim Unternehmen oder an der Hochschule. Das beteiligte Unternehmen zahlt ihren Studenten eine Ausbildungsvergütung, die häufig mit einem langfristigen Arbeitsvertrag einhergeht.

94% der dualen Studiengänge schließen mit dem Bachelor ab, zunehmend werden aber auch duale Masterstudiengänge angeboten. Je nach Studienmodell erreicht man zusätzlich auch noch einen vollwertigen Berufsausbildungsabschluss. Es gibt folgende vier duale Studienmodelle:

  1. Ausbildungsintegrierendes duales Studium: Dies ist das einzige Studienmodell das zu einem Doppelabschluss befähigt – neben dem Bachelor erhalten Absolventen meist den IHK-Abschluss. Studiengänge wie Pflege, Hebammenkunde und Physiotherapie können übrigens nur in diesem Modell studiert werden.

  2. Praxisintegrierendes bzw. kooperatives duales Studium: Dieses Modell ist ähnlich strukturiert wie das ausbildungsintegrierende duale Studium, allerdings werden die Studenten nicht als Azubi, sondern Praktikanten oder feste Mitarbeiter im Unternehmen eingesetzt.

  3. Berufsintegrierendes duales Studium: Dieses Modell dient der berufsbegleitenden Weiterbildung. In Absprache mit dem eigenen Unternehmen werden die Arbeitszeiten angepasst, sodass die betreffende Person ein akademisches Studium besuchen kann.

  4. Berufsbegleitendes/praxisbegleitendes duales Studium: Dieses Studium ist ähnlich dem normalen berufsbegleitenden Abend- oder Fernstudium. Die betreffende Person hat eine Vollzeittätigkeit und kann sich für Block- oder Prüfungsveranstaltungen freistellen lassen, die wöchentlichen Arbeitszeiten werden aber nicht angepasst.

Generell ist es das Ziel des dualen Studiums Studenten praktisches Wissen und Kenntnisse des Arbeitsalltages in einem bestimmten Tätigkeitsfeld näher zu bringen ohne auf die theoretische Lehre der Hochschule zu verzichten. Insbesondere die ersten 2 Studienmodelle ermöglichen den Studenten bereits im Studium an ihrer Karriere im Beruf zu basteln und sichert erste Berufserfahrungen, die den späteren Berufseinstieg vereinfachen.

Das duale Studium heute

Nach dem Stand von 2018 bieten derzeit 225 Hochschulen und Berufsakademien ein duales Studium an. Diese gliedern sich auf in 147 Fachhochschulen (65%), 52 Berufsakademien 

Berufsakademien (BA) gehören in den meisten Fällen ähnlich den Fachhochschulen und Universitäten dem tertiären Bildungsbereich an. Es gibt staatliche und private Berufsakademien. Ähnlich den Fachhochschulen legen sie einen besonderen Fokus auf die praktische Ausbildung, allerdings kann an BAs nur dual studiert werden, während man an Fachhochschulen auch ein praktisch-orientiertes „normales“ Studium absolvieren kann. Ein Nachteil des Studiums an der BA ist die Anerkennung des Abschlusses. In den meisten Fällen ist der Abschluss nicht Bestandteil des Bologna-Prozesses und somit kein Bachelor und dies kann dazu führen, dass Absolventen von Bachelor-Studiengängen denen von Berufsakademien vorgezogen werden. Dies liegt an einem häufig geringeren Vertrauen gegenüber dem Bildungsweg Berufsakademie.

 Duale Hochschulen (DH) sind häufig ehemalige Berufsakademien (BA), die in diese Organisationsform überführt worden sind, als die Testphase des „Stuttgarter Modells“ abgeschlossen war.

Abbildung 1: Duales Studium 2018 nach Fachbereichen (*mache Studiengänge passen auf mehrere Bereiche weshalb die Gesamtprozente mehr als 100 ergeben), die Daten gehen zurück auf Wegweiser (2018).

Wie man in Abbildung 1 erkennen kann, gibt es starke Unterschiede im Angebot der Fachbereiche. Ein duales Studium wird vor allem in den Bereichen BWL, Ingenieurwesen und Informatik angeboten. Darüber hinaus gibt es noch die Bereiche Gesundheit & Fitness, Verwaltung & Öffentlicher Dienst, Medien & Kommunikation, Pädagogik & Soziales sowie Tourismus & Event. Die Internet-Seite Duales Studium listet insgesamt 703 verschiedene duale Studiengänge. Das größte Angebot an dualen Studiengängen in Deutschland hat weiterhin Baden-Württemberg. Dahinter folgen Bayern und Nordrhein-Westfalen, was sicherlich auch auf den relativ großen Industriesektor dieser Bundesländer zurückzuführen ist.  

Quellen Duales Studium

Ausbildung.de: Duales Studium [online] Verfügbar unter: https://www.ausbildung.de/duales-studium/#definition

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB): Duales Studium [online] Verfügbar unter: https://www.bibb.de/de/702.php

Duales Studium: Geschichte und Entwicklung des dualen Studiums [online] Verfügbar unter: https://www.duales-studium.de/allgemein/entwicklung-des-dualen-studiums

Mevaleo: Unterschiede zwischen Universität, FH und Berufsakademie [online] Verfügbar unter: http://www.mevaleo.de/info/studium/unterschiede-uni-fh-ba/

Studis Online: Berufsakademien und Duale Hochschulen [online] Verfügbar unter: https://www.studis-online.de/Hochschulen/Duale/

Wegweiser Duales Studium: Entwicklung des dualen Studiums in Deutschland – Geschichte und Statistik [online] Verfügbar unter: https://www.wegweiser-duales-studium.de/infos/entwicklung-geschichte-statistik/

Wegweiser Duales Studium (2018): Duales Studium 2018 – Statistiken und Trends. Verfügbar unter: https://www.wegweiser-duales-studium.de/statistik-2018/

Wikipedia: Baby Boomer [online] Verfügbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Baby-Boomer

Wikipedia: Duale Hochschule [online] Verfügbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Duale_Hochschule

Wikipedia: Duales Studium [online] Verfügbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Duales_Studium

Zur Suche von dualen Studiengänge:

Ausbildung Plus: Suche nach dualen Studiengängen [online] Verfügbar unter: http://www.ausbildungplus.de/webapp/index.php/suchedualstud/sucheDualstud/neuesuche/true

Duales Studium: duale Studiengänge [online] Verfügbar unter: https://www.duales-studium.de/studiengang

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Die duale Berufsausbildung in Deutschland

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Delegation bei Azurit Seniorenzentrum Korschenbroich