Sustainable Living
In unserer letzten Ausgabe habe ich einen kurzen Einblick in das Thema Tinyhouse gegeben. Diese Kolumne hat den Namen Sustainable Living, es geht also zum einen um Nachhaltigkeit und zum anderen um Bereiche des Lebens.In dieser Ausgabe möchte ich mich einmal mit dem Bereich der Belletristik auseinandersetzen. Themen des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit findet man schließlich nicht nur in Sachbüchern oder den täglichen Nachrichten.Katastrophenfilme wie „The Day After Tomorrow" oder der Animationsfilm Wall-Et sind prominente Beispiele für die Thematisierung in anderen Medien. Nachhaltigkeit und Naturschutz sind aber auch beliebte Themen in Fantasy-Bü-chern und insbesondere Comics. Es gibt sogar einen internationalen Comicwettbewerb zu sozial-gesellschaftlichen und Umweltthemen, der einmal jährlich in Luzern, Schweiz stattfindet. In diesem Jahr (2019) heißt das Thema „Velo".Wenn euch also der Beitrag von Christian Limbeck in unserer letzten Ausgabe zum Thema Radverkehr interessiert hat, könnten die eingereichten Comics etwas für euch sein.
Viele Comics und Mangas behandeln das Thema einer sauberen Energieerzeugung. Ein bekanntes Beispiel ist der Marvel-Comic Iron Man. Der Comic, der spätestens seit den Verfilmungen mit Robert Downey Junior weltweite Bekanntheit genießt, beschreibt den ARC-Reaktor. Dieser versorgt die Iron-Man-Rüstungen und den Avengers-Turm mit sauberer Energie aus (kalter) Kernfusion. Andere Comics/Mangas mit diesem Thema sind „Astro Boy" von Osama Tezuka und „Justifiers" von Jörg Krismann, Hannes Radke und Christian Turk.
Ein anderes wiederkehrendes Thema in Comics ist die Auseinandersetzung mit Oko-Terroristen. Eine bekannte fiktive Öko-Terroristin ist die Batman-Gegenspielerin Poison Ivy, die die Bevölkerung von Gotham terrorisiert, um sich für die Zerstörung der (Pflanzen-)Welt durch den Menschen zu rächen.
Andere Beispiele sind die Comics „Damocles" von Joel Callède und Alain Henriet und „Carthago" von Christophe Bec und EricHenniot.
Die Natur und der Umweltschutz wird außerdem in der Verti-go-Comicreihe The Swamp Thing behandelt. Der Biologe AlecHolland wird in Folge eines Laborunfalls zum Swamp Thing, einem Wesen, das aus dem Geist Hollands und verschiedenen Sumpfpflanzen besteht. Swamp Thing ist der Comic-geworde-ne Beschützer des Grün beziehungsweise der Natur - seine Widersacher sind deshalb auch häufig Umweltzerstörer.
Neben Comics finden Natur und Umweltschutz auch in der Belletristik Beachtung. Für mich prägend war die „Trilogie von Jaguar und AdlerạẠồider chilenischen Schriftstellerin Isabel Allen-de. Diese 3 Bücher habe ich in meiner Jugend gelesen und sie vermitteln das Gefühl der Bewunderung der Natur und den Respekt vor der Wildnis. Der erste Teil (Die Stadt der wilden Götter) spielt im Amazonas, der zweite (Im Reich des Goldenen Drachen) im Himalaya und der letzte (Im Bann der Masken) in der Wildnis Afrikas.
Der Bestseller „Der Schwarm" von dem deutschen Autor Frank Schätzing ist ein weiteres Beispiel für die Thematisierung der menschengemachten Umweltverschmutzung. Die Menschheit wird durch eine intelligente maritime Lebensform aus der Tiefsee angegriffen, die sich so gegen die Einflussnahme des Menschen auf das Meer wehrt.
Eine Buchreihe, die den respektvollen, geradezu spirituellen Umgang mit dem eigenen Planeten beschreibt, ist die Lorien Legacies. Der erste Teil der Reihe (I am Number Four) wurde mit mäßigem Erfolg verfilmt. Die Buchreihe dreht sich um eine Gruppe Außerirdischer, die auf unserer Erde untergetaucht sind. Sie verfügen über besondere Fähigkeiten und werden von anderen Außerirdischen, die mit der US-Regierung kooperie-ren, gejagt. Ursprünglich kommen sie vom Planeten Lorien, den sie jahrhundertelang ausgebeutet haben. Als das Ökosystem kurz vor dem Ende stand, änderten die Bewohner ihre Lebensstile radikal und lebten fortan im Einklang mit der Natur. Die Gegenspieler haben ihren Planeten auch heruntergewirtschaftet, ihren Lebensstil aber nicht angepasst und nehmen nun nach der Eroberung und Ausbeutung Loriens die Erde ins Visier.
Die Buchreihe beschreibt trotz vieler Sci-Fi-Elemente sehr eindrücklich eine Gegenüberstellung von „Entwicklung um jeden Preis" und „Leben im Einklang mit der Natur".
In eine ähnliche Kerbe schlägt das Buch „Planetenwanderer" von George R.R. Martin, hauptsächlich bekannt für die Romanvorlage von Game of Thrones. Das Buch führt dem Leser u.a. vor Augen, was für ökologische und gesellschaftliche Probleme in Folge von Überbevölkerung entstehen können. Der Protagonist Haviland Tuf kommt zu Anfang der Geschichte in den Besitz des letzten Saatschiffs des Ökologischen Ingenieurskorps der alten Erde. Dieses Raumschiff ermöglicht die Entwicklung von Saatgut, biologischer Kriegsführung, das Klonen von bereits bekannten Spezies und die Schöpfung neuer organischer Lebensformen. Ausgerüstet mit dieser Technologie reist er durch die Galaxien, um den Bevölkerungen verschiedener Planeten mit ihren Problemen zu helfen. Besonders ist bei diesem Buch der Erzählstil, welche einen gewissen Zynismus aufweist.
Dadurch wird das Buch meines Erachtens besonders amüsant und lesenswert für (ehemalige) Studenten der Umweltwissen-schaften.
Ein Klassiker der deutschen Umwelt-Belletristik ist der Jugend-roman „Die Wolke" von Gudrun Pausewang. Das Buch erschien1987 - ein Jahr nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl.
Es behandelt das fiktive Schicksal der 14-jährigen Janna-Berta, die durch einen Reaktor-Unfall in Deutschland zu einem Strah-lenopfer wird. Das Buch erhielt unter anderem den Deutschen Jugendliteraturpreis und ist in vielen Schulen auch Pflichtlitera-tur. Es hatte einen prägenden Einfluss auf die Anti-Atombewe-gung und letztendlich auch auf den Beschluss des deutschen Atomausstieges von 2011.
Bücher und Comics, genauso wie Filme und Serien, die sich kritisch mit den Themen der Natur und des Umweltschutzes aus-einandersetzen, können inspirierend sein. Sie können bei der Reflektion über unsere eigenen Handlungen und Lebensstile helfen. Meines Erachtens nach kommt ihnen daher eine besondere Bedeutung zu. Wer weiß, ob ich Umweltwissenschaften studiert hätte, hätte ich nicht viele der oben genannten Werke gelesen und mich dadurch inspiriert gefühlt. Ich verdanke diesen Büchern/Comics und Autoren also jede Menge.