Zwischen Mutzen und Glühwein

Weihnachtsmärkte sind ein gängiges Bild in der Vorweihnachtszeit in deutschen Städten und Gemeinden. Ihr Ursprung lässt sich bis ins Spätmittelalter zurückverfolgen. Damals gab es Verkaufsmessen und -märkte, die es den Bürgern zu Beginn der kalten Jahreszeit ermöglichten Fleisch und winterliche Bedarfsgegenstände zu kaufen. Ab dem 14. Jahrhundert durften zusätzlich auch Handwerker ihre Erzeugnisse in Form von Spielzeug, Korbflechtarbeiten und Süßwaren feilbieten. In dieser Zeit gab es bereits erste Stände, die geröstete Kasta-nien, Nüsse und Mandeln anboten. Heutige Weihnachtsmärkte orientieren sich weitgehend an diesen historischen Entwicklun-gen. Sie sind in der Regel eine Ansammlung kleiner Buden auf einem öffentlichen Platz oder in der Fußgängerzone. Man kann Mutzen, ein mit Puderzucker bestäubtes rheinisches Fettge-bäck, gebrannte Mandeln und kandierte Äpfel kaufen. Außerdem werden Holzspielzeug, Tannenbaumschmuck, Mützen und Wachserzeugnisse verkauft. Stände mit Glühweinausschank dürfen auf keinem Weihnachtsmarkt fehlen und sind häufig der Besuchermagnet schlechthin. Eine moderne Erweiterung der Weihnachtsmärkte sind Fahrgeschäfte wie Karusselle und Rie-senräder.

Weihnachtsmärkte können sich regional in ihrer Dauer, Ausrichtung und Benennung unterscheiden. Mancherorts heißen sie Adventsmarkt oder Christkindlemarkt. In manchen Städten beginnen sie bereits im November und gehen bis in den Ja-nuar, in anderen öffnen sie nur in der Adventszeit oder nur an einzelnen Tagen und Wochenenden. Jede größere Stadt hat eigentlich einen zentralen Weihnachtsmarkt. Besonders bekannt sind der Nürnberger Christkindlesmarkt, der Münchener Christkindlmarkt, der Aachener Printenmarkt, der Dresdner Striezelmarkt, der Weihnachtsmarkt am Kölner Dom, und der Weihnachtsmarkt vor dem Hamburger Rathaus. In Deutschland gibt es jedes Jahr zwischen 1500 und 3000 Weihnachtsmärkte. Neben dem klassischen Weihnachtsmarkt gibt es auch noch eine Vielzahl von Sonderformen. Vielerorts gibt es Mittel-alter-Weihnachtsmärkte, die mit Honig- oder Apfelmet anstelle von Glühwein locken. Die Handwerker und Verkäufer kleiden sich mittelalterlich. Zum Teil gibt es Laien-Theater, Feuerkör-be und Schmiedevorstellungen über einem Schmiedefeuer.

In Lübeck gibt es neben dem zentralen Weihnachtsmarkt auf dem Rathausmarkt und dem Mittelaltermarkt im Vorhof zur Ma-rienkirche, den Puppenweihnachtmarkt mit einer Nachstellung Grimm'scher Märchen, den Kunsthandwerksweihnachtsmarkt in der St. Petrikirche und den historischen Weihnachtsmarkt im Heiligen-Geist-Hospital. In Duisburg fand vor ein paar Jahren einer der ersten veganen Weihnachtsmärkte statt.

Weihnachtsmärkte sind mit einem riesigen Logistikaufwand verbunden. Der Essener Weihnachtsmarkt führt durch die gesamte Essener Innenstadt. Los geht es auf dem Willy-Brandt-Platz beim Hauptbahnhof. Hier wurde lange Zeit jedes Jahr ein Tannenbaum mit mindestens 12 Meter Höhe aufgestellt. Der Transport erfolgte mittels Schwertransporter und gipfelte im Transport des 20-Meter-Baums von 2017. Der Baum kam in gerupftem Zustand an und ging als Pannenbaum (Panne = Unfall,

Missgeschick) in die Essener Geschichte ein. Seit 2018 wird nun ein Kunstbaum aufgestellt. Zusätzlich zum zentralen Weihnachtsbaum werden überall in der Stadt kleine Weihnachtsbäume aufgestellt. Ein weiteres Beispiel für den Logistikaufwand ist die Verteilung von Mülltonnen und die Entsorgung des Mülls im gesamten Stadtgebiet während des Weihnachtsmarktes.

Zurück
Zurück

Ein Plädoyer für das Fahrrad

Weiter
Weiter

Kein Hunger im Winter