Boßeln und Kloatscheeten– winterliche Traditionenin Norddeutschland
In den ersten Monaten des Jahres begegnet man auf den Straßen im ländlichen Norddeutschland gelegentlich Gruppen von Menschen, die angestrengt versuchen eine Kugel - oder je nach Region - eine abgerundete Holzscheibe möglichst weit über den Asphalt zu schleudern. Boßeln und Kloatscheeten sind in vielen Teilen Norddeutschlands ein Freizeitspaß, der von Januar bis Ende März Nachbarschaften, Sportvereine, Mitarbeiter von Firmen oder Freundeskreise in die Natur lockt.
Boßeln und Kloatscheeten haben in verschiedenen norddeutschen Regionen lange Tradition - nicht nur als gesellige Freizeitaktivität, sondern sogar als Vereinssport. Erste Erwähnungen von einem Straßenspiel mit Kugeln oder sogenannten Kloats sind schon in Dokumenten aus dem 17. Jahrhundert zu finden, zum beliebten Freizeitsport haben diese Aktivitäten sich aber erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelt.
Beim Boßeln, wie auch beim Kloatscheeten, treten mindestens zwei Gruppen gegeneinander an. Abwechselnd schleudern einzelne Spieler oder Spielerinnen eine Kugel aus Holz oder Gummi über die Straße. Beim Kloatscheeten wird statt einer Kugel, eine abgerundete Holzscheibe mit Bleikern geworfen - der sogenannte Kloat. Es wird immer vom Landepunkt des Vorwerfers aus der eigenen Mannschaft geworfen. Die gegnerische Gruppe versucht mit einer zweiten Kugel oder Kloat, eine weitere Strecke zu schaffen. Es gewinnt das Team, deren Spielgerät die weiteste Strecke zurückgelegt hat, wenn alle Teammitglieder einmal geworfen haben. In der Hobbyvariante werden beliebig viele Runden gespielt.
Zur Ausstattung einer Boßel- oder Kloatscheeterrunde gehört ein Handwagen, der mit Getränken, ein Großteil ist meist sehr alkoholhaltig, und Snacks beladen ist und von den Gruppen mitgezogen wird. Die Saison für Boßel- und Kloatscheeteraus-flüge sind, wie bereits erwähnt, traditionell die ersten drei Monate des Jahres. Meist sind die Gruppen dabei einen Nachmittag beschäftigt.
Am Abend kehrt man dann gemeinsam in eine Gaststätte ein, wo dann klassischerweise meist Grünkohleintopf gegessen und sich aufgewärmt wird. Wenn hier mehrere Gruppen aufeinander treffen ist es durchaus üblich, dass der Abend mit Musik und Tanz ausklingt.