Berufsbildung,Technologische Entwicklung

Industrie 4.0 und die duale Ausbildung

Überblick zu den Prozessen und Anwendungsbereichen der Industrie 4.0

von Christian Limbeck

Die Digitalisierung ist derzeit das prägende Thema der Arbeitswelt - und wird es in den nächsten Jahren bleiben. In vielen Ländern der Welt versucht die Industrie, die technischen Entwicklungen für ihre Produktionsprozesse zu nutzen. So haben sich in den USA zahlreiche Unternehmen zusammengeschlossen und versuchen unter dem Titel „Industrial Internet Consortium“, die Digitalisierung der Fabriken umzusetzen. In China soll das Projekt „Made in China 2025“ die Verbindung von Informationstechnologie und Industrie vorantreiben. Deutschland reagiert mit der Hightech-Strategie „Industrie 4.0“ auf den digitalen Wandel, der für Politik, Unternehmen und Bildungseinrichtungen eine große Herausforderung darstellt.

Der Begriff „Industrie 4.0“ geht auf eine Initiative der Bundesregierung von 2011 zurück und bezeichnet, einfach zusammengefasst, eine smarte Fabrik. Eine Fabrik, in der Maschinen miteinander kommunizieren, sich gegenseitig über Fehler im Fertigungsprozess informieren, knappe Materialbestände erkennen und nachbestellen - also über den eigenen Fertigungsstandort hinaus vernetzt sind. Das ist die Vision hinter „Industrie 4.0“. Menschen, Maschinen und die Produkte selbst kommunizieren und arbeiten hier direkt miteinander. Eine Vernetzung von industrieller Produktion und moderner Kommunikationstechnik, die eine Verbesserung des gesamten Zyklus eines Produktes, von der Herstellung, dem Weg zum Verbraucher und letztlich dem Recyceln, ermöglichen soll.

Ein so grundlegender Wandel der Arbeitswelt fordert, wie eingangs bereits erwähnt, Unternehmen, Politik und Verbände sowie Bildungseinrichtungen. Dabei ist gerade die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter ein zentraler Aspekt. Die Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen in der Aus- und Weiterbildung in Schulen, Hochschulen und Universitäten sowie in den Betrieben sind ebenso von Bedeutung wie die Unterstützung der Unternehmen bei der Gestaltung des Wandels. Zu beachten ist die Gefahr einer doppelten digitalen Spaltung: zwischen großen und kleinen Unternehmen einerseits sowie zwischen hoch und niedrig qualifizierten Beschäftigten andererseits. Während Großunternehmen sich eher auf technologische Kompetenzen (z.B. künstliche Intelligenz) konzentrieren, versuchen kleine und mittelständische Unternehmen Kompetenzen in der Kundenorientierung, Organisation und Kommunikation zu erweitern.

Die Thematik der Aus- und Weiterbildung stellt für alle gleichermaßen eine Aufgabe dar, die bewältigt werden muss. Mit der Anpassung der Inhalte und Methoden von Bildungsanbietern bzw. -institutionen wird zurzeit ein wichtiger Schritt getan. Für eine erfolgreiche  und vor allem nachhaltige Qualifizierung ist es wichtig, bestehende Aus- und Weiterbildungsangebote konzeptionell aufeinander zu beziehen und Inhalte in Richtung „Industrie 4.0“ zu erweitern.

Bereits vor einer betrieblichen Ausbildung gilt es, Schülern in Zukunft noch stärker Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln. Das Thema Digitalisierung gehört in die gesamte Lehrplanung. Im Rahmen des dualen Ausbildungssystems in Deutschland ist es notwendig, die Ausbildung an Berufsschulen und in Unternehmen mit dem technologischen Wandel abzustimmen. Dabei wird verstärkt nicht mehr nur auf traditionelle Präsenzveranstaltungen gesetzt. Auszubildende werden immer mehr mit digitalen Lerninhalten direkt angesprochen. Verschiedene Lernmaterialien können beispielsweise über mobile Endgeräte bereitgestellt werden und in naher Zukunft könnten Lerneinheiten an die IT-Systeme der Unternehmen gekoppelt werden. So kann während der praktischen Arbeit im Betrieb eine Unterstützung stattfinden und gleichzeitig in den Produktionsprozess integriert werden. Zu beachten ist dabei auch die gezielte Aus- und Weiterbildung des Lehrpersonals.

Berufsbildung 4.0

Um das duale Ausbildungssystem erfolgreich mit dem Wandel der Industrie zu verbinden, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung zusammen mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung die Initiative „Berufsbildung 4.0“ gegründet. Zwischen 2016 und 2018 wird im Rahmen dieser Studie untersucht, welche Qualifikationen und Fähigkeiten für die digitalisierte Arbeitswelt die entscheidenden sind. So sollen unter anderem Antworten auf die Fragen gegeben werden, wie zukünftige Tätigkeitsprofile zu bestehenden Aus- und Fortbildungsberufen passen oder wo sich Tätigkeitsprofile zeigen, die möglicherweise zu völlig neuen Ausbildungsberufen führen können.

Gerade der Bereich der Elektroberufe wird die Auswirkungen der Digitalisierung spüren. Die Aufgabenprofile von Mechanikern, Elektrotechnikern und Mechatronikern werden sich verändern. Voraussichtlich werden Zusammenlegungen von bisherigen Ausbildungsberufen notwendig sein.  Starke Berührungspunkte zeigen beispielsweise der Mechatroniker, der Elektrotechniker für Betriebstechnik und der Elektroniker für Automatisierungstechnik. Über eine gemeinsame Beschulung im Rahmen der dualen Berufsausbildung - die in vielen Fällen schon heute stattfindet - könnte der Weg hin zu einer Zusammenfassung dieser Berufe in eine Berufsgruppe geebnet werden.

Auf einer Veranstaltung des Bundesinstitutes für Berufsbildung zum Thema „Berufsbildung 4.0“ im September 2017 zeigte eine Umfrage unter den anwesenden Führungskräften von Berufsschulen, dass ein Großteil der Schulen in den letzten Jahren bereits erste Schritte zur Umgestaltung der Ausbildungsinhalte mit Blick auf Digitalisierung vollzogen hat. Einen Schwerpunkt legten die Berufsschulen dabei in die Anschaffung von entsprechender Ausstattung und Ausbildungsmittel. Die Umfrage (Abb.1 und 2) macht bereits deutlich, dass mit Blick auf die Ausbildung einige wichtige Entwicklungen eingeleitet sind. Gleichzeitig gilt es jedoch in Zukunft weiter zu investieren, um die „Industrie 4.0“ erfolgreich zu gestalten.

Abb. 1

Abb. 2

Quellen:

Bundesministerium für Bildung und Forschung - bmbf.de

Bundesministerium für Bildung und Forschung: Duale Berufsausbildung sichtbar gemacht

Bundesinstitut für Berufsbildung - bibb.de

Forschungsbericht acatech: Kompetenzen für Industrie 4.0. Qualifizierungsbedarfe und Lösungsansätze

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„Du bildest Zukunft!“ – Woche der beruflichen Bildung 2018

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Berufsbildungsbericht 2018: Digitalisierung in der beruflichen Bildung