Gespräch mit den Schülern,
die als erste durch das Chinesisch-Deutsche Ausbildungsprojekt nach Deutschland gekommen sind.
Die vier schüler in Oldenburg
Wir hatten im August Gelegenheit, die Schüler der „ersten Stunde“ in Oldenburg zu treffen und ein paar Fragen zu Ihren Eindrücken zu stellen. Hier stellen wir einen Querschnitt der Antworten zusammen.
Nach diesen zwei Jahren sprechen sie alle schon recht gut Deutsch, so konnten wir dieses Gespräch auch problemlos auf Deutsch führen.
Startschwierigkeiten?
Die Frage, nach den größten Schwierigkeiten nach ihrer Ankunft in Deutschland beantworteten Sie unterschiedlich.
Ein großes Problem war zunächst natürlich die deutsche Sprache. – Trotz des vorbereitenden Deutschunterrichts in China war es eine große Umstellung. Auch gab es Unsicherheiten, da man in eine ganz andere Kultur kam, das führte teilweise auch zu Stress – und auch gelegentlichem Heimweh.
Jedoch erhielten wir auch die Rückmeldung, dass das Projekt sehr gut ist und man sich freut, daran teilzunehmen und so viel Neues lernen zu können.
Der Unterricht in Deutschland.
Der größte Unterschied im Unterricht ist für die Schüler der Wechsel zwischen Theorie und Praxis. – Während die Ausbildung in China zunächst nur theoretisch ist, wird in Deutschland die Ausbildung im dualen System stets als Wechsel zwischen Theorie und Praxis durchgeführt.
So haben die Schüler z.B. einen Monat theoretischen Unterricht in der Schule und dann einen Monat praktische Arbeit in den Pflegeeinrichtungen, wo sie möglichst das Gelernte auch umsetzen.
Ein weiterer großer Unterschied, an den sich die Schüler zunächst gewöhnen mussten, sind die Lehr- und Lernmethoden. Sie waren an den Frontalunterricht in China gewöhnt. In Deutschland ist das ganz anders. Hier erklärt der Lehrer auch, aber die Schüler müssen sich auch viel selbst erarbeiten. Es ist mehr ein Austausch untereinander und sehr häufig gibt es Lerngruppen. – Die mündliche Beteiligung ist in Deutschland besonders wichtig.
Als großer Unterschied fällt den Schülern auch auf, dass in Deutschland viel Lehrstoff anhand von Skripten vermittelt wird. In China gibt es für alles Bücher.
In der Schule
Hier gibt es sehr unterschiedliche Antworten. Alle denken, dass die Lehrer nett sind und auch immer ihre Hilfe anbieten, wenn es notwendig ist.
Zu den Mitschülern haben einige guten Kontakt, es wird auch über Persönliches gesprochen. Aber es gibt da auch Probleme, so haben die chinesischen Schüler den Eindruck, dass es häufig schwierig ist, bei den Lerngruppen akzeptiert zu werden. – Möglicherweise auch aufgrund der noch immer vorhandenen Sprachprobleme bei den komplizierten Anforderungen im Unterricht.
In der Pflegeeinrichtun
Nach Ansicht der Schüler ist die Arbeit oft sehr anstrengend, besonders auch weil häufig wenig Personal da ist. – Zunächst gab es auch Probleme, weil die Schüler oft zu Überstunden eingeteilt wurden und aufgrund ihres Wesens diese nicht ablehnen mochten. Nachdem dieses Problem erkannt wurde, hat man es mithilfe der Pflegedienstleitung gelöst.
Generell ist es so, dass die Schüler Probleme mit der Stationsleitung oder Pflegefachkraft besprechen können und man dann meist auch eine Lösung findet.
Die Bewohner
Die Schüler sagen übereinstimmend, dass sie mit den Bewohnern sehr gut zurecht kommen. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber das Bild ist recht positiv. Probleme gibt es meist nur dann, wenn es Bewohner mit Migrationshintergrund sind und sie kaum Deutsch sprechen.
Positiv und negativ
Auf die Frage, was das beste und schlechteste bei der Arbeit ist, wird meist geantwortet, dass es nette und „weniger nette“ Kollegen gibt. Mit vielen kann man sich gut verstehen, aber es gibt leider auch andere. Auch ist es schwierig, weil Kollegen gekündigt haben und man sich jetzt auf neue Kollegen einstellen muss. Einige der Kollegen, die schon länger in der Einrichtung arbeiten, versuchen auch häufig ihre Pausenzeiten zu verlängern, was bei den Schülern auf Kritik stößt.
Als angenehm wird der Umgang mit vielen Bewohnern gesehen und auch dass es in Deutschland klare Arbeitszeiten gibt. – „Wenn 14 h Arbeitsende ist, dann kannst du ganz schnell nach 14 h losgehen“.
Das Leben in Deutschland
Hier sind die Eindrücke unterschiedlich, sie finden das Land und die andere Kultur sehr interessant. Sie überlegen teils, auch nach der Ausbildung noch eine Weile in Deutschland zu bleiben. Sie reisen viel, um viele neue Eindrücke zu sammeln und andere Orte kennenzulernen.
Aber es kommt auch die Anmerkung, dass sich das Leben sehr unterscheidet. Während China sehr viel „lebendiger“ ist, ist es in Deutschland ruhig und beschaulich. – Letztlich ist doch China die Heimat, die man auch ein wenig vermisst.