Interview mit Herrn Josefiok – Einrichtungsleiter „Seniorenwohnstift Kreyenbrück“ Oldenburg
Herr Josefiok, Sie sind Leiter einer Pflegeeinrichtung in Oldenburg, können Sie sich und Ihre Einrichtung kurz vorstellen?
Mein Name ist Johannes Josefiok. Ich bin seit drei Jahren hier beschäftigt als Einrichtungsleitung. Dieses Haus hat 95 stationäre Pflegeplätze, 102 Wohnungen für das Wohnen mit Service und zusätzlich haben wir hier auf dem Gelände auch noch einen ambulanten Dienst, mit dem wir kooperieren wie mit anderen Diensten auch. Meine Aufgabe ist es, die Vorgaben des Gesetzgebers und der verschiedenen Ämter einzuhalten, umzusetzen und eine größtmögliche Zufriedenheit zu erzeugen.
Ihre Pflegeeinrichtung hat das Projekt mit den chinesischen Studenten oder Schülern von Anfang an begleitet. Können Sie kurz erläutern, wie Ihre Arbeit ist und wie sich das entwickelt hat?
Es ist durch einen Zufall entstanden. Wir hatten das erste Mal im Jahre 2014 Kontakt mit der Firma ASC Ausbildung & Service GmbH. Das war eher ein Orientierungsbesuch seitens Ihrer Firma und daraus hat sich dann relativ schnell entwickelt, dass die Anfrage kam, ob wir hier vier Schüler aufnehmen könnten und dem haben wir dann ja relativ schnell zugestimmt.
Und welches ist die größte Herausforderung, die Sie in der Arbeit in so einer Einrichtung sehen?
Wir versuchen, den Wünschen und Bedürfnissen unserer Bewohner nachzukommen. Die Mitarbeiter sind da sehr engagiert, die Bedürfnisse zu erkennen und ggf. Defizite auszugleichen.
Es gibt bescheidene Rahmenbedingungen. In Niedersachsen sind die Personalschlüssel und das, was uns an Personal zugestanden wird, extrem niedrig. Das macht uns am meisten Sorge, damit wir unseren Arbeitsauftrag erfüllen können.
Vielleicht noch zu dem Projekt China. Uns würde interessieren: Was hat Sie letztendlich wirklich überzeugt, da mitzuarbeiten?
Der Ausschlag war letztendlich, dass die Gespräche mit Ihnen, der Firma ASC Ausbildung & Service GmbH, sehr konstruktiv waren und kein Zweifel darüber bestand, ob das nun Sinn macht oder nicht. Sie waren alle überzeugend und für uns als seriöser Partner erkennbar. Wir hatten vorher auch mit Menschen zu tun, die erkennbar unseriöse Absichten hegten und darum haben wir dann gesagt: Gerne. Die Firma ASC ist für uns der richtige Partner.
Dankeschön. Und wie haben Sie Ihre Mitarbeiter darauf vorbereitet, dass Auszubildende aus China kommen?
Da die zeitliche Spanne bis zum Erscheinen der Schüler für uns nicht so ganz groß war, haben wir mit einer Mitarbeiterin eine Broschüre erstellt, haben uns Literatur über China besorgt, um unseren Mitarbeitern Grundkenntnisse zu vermitteln, was man zum Anfang des Projektes wissen sollte. Dagegen haben Herr Massini und ich uns einige Monate vorher bereits bei Workshops und Fortbildungen mit dem Thema China beschäftigt.
Und wie war die Reaktion der Kollegen?
Ausgesprochen positiv. Durch das nette, freundliche Wesen unserer chinesischen Schüler gab es so gut wie keine Probleme.
Also auch in der Anfangszeit, wenn Sie daran zurückdenken, wo waren die größten Probleme und konnte man diese gut lösen?
Die größten Probleme waren nach wie vor in der Sprache. Altenpflege bzw. Krankenpflege ist ein kommunikativer Beruf. Als die Schüler hier ankamen, waren ihre Sprachkenntnisse zunächst bescheiden. Wir haben dann unsere Mitarbeiter gebeten, möglichst viel nachvollziehbar und einfach zu kommunizieren. Wir haben auch einen ehrenamtlichen Deutschlehrer engagieren können, der sich mit den Schülern beschäftigt und Deutsch unterrichtet hat.
Und wie sieht es aktuell aus? Haben sich die chinesischen Auszubildenden Ihrer Meinung nach jetzt in Deutschland eingelebt?
Wir sehen die Sprache ist deutlich besser geworden, es sind Riesenfortschritte gemacht worden. Sie haben sich in Sportclubs angemeldet, sie gehen mit ihren Kollegen feiern, sie gehen zusammen aus, sie lernen zusammen. Man sieht es auch an den Facebook-Kontakten. Es sind Riesenschritte gemacht worden, was das Einleben hier vorangebracht hat.
Und wie ist das Feedback jetzt aus der Einrichtung, also von den Kollegen aktuell?
Die Kollegen aktuell freuen sich. Da wir das Problem haben, dass wir wenig Nachwuchs haben in den Ausbildungskursen, möchten wir unsere Schüler gut begleiten, damit sie eine gute Ausbildung machen können.
Und wenn man die Bewohner einmal nimmt, wie war zunächst die Reaktion der Bewohner, dass jetzt Mitarbeiter aus China da sind und wie ist es aktuell?
Da gab es gar keine Probleme, überhaupt keine Probleme, durchweg positives Feedback seitens der Bewohner. Besonders natürlich, da die jungen Leute alle ein nettes, freundliches, empathisches Auftreten gegenüber unseren älteren Gästen hier im Haus haben.
Noch einmal zur dualen Ausbildung. Es ist ja eine Zusammenarbeit von der Schule und der Einrichtung. Können Sie kurz erläutern, wie Zusammenarbeit läuft?
In den Wohnbereichen haben wir sogenannte Mentoren, die die Schüler begleiten und diese Mentoren und die Schüler halten dann die Verbindung zur Schule und versuchen dann dort möglichst die Lernergebnisse zu begleiten und zu überwachen.
Und wie ist der Austausch zwischen der Einrichtung und der Ausbildungsstätte, also der Schule?
Der Austausch ist permanent. Da wir die Schule hier in Oldenburg vor Ort haben, haben wir einen kurzen Weg, nicht nur über E-Mail und Telefon, sondern können uns auch mit den Unterrichtskräften der Schule insbesondere über unsere chinesischen Auszubildenden austauschen.
Also kommen die Lehrer regelmäßig in die Einrichtung?
Ja, die Lehrer kommen regelmäßig in die Einrichtung, überprüfen auch die Anforderungen, die gestellt worden sind, auch in der praktischen Arbeit. Das ist ein kontinuierlicher Prozess.
Wie werden denn die praktischen Leistungen bewertet? Wo liegt der Schwerpunkt? Wie wird das für die Schüler sichtbar?
Die praktische Leistung wird in sogenannten Sichtstunden bewertet. Es kommt eine Unterrichtskraft, stellt dem Schüler eine praktische Aufgabe z.B. am Bett eines Bewohners. Anschließend wird die Leistung der Schüler bewertet. In den letzten beiden Sichtstunden, die jetzt vor einem Monat stattgefunden haben, sind beide (chinesischen Schüler) mit gutem Ergebnis und mit hoher Zufriedenheit der Schule geprüft worden.
Wie steht es denn mit den Unterschieden zu anderen Auszubildenden, gibt es welche?
Die Unterschiede liegen glücklicherweise darin, dass unsere chinesischen Kolleginnen ein gutes Verständnis für alte Leute haben. Sie haben Respekt vor den alten Menschen und an diesem Respekt lassen sie allen in ihrer Umgebung auch teilhaben, insbesondere natürlich unsere älteren Bewohner hier im Haus, was sehr, sehr positiv angenommen wird.
Wie sehen denn Ihre Zukunftspläne für die Schüler aus, wenn sie mit der Ausbildung fertig sind. Gibt es Anregungen sie hier zu halten?
Wir würden uns freuen, wenn wir die Schüler dann als Fachkräfte hier behalten können. Wir werden frühzeitig mit den Schülern ins Gespräch gehen, werden ihnen das ortsübliche Gehalt anbieten, das natürlich gleich ist mit dem unserer deutschen Kollegen. Auch werden wir ihnen anbieten, bei der Wohnungssuche behilflich zu sein ggf. den Wohnraum auch zu stellen, so dass sie sich um solche Dinge nicht zu kümmern brauchen.
Sie konnten jetzt zwei Jahre Erfahrung sammeln in diesem Projekt. Gibt es Konsequenzen, die Sie daraus ziehen können? Welche Veränderungen würden Sie machen?
Wie wollen gerne weiter mit der Firma ASC zusammenarbeiten. Die kleinen Fehler und Widrigkeiten, die sich im Projekt gezeigt haben verbessern, so z.B. der Umgang mit den Behörden, der Umgang mit den Unterlagen, die mitgebracht werden müssen. So können wir zukünftig schneller verfahren, wenn neue Schüler aus China kommen. Vor allen Dingen aber möchten wir, dass das Erlernen der deutschen Sprache vielleicht mehr Kraft und Intensität bekommt, und dass dadurch die Integration hier in die Arbeit leichter fällt.
Wir danken Ihnen für das Gespräch, Herr Josefiok.