Autonomes Fahren

Mit dem Fortschritt der Fahrzeugtechnik und den Errungenschaften im Bereich der Digitalisierung und den Infor-mations- und Kommunikationstechniken (ICT) wird das autonome Fahren als Chance in der Logistik und für umweltfreundlicheres Reisen entwickelt. Das autonome Fahren könnte auf alle Wege des öffentlichen und privaten Verkehrs einwirken und zu besonderen Innovationen führen.

In den letzten Jahren gab es vermehrt Pilotversuche, wie die autonomen PKW von Googles Schwesterunternehmen Waymo in Kalifornien, Konzepte zum autonomen Schiffs-frachtverkehr oder dem autonomen öffentlichen Nahverkehr in Masdar City, Vereinigte Arabische Emirate.

Autonome PKW

Die Pioniere des autonomen Fahrens sind sicherlich Google und sein Schwesteruntemehmen Waymo. Im Oktober 2018 erklärte man offiziell, dass 16 Millionen Testkilometer gefahren wurden. Hinzu kommen weitere 7 Milliarden virtuell im Simulator absolvierte Kilometer. Konkurrenten haben deutlich weniger Testkilometer vorzuweisen. Das liegt auch daran, dass Waymo und Google bereits seit über 10 Jahren an der Technik arbeiten und sie kontinuierlich weiterentwickeln. Die Prototyp-Fahr-zeuge fahren u.a. in Kalifornien, Arizona und Michigan. Bisher berücksichtigten die Probephasen insbesondere extreme Ver-kehrsszenarien wie scharfe Kurven, verschneite Pisten, Staub-stürme oder das Befahren von Baustellen bei Nacht. Zukünftig sollen die Versuchsreihen sich vermehrt auf die Akzeptanz der Fahrzeuge im öffentlichen Verkehr konzentrieren. Die Prototypen würden bisher sehr defensiv fahren, was bei den anderen Verkehrsteilnehmern nicht positiv aufgenommen würde. Darüber hinaus sollen Probleme mit verschiedenen Wetterlagen und schnellfließendem Verkehr gelöst werden. Auch die Strecken führung und -anbindung soll verbessert werden - zukünftig sollen die Strecken, die man zu Fuß zum Auto zurücklegen muss, reduziert werden. Der kommerzielle Start des Projektes soll bald möglichst folgen.

Um dem Vorsprung, den Google und Waymo sich erarbeitet ha-ben, aufzuholen kommt es im Bereich des autonomen Fahrens verstärkt zu Zusammenschlüssen von großen Autobauern und Softwarefirmen. Berichte besagen, dass die Firmen Toyota und Uber mit einem Budget von ca. 430 Millionen Euro an einer gemeinsamen Umsetzung selbstfahrender Autos arbeiten wollen.

Der Autohersteller Ford kündigte an seine Unternehmensspar-te für das autonome Fahren bis 2023 mit rund vier Milliarden Dollar zu fördern. Der japanische Technologiekonzern Softbank schließt sich mit General Motors zusammen und ist bereit langfristig zwei Milliarden Dollar zu investieren.

Vorteile und Chancen des Autonomen Fahrens

Wie die Zahlen und Ausgaben zeigen, nimmt das autonome Fahren immer mehr Gestalt an. Die Frage lautet heute nicht mehr ob diese Form der Mobilität kommen wird, sondern vielmehr wann dies der Fall ist. in diesem Lusam mennang stelli sich allerdings die Frage nach den Vorteilen und Chancen des Autonomen Fahrens: Warum brauchen wir das autonome Fah-ren? Was verbessert sich durch die Roboterautos?

Autonomes Fahren baut u.a. auf der Nutzung lernender Künstlicher Intelligenz (KI) und einer Vielfalt von Sensoren auf. Diese erkennen bereits frühzeitig gefährliche Situationen und entschärfen sie entsprechend. In einem Mobilitätssystem, dass sich im PKW- und LKW-Verkehr komplett auf autonome Fahrzeuge stützt, könnten die Fahrzeuge auch noch zusätzlich miteinander kommunizieren, um Problemen vorzubeugen, die heute existieren. Zu diesen Problemen gehören Verkehrsunfälle, Verkehrsstaus oder der Schadstoffausstoß pro Fahrzeug. Im Jahr 2017 wurden laut Statistischem Bundesamt rund 2,6 Millionen Verkehrsunfälle polizeilich erfasst. Davon waren 302.656 Unfälle mit Personenschaden. Ca. 91% der Unfälle mit Personenscha-den gehen auf Fehlverhalten der Beteiligten zurück. Autonome und vernetzte Autos könnten diese Zahlen drastisch reduzieren bzw. negieren. Hinzu kommt, dass die Mikroprozessoren eines autonomen Fahrzeuges Hindernisse auf der Strecke rund 1000 Mal schneller als der Mensch verarbeiten und entsprechende Unfälle verhindern können. Mit Hilfe von Verkehrsmitteilungen in Echtzeit können so auch stockender Verkehr und Staus ver-mieden, reduziert oder umfahren werden. Mit dieser vorausschauenden Fahrweise und der Vernetzung mit anderen Fahrzeugen kann dann auch der Energieverbrauch jedes einzelnen Fahrzeuges verbessert und optimiert und der gesamte Schad-stoffausstoß reduziert werden. Wenn alle Fahrzeuge autonom fahren, können Brems- und Beschleunigungsvorgänge aufeinander abgestimmt werden. Auch die Verkehrsführung, z.B. mit Ampeln, könnte noch effizienter gestaltet werden. Wenn das System zuverlässig läuft, kann auch auf verschiedene heutige Sicherheitsstandards im Auto verzichtet werden.

Autonomes Fahren ermöglicht zudem eine verbesserte individuelle Mobilität von Menschen, die nicht selbst fahren dürfen (Minderjährige) oder möchten (Senioren). Mit dem Wegfall der aktiven Fahrtätigkeit, kann die Fahrzeit produktiv gestaltet werden.

Großversuch in der Modellstadt Masdar

Mit dem Großprojekt der Ökostadt Masdar City in den Vereinigten Arabischen Emiraten soll der Versuch gestartet werden eine moderne Stadt der Zukunft entstehen zu lassen, die moderne Techniken anwendet und kontinuierlich zur allgemeinen Markt-tauglichkeit weiterentwickelt. Die Bereiche Erneuerbare Ener-gien, Clean Technologies und Nachhaltige Entwicklung bilden das Fundament dieses Projektes. In einen dieser Bereich fällt auch ein umfassender Plan zur Entwicklung und Umsetzung autonomen Fahrens innerhalb der Stadt. Anfang 2018 wurde verkündet, dass die Flotte des Personal Rapid Transit (PRT) erweitert werden soll. Seit 2010 fuhren diese autonomen Pods zwischen dem North Car Park und der Universität. Künftig soll eine 1 Kilometer lange Route hinzugefügt werden. Dieses Ver-kehrsnetzwerk ist allerdings viel kleiner als ursprünglich ge-plant. Die Anwohner und Beschäftigten vor Ort wollten nicht auf den Luxus verzichten mit dem Privatwagen ans Meer oder in andere Städte zu fahren. So ist der Individualverkehr deutlich höher als geplant.

Ähnlich wie bei Waymo muss man sich auch in Masdar, neben technologischen Fragen, damit auseinandersetzen, inwieweit autonomes Fahren akzeptiert wird.

Blick durch den Oslofjord, in dem bei Horten der Prototyp getestet wird, auf Oslo.

Autonomer Schiffsverkehr

Abseits der Autoindustrie wird besonders im Bereich der Schifffahrt auf autonome Systeme gesetzt. Norwegen ist hier in Sachen Forschung und Entwicklung der Vorreiter. Sie haben bereits 3 Testgebiete für autonome Prototypen ausgewiesen.

Außerdem befindet sich derzeit ein erstes autonomes Frachtschiff in der Konzipierung und Entwicklung. Die Reederei Wil-helmsen und der Technologiekonzern Kongsberg haben sich hierzu in dem Gemeinschaftsuntemehmen Massterly zusam-mengefunden. Dieses plant den Bau von küstennahen Kontroll-zentren und dem selbstfahrenden Containerschiff Yara Birke-land zum Transport von chemischen Erzeugnissen bis 2020.

Dieses soll nach der Fertigstellung Produkte von der herstellenden Fabrik zum Hafen transportieren. Dadurch erhofft man sich eine Reduktion des Straßenverkehrs und damit einhergehend eine Minderung von Luftschadstoffen. Außerdem verringert die neue Technik und das neue Design (durch den Verzicht auf eine Mannschaft werden keine Quartiere und keine Brücke benö-tigt) den Treibstoffverbrauch und damit die Betriebskosten. Dies könnte neue Transportwege in der Logistik ermöglichen. Bis es einen ausgewachsenen Prototyp gibt, wird es aber noch eine Weile dauern. Momentan wird ein 7m-langer Prototyp genutzt um die verschiedenen technischen und operativen Größen zu ermittelt und die nötigen Programmierungen durch zu führen.

Norwegen plant mittelfristig erstmal nur selbstfahrende Schiffe in seichten Gewässern vor ihren eigenen Küsten einzusetzen - mit einer 2-Mann-Besetzung für technische Notfälle. Bisher verbietet das internationale Seerecht die Nutzung von autonomen Schiffen nämlich noch. Die deutsche Bundesregierung möchte bald auch eigene Testgebiete folgen lassen. Die deutsche Wirtschaft schlug hierzu die Nutzung von verzweigten Wasser-straßennetzen wie in Berlin oder der Unterelbe vor. Man wolle aber erstmal eine Anpassung des gesetzlichen Regelwerks der Internationalen Maritimen Organisation (IMO) bewirken.

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