DGB-Ausbildungsreport 2018

Jedes Jahr gibt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) einen Report zum Stand der dualen Ausbildung heraus und gibt so vor allem die Meinung der Azubis zur Qualität der Ausbildung wieder. 2018 scheint das Fazit auf den ersten Blick negativ auszufallen: Noch nie waren so viele Auszubildende unzufrieden mit den Bedingungen ihrer Berufsausbildung. Dazu muss allerdings erwähnt werden, dass ein Großteil der jungen Menschen noch immer vom Modell der dualen Ausbildung überzeugt ist.

Im Ausbildungsreport werden Kriterien bewertet, anhand derer die Qualität der Ausbildung und die Zufriedenheit der Auszubildenden bemessen werden. 2018 ist das Fazit wie erwähnt nicht rein positiv, die Kritik am dualen Ausbildungssystem bewegt sich allerdings auf einem hohen Niveau, denn nach wie vor ist dieses Modell sehr angesehen. Kritische Töne gibt beispielsweise, wenn es um die Wertschätzung für die Arbeit der Auszubildenden geht. Hier fühlen sich junge Menschen häufig falsch beurteilt. In der Außendarstellung könnten einige Betriebe also über Verbesserungen nachdenken.

Ein Schwerpunkt des Berichts ist das Thema Arbeitszeit. Immer wieder klagen Auszubildende darüber, dass sie regelmäßig Überstunden leisten müssen. 2016 war die Zahl derjenigen, die Mehrarbeit leisten mussten auf einem zwischenzeitlichen Tiefstand, seitdem steigt sie wieder an. Die Gründe sind unklar und bedürfen einer näheren Betrachtung, um einen gegensätzlichen Trend einzuleiten.

Um es an konkreten Zahlen zu verdeutlichen: Mehr als 70 Prozent der Auszubildenden geben an, mit dem Ablauf der Ausbildung zufrieden zu sein. Allerdings heißt das auch, dass immerhin knapp 30 Prozent etwas auszusetzen haben. Dabei spielen die Berufsschulen eine Rolle. Nur etwas über die Hälfte aller Auszubildenden bewerten die fachliche Qualität des Unterrichts mit gut oder sogar sehr gut. Eine zeitgemäße Ausstattung mit Unterrichtsmaterialien, Schulbüchern und vor allem technische Geräten – Stichwort Digitalisierung – ist essentiell. Investitionen in Qualität und Modernisierung der Berufsschulen sind dringend notwendig.

Strukturveränderungen auf dem Ausbildungsmarkt

Auf dem Ausbildungsmarkt selbst gibt es strukturelle Veränderungen im Hinblick auf die schulische Vorbildung der Bewerber_innen. Immer mehr von ihnen verfügen über eine Hochschulzugangsberechtigung statt eines Hauptschulabschlusses. Mit dem Bildungsniveau steigen auch die Ansprüche bei der Berufswahl, sowohl in fachlicher Hinsicht als auch mit Blick auf die damit verbundene soziale Position.

Dazu kommt die große Gruppe von Menschen mit Fluchthintergrund. Junge Geflüchtete, die in Deutschland ins Berufsleben starten möchten, sorgen für eine steigende Ausbildungsplatznachfrage. Diese Gruppe stellt sich in ihrer Zusammensetzung allerdings vollkommen anders dar, als Bewerber_innen ohne Fluchtkontext. Unter den Geflüchteten sind weit mehr Männer als Frauen, das Niveau der Vorbildung ist in der Regel geringer und viele sind deutlich älter – nur ein Drittel von ihnen ist unter 20 Jahren. Diese Voraussetzungen führen dazu, dass die Einmündungsquote Geflüchteter in ein Ausbildungsverhältnis leider noch immer recht gering ist.

Eine moderne Ausbildung schaffen 

Der Gewerkschaftsbund betont im Report, dass die moderne Ausbildung zu einer eigenständigen und selbstbewussten Persönlichkeitsentwicklung beitragen soll. Bei einer Novellierung des Berufsbildungsgesetzes muss in erster Linie die immer weiter voranschreitende Digitalisierung beachtet werden, die auch mit Blick auf die Modernisierung der Berufsschulen Priorität haben muss. 

Letztendlich ist festzustellen: Die duale Ausbildung ist noch immer ein erfolgreiches Modell. Wichtig ist aber, dass Ausbildungsbetriebe weiterhin in die Attraktivität der Ausbildungen investieren und mit guten Ausbildungsbedingungen junge Leute zum Berufseinstieg motivieren. Wichtig wird in Zukunft sein, jungen Menschen mit weniger erfolgreichen Schulkarrieren mehr Unterstützung zukommen zu lassen. Bestehende Angebote wie die assistierte Ausbildung oder ausbildungsbegleitende Hilfen, die junge Menschen beispielsweise bei Lernschwierigkeiten unterstützen, müssen weiter ausgebaut werden. In Zukunft sollen so Bewerber_innen eine Chance auf einen Ausbildungsplatz bekommen, die bislang leer ausgegangen sind.

Betont werden muss aber, dass die noch immer hohen Zahlen von jungen Menschen, die sich auf Ausbildungsplätze bewerben bzw. eine Ausbildung beginnen, zeigen, dass von einem generell fehlenden Interesse an der dualen Ausbildung keine Rede sein kann.

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