Interview Frau Mahler-Schintag zur Altenpflegeausbildung für chinesische Schüler in Deutschland
Eingangsbereich des institus ASC Ausbildung & Service GmbH
Bereits seit einiger Zeit unterstützt ASC Ausbildung & Service GmbH chinesische Schülerinnen und Schüler dabei, in Deutschland eine Ausbildung zum staatlich geprüften Altenpfleger/in zu beginnen – eine Ausbildung, die es in China so nicht gibt. ASC vermittelt dabei zwischen chinesischen Hygieneschulen und Bildungsträgern bzw. Pflegeeinrichtungen in Deutschland.
Frau Mahler-Schintag, Sie unterstützen mit ASC Ausbildung & Service GmbH chinesische Schülerinnen und Schüler dabei, in Deutschland eine dreijährige Ausbildung zum/r staatlich geprüfte/n Altenpfleger/in absolvieren zu können. Warum ist diese Ausbildung so attraktiv für junge Chinesen?
Dafür gibt es sicherlich mehrere Gründe. Zunächst einmal gibt es eine solche Ausbildung in China noch nicht – obwohl auch in China ein wachsender Bedarf in diesem Bereich besteht.
Außerdem ist es für die chinesischen Schüler eine große Chance eine Ausbildung in einem anderen Land zu machen. Auch wenn die meisten der Schüler bereits über pflegerische Kenntnisse verfügen, ist die Umsetzung der Pflege – und hier besonders in der Altenpflege – eine ganz andere als in China.
Die Schüler haben so die Gelegenheit, hier neue Kenntnisse zu erwerben und auch den deutschen Abschluss zu machen. Nach Ende der Ausbildung steht es den Schülern frei, weiter hier in Deutschland zu arbeiten, oder aber auch nach China zurückzukehren und dort ggf. am Aufbau des dortigen Systems für die Altenpflege mitzuarbeiten.
Über welche Qualifikation verfügen die Schülerinnen und Schüler?
Die meisten Schüler verfügen bereits über eine Ausbildung an einer chinesischen Hygieneschule. Absolventen dieser Schulen können in China als Krankenschwestern oder Pfleger in Krankenhäusern arbeiten. D.h., dass unsere Schüler bereits über fundierte allgemeine pflegerische Kenntnisse verfügen.
Wie sieht Ihre Unterstützung für die Schülerinnen und Schüler konkret aus?
Die Firma ASC Ausbildung & Service GmbH arbeitet mit der chinesischen Firma SWP zusammen. SWP übernimmt den Part in China. ASC sucht in Deutschland für die Schüler geeignete Ausbildungseinrichtungen bzw. Schulen, die bereit sind, sich unserem Projekt anzuschließen. D.h. auch, dass diese Einrichtungen und Schulen sich nach Ankunft der Schüler gut um sie kümmern sollten, damit sich die Schüler hier schnell einleben und wohlfühlen. Hierbei ist es auch notwendig, die entsprechende Unterkunft für die Schüler vorzubereiten.
ASC unterstützt den ganzen Prozess hier in Deutschland aber auch schon vorab: Es beginnt mit dem Deutschunterricht in China, da die Schüler zwingend ein B1 Zertifikat in Deutsch für die Visaerteilung benötigen. ASC organisiert für den Unterricht in China entsprechende Lehrkräfte, die dann für einige Monate den dortigen Deutschunterricht unterstützen.erner stellen wir den direkten Kontakt zu den deutschen Einrichtungen und Schulen her, von denen die Schüler die Ausbildungsverträge erhalten. Damit können die Schüler dann das Visum für Deutschland beantragen.
Wenn die Schüler in Deutschland anreisen, ist stets ein Vertreter der Firma ASC am Flughafen, um die Schüler dort direkt in Empfang zu nehmen. ASC organisiert den Transport zum neuen Wohnort und den ersten Tag in Deutschland, ggf. auch eine notwendige Übernachtung. Außerdem informieren wir die Schüler über die wichtigsten Gegebenheiten vor Ort und koordinieren gemeinsam mit der Einrichtung oder Schule, welche notwendigen nächsten Schritte bedacht werden müssen. (Z.B. die Anmeldung, Einrichtung eines Bankkontos, Telefon, etc.)
Wie waren die Reaktionen von deutschen Bildungseinrichtungen, auf Ihre erste Anfrage, ob sie Schülerinnen und Schüler aus China aufnehmen würden?
Sehr positiv! Da hatten wir wirklich Glück. Wir haben die erste Gruppe Schüler an zwei Einrichtungen in Oldenburg vermittelt. Von dort erhielten die Schüler sehr viel Unterstützung und wurden herzlich aufgenommen. Ich denke eine Zusammenarbeit mit Einrichtungen kann nur funktionieren, wenn auch dort bereits ein „offenes Denken“ stattfindet. Damit meine ich, dass man Offenheit gegenüber neuen Ideen und auch anderen Kulturen besitzen sollte.
Bekommen Sie Rückmeldungen von den Bildungseinrichtungen? Wie sehen diese aus?
Ja, selbstverständlich. Darauf legen wir auch sehr großen Wert. Da dieses ein ganz neues Projekt ist, möchten wir auch genau verfolgen, wie es den Schülern geht. Ob es vielleicht Punkte gibt, wo wir sie oder auch nachfolgende Schüler besser unterstützen können, oder vielleicht generell etwas ändern müssen.
Besonders die Gruppe in Oldenburg haben wir sehr genau beobachtet und uns auch mit den Einrichtungsleitungen sehr oft ausgetauscht. Wir waren erstaunt, wie wenig Probleme es dann wirklich gab. Natürlich gab es zunächst mehr Informationsbedarf, aber das hatte sich sehr schnell erledigt und die Schüler haben sich dann sehr schnell in die Ausbildung integriert, sodass die Rückspracheintervalle stetig kürzer wurden.
Bei den nachfolgenden Gruppen stehen wir auch in Kontakt mit der Bildungseinrichtung und sind natürlich für alle Schüler und auch die Einrichtungen stets ansprechbar.
Wie sieht es mit der Sprachbarriere aus?
Das war zunächst natürlich schon eine Herausforderung. Für die Konversation im normalen Alltag ist das B1 Niveau in Deutsch ausreichend, aber für den Unterricht in der Schule und die fachliche Kommunikation in den Einrichtungen ist es eigentlich nicht genug. Hier besteht natürlich eine große Anforderungen an die Schüler, in der ersten Zeit besonders an ihren Sprachkenntnissen zu arbeiten. Aber auch für die Einrichtungen und Schulen ist es eine Herausforderung. Allerdings haben die Schüler schon nach wenigen Monaten ihre Sprachkenntnisse so erweitert und gefestigt, dass auch es auch hier weniger Probleme gab.
Ich glaube wir müssen realistischer Weise immer mit einer Startphase von ein paar Monaten rechnen, bis die sprachlichen Probleme keine Rolle mehr spielen.
Bleiben die Gruppen der Auszubildenden in Deutschland zusammen oder werden sie auf verschiedene Standorte aufgeteilt, um ihre Ausbildung zu machen?
Das ist unterschiedlich. Wir versuchen, mindestens zwei oder drei Schüler in einer Einrichtung unterzubringen, damit sie sich ggf. gegenseitig unterstützen können, oder auch bei plötzlich auftretenden Problemen nicht allein dastehen.
Kehren die Schülerinnen und Schüler im Anschluss an ihre Ausbildung wieder nach China zurück oder werden sie in Deutschland weiterbeschäftigt?
Das ist den Schülern selbst überlassen. – Da Berufe in der Pflege als Mangelberufe in Deutschland gelten, bekommen die Schüler anschließend problemlos eine weitere Aufenthaltserlaubnis, wenn Sie einen Arbeitsplatz nachweisen können. – Es wird sicherlich von den Konditionen, die die Einrichtungen den Schülern bieten, abhängen, ob sie weiter in den Einrichtungen bleiben, oder ggf. in einer anderen Einrichtung arbeiten – aber das muss jeder Schüler selbst entscheiden. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass einige Schüler auch wieder nach China gehen und dort mit ihrer Ausbildung einen nächsten Karriereschritt gehen.
Wie viele Berufsschulen, an denen die theoretische Ausbildung stattfindet, sind Teil Ihres Programms?
Z. Zt. arbeiten wir mit fünf unterschiedlichen Schulen zusammen, die aber teilweise zu einem Schulungsträger gehören. Da wir aber an einer Ausweitung des Projektes arbeiten, wird sich diese Zahl in den nächsten ein bis zwei Jahren sicherlich deutlich erhöhen.
Werden die Schülerinnen und Schüler auch während ihrer Ausbildung von Ihnen unterstützt?
Wir sind während der gesamten Ausbildungszeit für die Schüler erreichbar. Wenn Fragen auftauchen, die von den Schülern an uns herangetragen werden, versuchen wir auf jeden Fall eine Lösung zu finden. Da ist es egal, ob die Schüler erst kurz in Deutschland sind, oder schon länger hier wohnen.
Bekommen Sie Rückmeldungen von den Auszubildenden? Fühlen sie sich wohl in Deutschland und in ihren Ausbildungsstätten?
Natürlich erhalten wir auch hierzu Rückmeldung. Allgemein gesprochen können wir sagen, dass die Rückmeldung der Schüler sehr positiv ist. Aber wie überall gibt es natürlich auch mal Momente, wo ein Schüler oder eine Schülerin nicht so glücklich ist. Hier ist es dann wichtig, dass wir bzw. die Einrichtungen sich diesen Punkten besonders annehmen – vielleicht auch noch etwas intensiver als bei anderen Auszubildenden, die ggf. ähnliche Probleme haben. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass unsere chinesischen Schüler hier doch gewissermaßen allein sind. Während deutsche Auszubildende auf ihr gesamtes gewachsenes soziales Umfeld zurückgreifen können, besteht dies für die chinesischen Schüler nicht. Hier sehe ich die Einrichtungen aber auch uns als ASC in der Pflicht das Möglichste zu tun, um diese Lücke abzufedern.
Planen Sie in Zukunft noch größere Schülergruppen für eine Altenpflegeausbildung zu begeistern?
Wir hoffen, dass wir die Schülerzahlen in den nächsten Jahren deutlich steigern können. In China hat dieses Projekt sehr großes Interesse geweckt, wodurch wir auch von chinesischer Seite weitere Unterstützung und auch eine zunehmende Zahl von Partnerschulen erwarten.
Auch hier in Deutschland werden wir von interessierten Einrichtungen und Schulen angesprochen und haben dadurch sicherlich die Möglichkeit neue Partner für das Projekt zu gewinnen.
Können Sie sich vorstellen, dass noch mehr Einrichtungen in Deutschland Auszubildende aus China einstellen?
Ja, aufgrund des steigenden Bedarfs in der Pflege in Deutschland werden die benötigten Ausbildungszahlen kaum mit heimischen Kräften geschlossen werden können. Daher besteht schon aus diesem Grund Bedarf, auch Schülern aus anderen Ländern die Möglichkeit der Ausbildung hier in Deutschland zu geben. Außerdem haben wir festgestellt, dass aufgrund des bereits laufenden Projektes auch weitere Einrichtungen auf die Möglichkeit, chinesische Schüler einzustellen, aufmerksam geworden sind. Daher sind wir sehr zuversichtlich, weitere
Partner in Deutschland gewinnen zu können.
Wie lautet Ihr bisheriges Fazit zu diesem Programm der ASC Ausbildung & Service GmbH?
Ich möchte eine recht positive Bilanz ziehen. Wie mit allen neuen Projekten benötigten wir natürlich auch eine gewisse Anlaufzeit. Uns war es immer am Wichtigsten, in diesem Projekt nicht zu vergessen, dass wir hier mit und für die Zukunft von jungen Menschen arbeiten. Daher haben wir auch weniger die kommerzielle als vielmehr die menschliche Seite des Projektes in den Vordergrund gestellt.
Die erste Gruppe der Schüler, die wir nach Deutschland gebracht haben, steht bereits am Ende des zweiten Ausbildungsjahres. Sie wird im nächsten Jahr ihren Abschluss machen. Das wird auch für uns sehr spannend. Dann werden wir sehen für welchen weiteren Weg sich die Schüler entscheiden.
Agehende Hygienefachkräfte aus der Henan Provinz mit Paktikanten von SWP