Erfahrungen unserer deutschen Praktikanten in China
von Christian Limbeck
Nachdem die Praktikanten Tobias Rothe, Oliver Brützel und Leonie Winheller Ende Januar 2018 aus Zhengzhou zurückgekehrt sind, fällt ihre Bilanz durchaus positiv aus. Getreu dem Motto „Aller Anfang ist schwer“ stand zu Beginn der Praktika erstmal die Eingewöhnung in die für westliche Augen fremde Kultur Chinas an.
Alles in China ist gleich mehrere Nummern größer als in der Heimat. Allein die Provinz Henan, in der die Praktiktanten unterrichteten, hat mehr Einwohner als Deutschland. Im Alltag war es interessant und beeindruckend zu beobachten, wie mit den Mengen an Menschen - z. B. in der U-Bahn - umgegangen wird. Natürlich gibt es auch kulturelle Unterschiede. Geräuschvolles Schlürfen und Schmatzen beim Essen gehören in China zum guten Ton, Schlange stehen scheint eher unüblich zu sein und trotz Menschenmassen geschieht das Ein- und Aussteigen in Busse und Bahnen gleichzeitig. Gewöhnen mussten die Praktikanten sich auch daran, oft fotografiert, gefilmt oder gegrüßt zu werden, schließlich sind Ausländer schnell identifiziert. Keine Seltenheit sind Antworten, auf die man sich - beispielsweise bei Fragen nach einem Weg - nicht immer verlassen kann. Dies sind einige der offensichtlichen Unterschiede, daneben gibt es natürlich weitere, die erst nach einem gewissen Zeitraum wirklich auffallen. Generell sollten sich hier aber nicht zu viele Gedanken gemacht werden. Chinesen sind grundsätzlich sehr hilfsbereit und mit dem einen oder anderen Fauxpas, den Ausländer sich meist zwangläufig leisten, wird sehr nachsichtig umgegangen.
Die Sprache ist natürlich eine Barriere, die gerade am Anfang nur sehr schwer zu überwinden ist. Für die Praktikanten hat sich die App „Baidu Translate“ als große Hilfe erwiesen. Mit ihr lassen sich über die Kamera des Smartphones Schriftzeichen einscannen und übersetzen. Nach einer Weile stellten sie außerdem fest, dass die Kommunikation mit Händen und Füßen - auch dank der erwähnten Hilfsbereitschaft der Chinesen - erstaunlich gut funktioniert. Zusätzlich ist es im Alltag durchaus hilfreich, ein kleines Wörterbuch dabei zu haben.
Wohnen und Freizeit
Die Praktikanten lebten in Appartements in einer Wohnsiedlung nahe des Campus, an dem der Unterricht stattfand. Am Eingang zu dieser Siedlung befindet sich ein Supermarkt, der Lebensmittel und Dinge für den täglichen Bedarf anbietet. Auf dem Campus gibt es außerdem einige kleine Läden, unter anderem einen Obststand, einen Bäcker und einen Friseur. Im näheren Umfeld sind dazu noch mehrere Shoppingmalls, ein Outletcenter mit bekannten Markenprodukten und ein internationaler Supermarkt zu finden, in denen man günstig einkaufen kann.
Die Freizeitgestaltung wurde ganz individuell gestaltet. Unsere Praktikanten waren positiv überrascht von der Vielfältigkeit Chinas. Die Wochenenden boten die Möglichkeit, in verschiedenen Städten das moderne China kennenzulernen. Genauso können aber in vielen Regionen noch die traditionellen Aspekte der chinesischen Kultur erlebt werden. Auch landschaftlich hat China einiges zu bieten: vom Bergpanorama über Küstenregionen bis zu weitläufigen Wäldern und vielem mehr, ist alles zu finden. Für Reisen sind die Schnellzüge zu empfehlen, die komfortabel und deutlich günstiger als Flüge sind.
Spannend ist es auch, die chinesische Küche zu erkunden. Diese hat für jeden etwas zu bieten, eine gewisse Neugier für neue Gerichte und Lebensmittel sollte man mitbringen, sonst besteht die Gefahr etwas zu verpassen. Im Sommer ist bei leicht verderblichen Waren allerdings Vorsicht geboten. Günstig essen kann man in den beiden Mensen, die auf dem Campus zu finden sind. Zudem gibt es einige kleine Restaurants in der Nähe der Wohnsiedlung, in der die Praktikanten untergebracht waren. Hier sind neben chinesischem Essen, auch Gerichte aus der westlichen Welt zu finden.
Der Campus selbst ist wirklich groß, beinahe eine eigene kleine Stadt. Zu finden sind hier eine Bibliothek, Hörsäle, Unterrichtsräume und Bürogebäude. Neben den bereits erwähnten Einkaufmöglichkeiten und Mensen, gibt es auch einen Waschsalon.
Der Unterricht
Anfangs waren die chinesischen Schüler sehr zurückhaltend - so beschreiben die Praktikanten ihren ersten Eindruck übereinstimmend. Den Lehrenden wurde eine ganz andere Form des Respekts entgegengebracht, als man es in Deutschland kennt und gewohnt ist. Sobald den Schülern aber deutlich gemacht wurde, dass es in Ordnung ist, Fehler zu machen, wurde die Unterrichtsatmosphäre gleich viel entspannter. Insgesamt ist aber zu betonen, dass die Arbeitshaltung sehr gut war. Die Schüler waren sehr motiviert, interessiert und darauf bedacht, die Deutschprüfung, auf die der Unterrichtet vorbereitet, zu bestehen. Dennoch herrschte - nach einer gewissen Eingewöhnungsphase - eine lockere Atmosphäre.
In der Unterrichtsgestaltung waren die Praktikanten weitgehend frei. Es standen verschiedene Bücher und Lehrmaterialien zur Verfügung, an denen man sich gut orientieren konnte. Zusätzlich gab es Audio- und Videoübungen, die verwendet werden konnten. In den Klassenräumen steht immer mindestens ein Smartboard bzw. Bildschirm zur Verfügung - multimedialer Unterricht war also möglich. Der Schwerpunkt im Unterricht lag auf den Bereichen Sprechen und Hörverstehen. Da der Großteil der Unterrichtstätigkeit darin bestand, die Schüler auf die Deutsch-B1 Prüfung vorzubereiten, standen Übungen zum Hör- und Leseverständnis sowie Sprechübungen, ähnlich zu denen in der späteren Prüfung, im Mittelpunkt. Neben der Sprache wurden aber auch Informationen zum Leben in Deutschland vermittelt. Dabei konnten Spiele oder Bilder über deutsche Eigenarten und Kulturelles aufklären. So wurde der Unterricht sehr abwechslungsreich strukturiert.
Eine Schwierigkeit lag in dem zum Teil sehr unterschiedlichen Sprachniveau der Schüler. Hier musste ein Gefühl für den tatsächlichen Kenntnisstand des Einzelnen entwickelt werden.
Zu den Tätigkeiten während des Praktikums zählte jedoch nicht ausschließlich das Unterrichten und die jeweilige Vor- und Nachbereitung. An einem Tag der Woche wurden von den Lehrenden kurze Videos gedreht, die die Schüler später online abrufen können, um so auch zuhause Deutsch zu lernen. Die Skripte hierfür entwickelten die Praktikanten selbst.
Insgesamt sind die Praktikanten sich einig, dass das Praktikum in Zhengzhou eine gute und interessante Erfahrung war, die absolut zu empfehlen ist. Ein familiäres Umfeld und die Hilfsbereitschaft der chinesischen Kollegen sorgten für eine schnelle Eingewöhnung in eine Kultur, die natürlich eine ganz andere als die deutsche ist. Auch die Erfahrung des Unterrichtens wird als sehr lohnenswert beschrieben. Gerade die Möglichkeit der freien Gestaltung und der Abwechslungsreichtum haben den Lehrenden viel Spaß bereitet.
Grunppenarbeit als Metohden des Unterrichts
Deutsch in der Hygineschule
Englischunterricht
Gruppenfoto der Praktikanten mit Schülern